Herford. José Miguel Lehmann wird im Sommer seine Gesellenprüfung ablegen. Drei Jahre hat der Schuhmachermeister Rüdiger Plohr ihn ausgebildet. Seit einem Jahr lernt nun Jennifer Kosyrew in der Werkstatt am Neuen Markt. Klaus Waldschmidt hat den beiden jungen Leuten "mit Migrationshintergrund" diese Lehrstelle vermittelt. In den vergangenen 26 Jahren waren es mehr als 200. Für diese Sozialarbeit ist der 72-Jährige, frühere Betriebswirt gestern mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.
Die Feierstunde im Großen Ratssaal hat er still und innerlich bewegt genossen. "Nächstenliebe macht keinen Lärm", ist seine Devise, und diese Nächstenliebe ist eine christlich-praktische. Junge Leute mit einer problematischen Lebensgeschichte bekommt Waldschmidt "von der Straße in Arbeit". Waldschmidts Weg begann 1984 mit der Gründung des Arbeitskreises. Ein Jahr später wurde er in den Verein "Solidaritätsfonds Jugendarbeitslosigkeit" umgewandelt.
Waldschmidt übernahm den Vorsitz des Vereins, der dem Dekanat Herford im Caritasverband für das Erzbistum Paderborn angegliedert ist. Der Fonds übernimmt bis zu 80 Prozent der Ausbildungsvergütung. Das heißt, er braucht Spenden, um die der Ordensträger mit Vorträgen in Kirchengemeinden, Verbänden und Institutionen wirbt. Mit Beharrlichkeit und Überzeugungskraft hat Waldschmidt ein Netzwerk aus 500 Spendern aus Wirtschaft, Kirche und Bankwesen geknüpft. Auch 100 Ausbildungsbetriebe gehören dazu. Die Wertschätzung der Wirtschaft findet seinen Ausdruck in dem Preis "Ausbildungs-Ass".Waldschmidts Leistung hatte sich bis zur Bezirksregierung herumgesprochen. Im Jahr 2000 bekam er die Verdienstmedaille. Jetzt ist er in den Kreis der Verdienstkreuzträger aufgerückt. "Dafür muss man erheblich nachlegen", sagte Landrat Manz in seiner Laudatio: "Klaus Waldschmidt ist ein Gütezeichen. Er hat eine hohe Empfindsamkeit und ein großes Herz." Bürgermeister Wollbrink ist aus zwei Gründen stolz auf den Ordensträger: "Er trägt dazu bei, dass Herford ein soziales Gesicht behält", und er ist Hamscheberger wie der Bürgermeister.