Herford. Seit einem Jahr bietet Katja Aach, Biologie- und Chemielehrerin an der Otto-Hahn-Realschule, eine Jugend-forscht-AG für Schüler der 9. und 10. Klassen an. Mit gleich vier Projekten sind Otto-Hahn-Schüler am 20. Februar beim Regionalentscheid des Wettbewerbs in der Sparkasse dabei. Springende Ameisen, autarke Biotope, künstlich erzeugter Regen und ein Blausalzkraftwerk sind die Themen.
Noch tüfteln Jan Scherbarth, Benjamin Hölzel und Marian Bangel an ihrer Wettbewerbs-Präsentation. Ihr Ziel ist es, Wasser in einem Kochtopf durch chemische Reaktion von Blausalz und Weißsalz zu erhitzen. Diese Reaktion läuft nach Erhitzen der Salze in Reagenzgläsern ab, die durch die Außenwand in den mit Wasser gefüllten Topf reichen. Bei der Präsentation soll das kochende Wasser den Wirkungsgrad dieses "Blausalzkraftwerks" veranschaulichen. Ähnlich wie bei konventionellen Kraftwerken würde zur Stromerzeugung eine Turbine die Wärme in Strom verwandeln. Großer Vorteil ihres Kraftwerks ist, dass keine Abfälle entstehen und keine klimaschädlichen Gase freigesetzt werden.
Die Anwendung der Ergebnisse von ihrem "Vergleich autarker Biotope" sehen Dennis Muschalik, Andrej Korel und Raphael Pallas in der Raumfahrt. "Bei längeren Aufenthalten auf Mars oder Mond müssen Wasser, Nahrung und Atemluft in einem geschlossenen System erzeugt werden", erklärt Dennis Muschalik. Die Schüler legten in Terrarien acht Biotope mit Blumenerde, Wasser, Moos, je 15 Heimchen, Kräutersamen und Kohle an. In sieben Terrarien wurde je einer der Parameter verändert. Dann wurde beobachtet, was passiert. Fast überall starben die Heimchen, die aber ohnehin nur einige Wochen alt werden, Walderde scheint wegen des Nährstoffgehalts besonders geeignet. Ein Problem, das in fast allen Fällen auftrat, ist die Schimmelbildung. "Vermutlich war zu viel Wasser in unseren Biotopen", sagt Muschalik. Die Versuche sollen – dann mit weniger Wasser – und hoffentlich weniger Schimmelbildung fortgesetzt werden.
Der 15-jährige Dennis Roeder fand sein Thema im heimischen Terrarium, wo er eine Kolonie von Ameisen hält. "Odontomachus bauri" heißt die südamerikanische Art, die über Kieferzangen verfügt, die sich mit 64 Metern pro Sekunde schließen können. Das ist eine der schnellsten Bewegungen, die im Tierreich gemessen wurden. Außerdem setzen die 8 bis 12 Millimeter großen Tiere die Zangen ein, um sich bei Gefahr aus der Gefahrenzone zu katapultieren. 40 Zentimeter weite Sprünge sind dokumentiert. Roeder setzte Tiere in ein leeres Terrarium und ließ sie einmal bei südamerikanischen Temperaturen von fast 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit und einmal bei mitteleuropäischen Bedingungen von 21 Grad und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit springen. Ergebnis: bei mitteleuropäischen Bedingungen springen die Tiere nur halb so weit wie bei 30 Grad und sie sind auch träger.
Mit der Methode, Wolken mit Silberjodid zu impfen, um Regen zu machen, beschäftigten sich Pascal Hoock, Marvin Jost und Deniz Bayrak. Verwendet wird eine mit Silberjodid versetzte Acetonlösung, die Wasser anziehende Salze freisetzt, die sich mit Eiskristallen verbinden und beim Absinken als Regen niedergehen. "Das Verfahren ist seit Jahrzehnten bekannt", sagt Aach, allerdings sei nirgends das optimale Mischungsverhältnis dokumentiert.
Die Schüler experimentierten lange und verwenden jetzt eine Mischung im Verhältnis von 1:10. Bei kalten Temperaturen erzeugten sie so in einem umgestülpten Aquarium Regen. "Wäre es nicht zu passender Zeit Winter geworden, hätten wir das Experiment in einer Kühltruhe gemacht", erzählt Bayrak. Zusätzlich zur Regenerzeugung untersuchten die Schüler, wie Pflanzen den Kunstregen vertragen. Ihr Ergebnis ist, dass der saure Kunstregen Pflanzen so stark schädigt, dass sie absterben können, sich künstlicher Regen also nicht eignet, trockenes Land urbar zu machen.