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09.02.2010
HERFORD
Impfstoff noch für eine halbe Woche
Eltern mit Babys sollten Menschengruppen meiden

Herford (acw). Wo kein Impfstoff ist, besteht ein Risiko. Wie gestern bekannt wurde, haben die pharmazeutischen Unternehmen so viel Arbeitszeit in die Produktion des H1N1-Impfstoffs gesteckt, dass der so genannte Sechs-Fach-Impfstoff für Säuglinge knapp wird. Das ist auch in Herford so.

Die Kinderärzte beklagen Impfstoff-Knappheit: "Uns steht nicht mehr viel Impfstoff zur Verfügung. Vielleicht noch eine halbe Woche, dann wird es knapp", verrät Kinderarzt Dr. Jens Holtmann. Auch andere Praxen sind von den Lieferengpässen betroffen. Dr. Christof Klinkert verärgert das. Vor allem stört ihn das Monopol des Impfstoff-Herstellers. In Deutschland gebe es derzeit nur einen Hersteller. "Uns sind leider die Hände gebunden. Fast alle Praxen sind betroffen", so Klinkert.

Der Hersteller, GlaxoSmithKline, bedauert die derzeitigen Verzögerungen. Wann der Impfstoff wieder verfügbar sein wird, kann das Unternehmen derzeit noch nicht eindeutig sagen. "Voraussichtlich Ende Februar bis Mitte/Ende März", heißt es in einer Stellungnahme. Einen Zusammenhang mit der vermehrten Produktion des H1N1-Impfstoffes, der gegen die Schweinegrippe wirkt, weist das Unternehmen jedoch zurück.

Der Sechs-Fach-Impfstoff wird in der Regel Säuglingen im Alter von drei Monaten verabreicht und wirkt gegen Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten, Hepatitis B und das Hämophilus Influenza B-Bakterium, das Infektionen wie Mittelohr- oder Rachenentzündungen auslöst.

"Seit zehn Jahren wird der Impfstoff bereits verwendet. Die Infektionen haben sich seitdem um etwa 70 Prozent verringert", erklärt Dr. Rolf Muchow, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik Herford. Kinder, die nicht geimpft werden können, sind der Gefahr ausgesetzt, sich leichter zu infizieren. Ärzte raten den Eltern deshalb, Menschenansammlungen und fremde Kontakte in den nächsten Wochen zu vermeiden.

Die Ärzte beklagen nicht nur die Knappheit des Impfstoffes, sondern auch den damit verbundenen organisatorischen Mehraufwand und das Durcheinander. Die Ärzte seien rechtzeitig über die Situation aufgeklärt worden, so der Hersteller. Einige von ihnen, darunter Dr. Holtmann, fühlen sich jedoch nicht ausreichend informiert.
Alle Ärzte betonen, dass eine Impfung in jedem Fall sinnvoll ist. Eltern und Ärzte müssten sich in nächster Zeit gedulden.


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