Bielefeld/Herford. In der Bielefelder Fußgängerzone tummelten sich auch am Dienstag Tausende Menschen. Mittendrin waren am Vormittag gleich mehrere Bettler, die sich auf eine Geh-Hilfe stützen und deren Füße unnatürlich schräg stehen. Sie hielten Passanten einen Pappbecher hin und bettelten um Kleingeld. Tags zuvor die gleichen Szenen in der Herforder Bäckerstraße, doch dort überprüften Beamte der Citywache einen der jungen Männern.
Bei ihm drängte sich der Verdacht auf, dass eine offenbar organisierte Gruppierung dabei ist, systematisch in den OWL-Innenstädten mit fragwürdigen Methoden Spenden zu sammeln. Die Herforder Citywache spricht den Bettlern Platzverweise aus, doch sehr effektiv ist die Vorgehensweise nicht.
"Ein Platzverweis muss begründet sein und darf nur im Einzelfall ausgesprochen werden", klärt Hans-Gerhard Schlanert auf. Schlanert ist Abteilungsleiter in der Bielefelder Stadtwache. Ein Verweis sei bei aggressiver Bettelei denkbar. Grundsätzlich sei Betteln aber nicht verboten. Und die Bettler kämen wieder - trotz Verweis, so Schlanert.
Vortäuschen von Krankheiten nicht erlaubt
Die Kollegen in Herford legen den Fall etwas anders aus. "Wir gehen davon aus, dass es sich bei den Fuß-Fehlstellungen um vorgetäuschte Leiden handelt und haben deshalb Platzverweise ausgesprochen", sagt Lothar Sobek, Leiter des Bereichs Sicherheit und Ordnung bei der Stadt Herford. Für ihn ist das Vorgehen der Krücken-Bettler durchaus aggressiv, darüber hinaus sei das Betteln unter Vortäuschung von Krankheiten nicht erlaubt. Genau so wenig dürfen Kinder betteln.
Ein Ehepaar aus Hiddenhausen-Lippinghausen hatte insgesamt drei junge Männer – darunter zwei mit Krücken – nach eigenen Angaben beobachtet, dass sie außerhalb der Fußgängerzone "deutlich schneller gingen". Nachzuprüfen waren diese Angaben am Montag nicht.
"Wir behalten die Bettler im Auge", verspricht der Bielefelder Hans-Gerhard Schlanert. Sobald es Anzeichen für eine organisierte Bande gibt - zum Beispiel durch eine Person, die die Bettler bei ihrer "Arbeit" beobachtet - schaltet sich die Polizei ein. Nach Erfahrungen aus Großstädten wie Köln gibt es wegen des koordinierten Auftretens der Menschen, die oft aus Rumänien stammen, immer wieder den Verdacht, dass ihre Einsätze von Hintermännern koordiniert werden. Wie bei Drückerkolonnen kassieren sie das Geld. Der Verdacht, dass Einsätze koordiniert werden, haben Herforder Ermittler sei langem: So hatten sie eine Geldübergabe an der Herforder Münsterkirche gestört. Lothar Sobek geht davon aus, dass die jungen Männer auch noch in weiteren Städten aktiv werden.