Herford. Die Wahl-Slogans der Bündnisgrünen sind die originellsten: Zum Naturschutz sagen sie: "Wir sind Waldmeister". Zum Tierschutz lassen sie "die Sau raus". Gegen die Christdemokraten und das gegliederte Schulsystem reimen sie: "A B CDU und raus bist Du - Für eine Schule füralle." Auch Christian Meinhold, der zur Landtagswahl am 9. Mai im Wahlkreis Herford-Süd antritt, bekennt sich zur Kreativität. Inwiefern, erklärt er im Interview mit NW-Redakteur Hartmut Brandtmann.
Herr Meinhold, Sie sind jetzt 63 Jahre alt und haben 20 Jahre Hiddenhausener Kommunalpolitik sowie eine vierjährige politische Pause hinter sich. Warum tun Sie sich nun noch eine Landtagskandidatur an?CHRISTIAN MEINHOLD: Der Kreisvorstand hatte mich gebeten, weil ich bei meiner Kandidatur 2005 einen ordentlichen Wahlkampf geführt habe. Landesweit brachten es die Grünen immerhin auf 6,2 Prozent.Nun habe ich wieder Lust anzutreten.
Wie stehen ihre Chancen jetzt? Einen Listenplatz haben Sie nicht.MEINHOLD: Dann hole ich den Wahlkreis eben direkt. 26 Prozent der Erststimmen können theoretisch reichen.
Sie haben den ungewöhnlichen Beruf eines freischaffenden Malers. Was nützt das in der Landespolitik?MEINHOLD: Reichskanzler Bismarck hat mal gesagt: Politik ist keine Wissenschaft, sondern eine Kunst. In den Parlamenten sitzen ohnehin zu viele Beamte und Juristen. Mehr kreative Leute rein, ist mein Wunsch.
Wie soll sich das in der politischen Arbeit auswirken?MEINHOLD: Zum Beispiel will ich mich dafür einsetzen, dass Künstler angemessen bezahlt werden. Raubkopien fügen ihnen wirtschaftlichen Schaden zu.
Ihr anderes thematisches Standbein ist die Energiepolitik. Welche Spuren haben Ihre fünf Jahre Aufsichtsrat in der damaligen Gas- und Wasserversorgung Hiddenhausen (GWH) hinterlassen ?MEINHOLD: Die Gewissheit, dass eine ortsnahe Versorgung mit regenerativer Energie und buchstäblich kurzer Leitung sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich das Sinnvollste ist. An der Verschmelzung der Werke Hiddenhausen und Herford war ich maßgeblich beteiligt. Stadtwerke statt RWE, ist die Alternative. Das muss auch landesweit ausstrahlen.
Bildung ist das Thema jeder Partei. Was ist Ihre Position?MEINHOLD: Zur Verdeutlichung will ich eine Entwicklungsgeschichte aus meiner Familie erzählen: Unser jüngster Sohn Christian bekam am Ende seiner Grundschulzeit attestiert, dass er in Mathe ein hoffnungsloser Fall sei. Nun studiert er Wirtschaftsmathematik. Nicht nur daraus folgt: Die Sortiererei nach zehn Lebensjahren ist Blödsinn.
Die Menschen werden immer älter. Wie rechnen Sie mit dem demographischen Faktor?MEINHOLD: In Hiddenhausen gibt es ein beispielgebendes Projekt: "Jung kauft alt" heißt, junge Leute ziehen in Häuser, die leer stehen oder in denen alleinstehende alte Leute leben. Die Gemeinde vermittelt mit Erfolg. So werden die zumeist auch alten Häuser saniert, und im Idealfall können die alten Leute darin wohnen bleiben. Als wichtiger Nebeneffekt müssen nicht so viele neue Häuser gebaut werden. Das schont Freiflächen.
Sie kandidieren für Herford, Hiddenhausen, Enger und Vlotho. Wie wollen Sie die Region stärken helfen?MEINHOLD: Es gibt da ein landesweites Problem: Das Geld wird ungleich verteilt: zu Gunsten des Rheinlandes. Hier gilt es, die Mittel umzuleiten.
Sie waren zehn Jahre lang SPD-Mitglied. Beeinflusst diese Periode Ihre Koalitionsneigung?MEINHOLD: Die sozialdemokratische Atompolitik hat mich 1978 austreten lassen. Doch auch die Sozis haben dazu gelernt. Also bin ich für eine rot-grüne Landesregierung. Das Ziel kann erreicht werden, wenn beide drei Prozent zulegen.