Herford. Alles erlaubt: Is ja Karneval. Der Priester verwandelt sich in den moslemischen Aladin mit der Wunderlampe. Dann die wundersame Wandlung: Udo Tielking wechselt wieder die Farbe und erscheint in OP-Grün. Die Lampe steht jetzt vor einer Leinwand, hinter der der Elferrat durchleuchtet wird. So erhellend war der "Herrliche Herforder Karneval", den der katholische Pfarrverbund zum 50. Mal im Schützenhof feierte.
Die Farbkoalition schwarz-gelb (genauer glitzer-gold) bestimmte die Festkleidung des Festkomitees.Doch der Sitzungspräsident Wolfgang Welscher relativierte: "Im Gegensatz zur Berliner Koalition machen wir vernünftigen Blödsinn". Viele im voll besetzten Saal lieferten ihren Beitrag. Der Vamp mit Tütü und Chichi saß neben dem halbmaskierten Phantom der Oper. Das Gesicht des Scheichs war ebenfalls kaum zu erkennen hinter dem kohlrabenschwarzen Bart. Auch Cleopatra gab sich die Ehre, und ein schwarzer Mann gab Rätsel auf. "Ich bin eine Bohrmaschine", erklärte er närrisch. Teufelchen gab mit roten Hörnern Blinksignale. Einheitlich rosa donnerten die Eilshauser Bonifettis über die Bühne. Im Schweinetango-Schritt tanzten sie gegen den Virus an. Akuter ist die Karnevalitis. Ein Ärzteteam um Pfarrer Tielking diagnostizierte sie mit einem Scanner. Jedes Mitglied des Elferrates ist von einer individuellen Variante befallen, pfiffig bereimt von der Gemeindereferentin Mechthild Franz.
Bei Dieter Wiedemann, der seit 1972 infiziert ist, blieb der Bildschirm dunkel. Und die Ärzte fragten: "Schwarz wie die Nacht ist hier der Scanner. Wie bringt man das auf einen Nenner?" CDU ist die Antwort, denn Wiedemann ist ein schwarzer Stadtrat.
Orange-Blau ist die Farbe von Heinz-Günther Scheffer, der Ratssolist (Liste 2004). Auch auf der Bühne hatte er sein Solo. Als Jürgen von Manger mit Kappe, schiefem Mund und zugekniffenem rechten Auge erklärte er dem staunenden Auditorium die "menschliche Herforder Gesellschaft" und die Kulturdebatte und die Stadttor-Pylonen und die Sitzungsgelder, die dafür sorgen, dass ein Ratsherr "weg vonne Armen" kommt. Bürgermeister Bruno Bruno Wollbrink wiegte bedächtig den Kopf. Der Till Eulenspiegel auf seiner Fliege nickte.
Die Funkenmariechen kamen aus Verl. Angeführt wurde die Formation von Lea Marie, der Tochter der Sitzungspräsidenten. Sie hatte ihren Kinderjahresbeitrag, 1,11 Euro, dem Verein gespendet, damit sie sich im roten Kostüm mit Dreispitz zeigen durfte. Nun ist auch Lea Marie von der Karnevalitis befallen. Das sah man ganz ohne Scanner-Diagnose.