Herford. Die Herforder Polizei rüstet technisch massiv auf: Neben neuen Radar-Geräten, die sogar in Kurven messen können (die NW berichtete exklusiv) und voraussichtlich ab Sommer zum Einsatz kommen, hat die Behörde bereits jetzt neue Drogen-Scanner im Einsatz, die weit schneller Haschisch, Heroin- oder Kokain-Konsumenten am Steuer überführen und exakter messen können. Das wurde gestern bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik für den Kreis bekannt.
Gleichzeitig kündigte Michael Schelp, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter des Verkehrsbereichs an, dass Kreis und Stadt Herford sowie die Polizei ihre Überwachung koordinieren wollen. "Gespräche dazu gibt es in der kommenden Woche", erklärte Schelp. Ziel sei es, verstärkt an Stellen mit vielen Unfällen zu messen. "Die Polizei analysiert, wo es sinnvoll ist zu stehen", entgegnet Schelp Fragen, ob dann zukünftig die kommunale Haushaltslage über die Messpunkte entscheidet. Denn im vergangenen Jahr hatte es etwa in Herford massive Zweifel an der Sinnhaftigkeit einzelner kommunaler Mess-Punkte gegeben: Wie an einem Standort an der Bismarckstraße, wo es keine Unfallhäufung gab.
Kreisweit muss die Polizei 2009 aber 6.303 Unfälle registrieren, 2008 waren es 6.213. Trotzdem ist Polizeidirektor Bernd Stienkemeier mit der Entwicklung zufrieden. Der Zuwachs besteht aus Unfällen mit Blechschäden. "Bei den Unfällen mit schweren Sachschäden, dazu zählen wir auch die Alkoholunfälle und Fahrerfluchten", erklärt der Polizeidirektor, "haben wir Rückgänge zu verzeichnen." Diese Fälle sanken von 1.453 auf 1.318. Die Zahl der Unfälle mit verletzten Menschen sank von 820 auf 737 Fälle. Die Unfälle mit Blechschäden stieg hingegen von 3.940 auf nun 4.228.
Gestiegen ist auch die Zahl der im Verkehr getöteten Menschen von sechs auf sieben. Die Hauptunfallursachen sind nach wie vor Fehler beim Überholen, zu geringer Abstand, Alkohol und Drogen. Auf dem dritten Platz liegt die "unangepasste Geschwindigkeit" mit 207 schweren Unfällen. Auf Platz zwei folgen "Vorfahrt-Fehler", und die meisten schweren Unfälle passieren beim Abbiegen und Wenden. Unfallflüchtige Fahrer haben im Kreisgebiet besonders schlechte Karten: In mehr als 80 Prozent der schweren Fälle werden sie überführt.
Stienkemeier und Schelp gehen davon aus, dass der Erfolg auf Aufklärung und Kontrolle basiert: 20.075 Geschwindigkeitsmessungenführte die Polizei 2009 aus. Bei 10.000 dieser Fälle wurden Fahrer vor Ort angehalten. Bei Gurtkontrollen gab es 9.181 Treffer mit 8.681 Verwarngeldern und 500 Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen. Die verstärkten Kontrollen richteten sich auch gegen junge Fahrer. Seit mehr als einem Jahr gibt es Schwerpunkt-Kontrollen, die diese Zielgruppe besonders am Wochenende ins Visier nehmen. Offenbar hat sich die Kontrolldichte unter jungen Fahrern rumgesprochen: "Wir haben mittlerweile die Situation, dass im Auto vier Schnapsleichen liegen und der Fahrer nüchtern ist ", merkt Stienkemeier zufrieden an.
Bei den Alkohol- und Drogenkontrollen - 377 wurden gezählt, wobei 254 Strafanzeigen geschrieben wurden - will die Polizei aber weiter nachhaken. "Hier", sind sich Verkehrsexperte Schelp und Polizeidirektor Stienkemeier sicher, "gibt es eine große Grauzone." Nach früheren Statistiken wird nur eine von 600 Fahrten unter Alkoholeinfluss entdeckt. Und auch bei den Fahrern im Alter zwischen 15 und 17 Jahren sieht die Polizei Präventions-Potenzial. So gibt es seit zwei Jahren einen mobilen Prüfstand für frisierte Motorroller.
Bereits am Wochenende muss sich die junge Zielgruppe darauf einstellen, im Visier zu stehen: Die Polizei plant wieder eine Großkontrolle.