Zugmaschine fuhr ungebremst auf ein Stauende auf / Fünf junge Leute verunglücken auf der B 61
Herford. Einen Toten forderte ein Lkw-Unfall auf der Autobahn 2 in Fahrtrichtung Hannover wenige hundert Meter vor dem Kreuz Bad Oeynhausen. Der Lastwagenfahrer war in der Nacht zum Samstag gegen 22.30 Uhr mit seiner Zugmaschine auf einen im Stau stehenden Klärschlammtransporter aufgefahren. Der Verkehr staute sich bis nach Herford. Zwei weitere Unfälle auf der B61 in Herford (siehe Kasten) und der A 30 sorgte für viel Lkw-Verkehr in Herford
Das Kennzeichen, beginnend mit HD für den Rhein-Neckar-Kreis und Heidelberg, liegt etliche Meter vor einem Lastwagen aus Bad Münder. Am Container des mit feuchten Klärschlamm beladenen Lkw steht wie angeklebt eine weiße Zugmaschine. "Büssing limited edition" steht an der Seite. Eine Erinnerung an die Lkw-Marke Büssing, die es schon lange nicht mehr gibt, 1972 ist sie von MAN übernommen worden. Das HD-Kennzeichen gehört zur Zugmaschine.
Sie wirkt seltsam kurz. Die Fahrertür fehlt, die Frontscheibe ist zerplatzt. Die Lehne des Fahrersitzes ist zurück geklappt. Das Lenkrad ist kaum als solches zu erkennen, es sieht aus wie ein Knäuel. Es blieb wenig Platz zwischen der Sitzfläche des Fahrersitzes und dem, was einmal das Armaturenbrett war, zu wenig für Beine. "Als wir kamen, war der Mann schon tot", sagt der Einsatzleiter von der hauptamtlichen Feuerwehr Bad Oeynhausen zu einem Reporter. Die Verletzungen, sagt er, waren nicht mehr kompatibel mit dem Leben. So spricht einer, der schon viel gesehen hat.
Mit ungeheurer Wucht muss die Zugmaschine auf den Bauschutt-Lkw aufgeprallt sein. Etwa einen Meter haben sich Fahrgestell und Motor unter den Anhänger geschoben. Dabei sind Aggregate des Motors abgerissen und Öl ausgelaufen. Die Fahrerkabine ist regelrecht geplatzt. Die Feuerwehrleute haben das Öl mit viel rotem Bindemittel abgestreut. Der Rest vermischt sich mit dem Schlamm.
Der Bestatter ist mit der Leiche des 41-Jährigen Bulgaren schon lange weg, als die Abschleppwagen kommen. Der vom einem 68-Jährigen gesteuerten Klärschlamm-Lkw wird von Fachleuten untersucht, um zu sehen, ob er noch fahren kann. Die Hinterachsen haben etwas abbekommen, Reifen sind platt, die Hecktraverse mit dem Verschluss des Aufliegers liegt abgerissen auf der Straße. Auch die Front ist beschädigt. Der Laster war auf einen vor ihm stehenden Sattelzug geschoben worden.
Die zerstörte Zugmaschine kann nicht mehr rollen und wird auf einen Abschleppwagen gezogen. Es knirscht und kracht. Klärschlamm, der auf und unter der Zugmaschine liegt, wird mit aufgeladen. Zurück bleiben ein paar Haufen Schlamm, Fahrzeug-Trümmer, ein mit Blut bespritzter Sportschuh, ein aus der Zugmaschine geschleudertes Autoradio. An der Leitplanke liegt eine aus dem Fahrerhaus auf die Straße geflogene Matratze Auf ihr steht eine Sporttasche, darüber haben die Helfer eine blaue Sportjacke gelegt. Der, dem sie gehörte, braucht sie nicht mehr.
Schaulustige gibt es kaum, ob wohl sich der Verkehr staut, hier an der Unfallstelle und weiter zurück an der Abfahrt Herford Ost. Dort wird der Verkehr ab- geleitet. Richtung Hannover abgeleitet. Etliche Lkw versuchen über die Vlothoer Straße in die Stadt zu fahren. Rasch staut es sich hier.
Die Lkw stauen sich auch auf der B 61 in Herford. Dort haben sich fünf junge Menschen auf dem Weg zur Disko mit ihrem Auto überschlagen. Zwei werden leicht verletzt. Dann kracht es auch noch auf der Autobahn 30. Nach dreieinhalb Stunden gibt die Polizei die Autobahn 2 wieder frei. Auf der Gegenfahrbahn jagen sich die Lkw.