Gaststätte bleibt bis auf Weiteres geschlossen / Brauerei von der Nachricht überrascht
Herford. Gebuchte Veranstaltungen sind abgesagt, den Mitarbeitern wurde gekündigt: Der Ratskeller ist ab sofort geschlossen. Gestern wurde für die Traditionsgaststätte Insolvenz beim Amtsgericht angemeldet. Das berichtete Ulli Leiber, Hauptaktionär der kleinen Aktiengesellschaft, die das Restaurant im November 2006 zusammen mit dem Gastronomen Peter Maetschke wieder eröffnet hatte.
Umsatzeinbußen von 50 Prozent allein im März und wenig Aussicht auf Besserung im bevorstehenden Sommer hätten schließlich den Ausschlag gegeben, berichtet Leiber. Die Bauarbeiten am Rathaus mit der damit verbundenen Einrüstung des Gebäudes hätten sicherlich zum Umsatzrückgang beigetragen.
Das Geld der Aktiengesellschaft sei aufgebraucht, so dass dieser Schritt nun notwendig geworden sei, sagte Ulli Leiber. Die drei Vollzeit- und zwei Teilzeitmitarbeiter, die gestern erst von dem Aus und ihrer Kündigung erfuhren, seien geschockt gewesen.
Ob das Gericht nun in den nächsten Tagen ein Konkursverfahren eröffnen wird, hängt wesentlich von der Konkursmasse ab. Möglich ist ebenso, dass die Brauerei als Haupt-Gläubigerin ihre Ansprüche direkt gegenüber der Aktiengesellschaft geltend machen wird. Dazu gehören nach Auskunft von Leiber Pachtansprüche der Brauerei für weitere acht Monate.
Die Herforder Brauerei konnte gestern auf Nachfrage der NW noch nichts darüber sagen, wie es weitergehen soll. "Wir sind von diesem Schritt überrascht gewesen", erklärte Verkaufsleiter Lutz Hageböck. Nichts habe man geahnt von den Schwierigkeiten der Gastronomie, Vorwarnungen seitens der Aktiengesellschaft habe es nicht gegeben. Die nächsten Schritte müssten nun zunächst mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter abgeklärt werden.
Über Gründe für den Misserfolg mochte der Brauerei-Verkaufsleiter nicht spekulieren. Bereits seit dem Rückzug der erfolgreichen Gastronomin Marie-Luise Wegener sei der Ratskeller kein einfaches Objekt gewesen. Grundsätzlich gelte aber, dass der Hinweis auf wachsende starke Konkurrenz, wie ihn auch frühere Ratskeller-Pächter ins Feld geführt hatten, nur das "eigene Unvermögen" zeige. Noch immer gelte der Grundsatz: "Konkurrenz belebt das Geschäft." Allein der Kunde entscheide über Erfolg und Misserfolg. Wenn ein Konzept überzeuge, kämen auch die Gäste.