Was bei der 14. Großkontrolle der Polizei in Herford passierte
Herford. Das Wrack des Opels kam per Abschleppwagen: In der Nacht zum Samstag steht der bordeauxrote Vectra vor der Parkhaus-Einfahrt an der Bielefelder Straße. Dahinter ist eine Stellwand mit Unfallfotos zu sehen. Der Wagen, in dem 2008 zwei junge Männer bei einem Disko-Unfall zwischen Vlotho und Exter starben, ist Teil der Aktion "Party Control" der Herforder Polizei. Die will die mit Kontrollen und Aufklärung junge Autofahrer erreichen. Die Zahl der Unfälle soll sinken. Außerdem sollen die Jugendschutzgesetze durch Kontrollen durchgesetzt und Gewalttäter im Stadtgebiet abgeschreckt werden.
"Wenn junge Fahrer das Wrack sehen und wir fragen, wie schnell der Wagen war ", erklärt Kriminalhauptkommissarin Anke Theison-Spies vom Kommissariat Vorbeugung, "bekommen wir Antworten wie: "Der hat 200 drauf gehabt." Dabei war der Fahrer nur 14 Stundenkilometer zu schnell." Zwei junge Bielefelder, Christian Skottge und Dennis Schelp, stehen vor dem Wrack mit dem eingedrückten Dach. Beide waren auf dem Weg zum GoParc und sind herausgewunken worden. "Wir versuchen das schon einen Tag vorher klar zu machen, wer am Wochenende fährt", sagt Christian Skottge. Ist er selbst schon zu schnell gefahren? "Ab und zu denkt man sich schon, da hättest du langsamer fahren können", räumt der angehende Zerspanungstechniker ein.
Ein Blitzer für beide Richtungen
Im Zivilbulli 20 Meter weiter sitzen Polizeihauptkommissar Matthias Feld und sein Kollege Polizeioberkommissar Daniel Reker mit dem Lasermessgerät. 480 Meter entfernt visiert Reker weit hinter Humana ein Taxi an. Der Temposünder wird rausgewunken.
Zum mittlerweile 14. Mal finden die Kontrollen statt. Als besonderer Problembereich gilt der Bahnhof. Zwar haben es die Beamten geschafft, die Zahl der Raubüberfälle zu drücken, gleichzeitig erreichten die Körperverletzungen mit 19 Taten im Oktober trotz Kontrollen den höchsten Stand, so Polizeioberrat Christoph Keller, Leiter der Herforder Inspektion. Im Vergleich dazu sieht er aber die "Zahl von 7.000 Gästen, die pro Nacht nach Herford kommen, um zu feiern". Da seien 19 Fälle pro Monat gering. Keller: "Ein Bahnhof mit zwei Großdiskos wird nie ein kriminalitätsfreier Raum sein."
Auf der Mindener Straße und später auf der Bünder Straße sind Polizeihauptkommissar Ludger Busch sowie Polizeikommissare Falk Radecker und Katja Aufderheide aktiv. Gemessen wird hier per Radar in beide Fahrtrichtungen. Weil die Heckfotos der Temposünder nutzlos sind, werden die ertappten Temposünder sofort angehalten. "Die meisten Verstöße liegen im Bereich zwischen 60 bis 70 Stundenkilometern", bilanziert Ludger Busch.
"Wegen denen sind wir nicht hier." Für alle Fälle haben die Beamten Drogenschnelltests. "Er erkennt Heroin, Cannabis, Amphetamin, Ecstasy sowie Kokain", erklärt Falk Radecker. Den Test muss der Fahrer eines Mindener Seat Ibiza machen, der eine Freundin zum GoParc bringen wollte, dabei aber mit Tempo 70 unterwegs war. Negativer Spitzenreiter der Nacht ist ein 18-jähriger Löhner, der mit 100 Kilometern pro Stunde durch Schweicheln raste.
Der Bahnhof ist später das Revier von Kara. Die sechsjährige Belgische Schäferhündin, die vor der Pensionierung steht, und ihr Hundeführer von der Bundespolizei sind für den Fall dabei, dass es Ärger mit Gewalttätern gibt.
Für Irritationen sorgt aber nur ein stark angetrunkener Partygast, der sich angeblich ausgesperrt hat und nun barfuß am Busbahnhof herumläuft und Passanten und Polizisten um Schuhe bittet.
Nico - 17 - aus Bielefeld, der mit Schwester Fernanda (19) unterwegs ist, kann ein Schreiben seiner Eltern nachweisen, nach dem seine Schwester auf ihn acht geben soll. Fatih (16), der sich zu Fuß auf den Nachhauseweg macht, beschreibt, wie die Jugendkontrolle am GoParc funktioniert: "Wir gehen rein und legen bei der Security unsere Ausweise vor. Dann geht du um 0.30 Uhr wieder raus. Wenn nicht - Ärger". Bernd Rahmöller, Erster Kriminalhauptkommissar befragt inzwischen drei junge Bünder, die auf ihren Bus warten . "Wir gehn ja nach Hause", sichern Tobias, Sebastian und Manuel (alle 16) zu. Auf dem Parkplatz des "X" stehen junge Leute in Gruppen und trinken aus mitgebrachten Flaschen. Der Grund : Statt in einer Disko Alkohol zu trinken, gehen die Partygänger wieder zu ihrem Wagen, wo sie preiswerteren Sekt, Bier oder härtere Sachen gebunkert haben. Der gewünschte Effekt ist der gleiche, der Rausch hingen ist preiswerter.
Warum am Auto und nicht in der Disko getrunken wird
Leonie (18) und Franziska (18) aus Vlotho werden von Polizeihauptkommissar Uwe Schröder kontrolliert. Alles in Ordnung. Die lange nach Mitternacht laufenden Kontrollen, finden sie richtig gut. "Damit die ganzen 16-Jährigen nicht in die Disko rennen."