Glatte Straßen im Berufsverkehr / Mitarbeiter vom Räumdienst schon jetzt am Ende ihrer Kräfte
Herford. Leise rieselt der Schnee – damit ist es am Wochenende vorbei. Es kommt schlimmer, sagen die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst für Herford voraus. Zwar soll es nur bis zu zehn Zentimeter Neuschnee geben, doch führt stürmischer Wind zu Schneeverwehungen. Straßen können unpassierbar werden. Dabei hat der Winter schon jetzt mit Eis und Schnee die Räumdienste an den Rand ihrer Kräfte und ans Ende ihrer Streusalzvorräte gebracht.
Der Herforder Wetterfrosch im Ruhestand, Heinrich Wulff, hat in seinen Unterlagen geblättert: "Wir haben zur Zeit 18 Zentimeter Schnee. Das ist viel für unsere Verhältnisse. Alles über zehn Zentimeter ist hier ein Ausreißer." Am 16. Februar 1991 hat er 23 Zentimeter gemessen, 1987, am 13. Januar, 36 Zentimeter und 1969, am 18. Februar, 46 Zentimeter. "Der Schnee bleibt vergleichsweise lange liegen. Wir haben zwar eine Lufttemperatur von nur zwei bis drei Grad Kälte, doch auf der Schneedecke sind es minus 10 Grad."
Polizeisprecher Joachim Thater-Klas ist froh, dass die Autofahrer inzwischen mit der Glätte umgehen können und es nur wenige Unfälle gibt : "Es geht gesittet zu auf unseren Straßen." Rutschpartien in den Graben zählen amtlich nicht als Unfall. Aber er warnt mit Blick auf die Vorhersagen: "Das Dicke Ende kommt noch."
Gleichwohl hatten die Abschleppdienste schon gestern Morgen viel Arbeit. Kurz vor 7 Uhr war ein Lastwagen in den Serpentinen zwischen Falkendiek und Löhne in den Graben gerutscht und drohte umzukippen. Die Polizei musste die Strecke im Berufsverkehr einseitig sperren. Es kam zu erheblichen Behinderungen. Der Linienbus musste Umwege fahren, Falkendieker wurden mit einem Pendelbus zu einer anderen Linie am Bahnhof Schweicheln gebracht.
Eine Karambolage und mehrere festgefahrene Fahrzeuge machten Probleme auf der Senderstraße. Auf der B239 staute sich der Verkehr vom Klärwerk bis nach Schweicheln. "Wir sind mit allen Mann unterwegs", sagt Lothar Böke vom Abschleppdienst Bewa. "Manchmal ist es für uns auch schwierig, an die Unfallstelle heranzukommen."
Hochkonjunktur hat auch der Abschleppdienst von Schnieder. "Wir haben 20 Einsätze pro Tag", berichtete Andreas Krüger. "Ein Drittel sind Unfälle wegen Glätte, zwei Drittel sind Liegenbleiber aus technischen Gründen." Das können leere Batterien und bei Temperaturen wie Weihnachten eingefrorene Dieselmotoren sein. Vorbeugend empfiehlt er eine regelmäßige Inspektion. Schwerpunkt in Sachen Eisglätte war für ihn gestern die Straße Richtung Enger mit vier verunglückten Autos.
Fahrdienstleiter Olaf Rullkötter von den VMR freut sich, dass die Verspätungen im morgendlichen Busverkehr höchstens im Bereich von 10 bis 20 Minuten geblieben sind. Er hat dafür auch Ersatzbusse eingesetzt.
Die SWK hat, wie berichtet, für den Winterdienst auf städtischen Straßen nur noch wenig Streusalz und wird frühestens nächste Woche Nachschub erhalten. Zwar wird also in den nächsten Tagen weiterhin "rund um die Uhr" geräumt, verspricht Geschäftsführer Wolfgang Rullkötter, doch wird Salz nur noch bei akuter Gefahr und an Punkten wie Krankenhaus und Feuerwehr gestreut.
"So eine Situation hatten wir die letzten 20 Jahre nicht mehr", sagt Rullkötter. "Wenn die schlimmsten Wettervorhersagen eintreffen, wird es sehr schwierig für uns."
50 bis 60 Leute mit 30 Fahrzeugen hat die SWK im Einsatz. "Die Kollegen sind am Ende der Kraft", berichtet Rullkötter. Die Belastung sei enorm. Nach 7 bis 8 Stunden Dienst gibt es 4 Stunden Pause, dann geht es weiter. "Da ist man irgendwann platt."