Landtagskandidaten für den Bezirk Herford I diskutieren bei Gewerkschafts-Veranstaltung
Kreis Herford. "Man hat uns im Stich gelassen" – die Kritik von Anhängern der Gewerkschaften Verdi und Erziehung und Wissenschaft (GEW) richtet sich gegen die NRW-Landesregierung.
Von den Politikern, die den Kreis Herford in den kommenden Jahren in Düsseldorf vertreten wollen, erhoffen sie sich Antworten und Hilfe. Zu allererst bekamen sie am Mittwochabend jedoch Zustimmung für ihre Anliegen. Zur Bildungspolitik vor allem im Kindergarten- und Grundschulbereich nahmen die fünf Kandidaten von CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke Stellung. Die Männer auf dem Podium (CDU-Kandidatin Angela Thiele wurde von Wolfgang Rußkamp vertreten) waren sich vor allem in einem einig: Es muss etwas getan werden.
Nur beim "wie" gingen die Meinungen auseinander. Wolfgang Rußkamp (CDU) betonte, man komme vor allem aus finanziellen Gründen "an die Grenzen dessen, was wir versprechen können". Ein "Feldversuch am offenen Herzen" sei das Kinderbildungsgesetz, sagte Christian Meinhold (Grüne). Man sei noch längst nicht am Ziel, so Stephen Paul (FDP): "Die Baustellen müssen wir beseitigen." Für eine Abschaffung des Gesetzes plädierte Wolfram Hueffner (Linke), während Christian Dahm (SPD) von "fünf verlorenen Jahren für NRW" sprach: "Wir stehen auf einem Abstiegsplatz", sagte er in Richtung schwarz-gelber Landesregierung.
Ein Punkt einte auf Nachfrage des Moderators Stefan Brams, Leiter der Kultur- und Medienredaktion der Neuen Westfälischen, allerdings alle Kandidaten: Eltern sollten möglichst wenig bis gar nichts für einen Kindergartenplatz bezahlen.
Zweites großes Thema des Abends, zu dem mehr als 120 Interessierte in den Herforder Stadtpark Schützenhof gekommen waren, war das System des Offenen Ganztags. "Es gibt positive Punkte, aber auch negative Seiten, vor allem zu große Gruppen und zu wenig Personal", betonte Sabine Zülka von der GEW.
"Wenn die Schülerzahlen zurückgehen, verbessert sich auch die Situation", entgegnete Wolfgang Rußkamp und löste damit Kopfschütteln bei vielen Besuchern aus. Pädagogisch sei der Offene Ganztag "sehr gut", meinte Christian Dahm. Seine Partei stehe zu dem System, allerdings müssten schnell Verbesserungen in Angriff genommen werden. "Mehr Geld für Zukunftsbereiche wie Bildung" versprach Stephen Paul , der sagte, dass sich viel getan habe, "aber wir sind noch nicht zufrieden". Nach Meinung von Wolfram Hueffner "muss der Offene Ganztag überwunden werden. Wir brauchen die Gemeinschaftsschule". Einzige Einigkeit bei den Diskutierenden: Mehr Geld soll investiert werden.
Zumindest ein Zuhörer schenkte den Worten und Absichtserklärungen keinen Glauben: "Unsere Kinder verdummen, weil Sie nicht bereit sind, mehr Geld zu geben." – Der folgende lange Applaus zeigte: Der Mann stand an diesem Abend mit seiner Meinung nicht alleine dar.