Kreis Herford. Eigentlich wollte das Betonwerk Westerwelle sich am Wochenende als einer von 90 Ausstellern zum 125. Geburtstag des Bünder Baufachzentrums Fretthold präsentieren. Doch das Unternehmen wurde kurzfristig wieder ausgeladen - "wegen der umstrittenen Geschäftsgebaren dieses Unternehmens", wie ein Fretthold-Sprecher auf Anfrage bestätigt.
"Mehrere unserer Kunden haben uns darauf angesprochen und gesagt, sie wollten mit diesem Unternehmen nichts zu tun haben", sagte der Sprecher weiter. In Bünde werden jetzt nur Konkurrenten von Westerwelle ihre Beton-Produkte präsentieren. Die Industriegewerkschaft BAU zieht aus der Ausladung den Schluss, dass die Baubranche auf Distanz zu dem Herforder Unternehmen geht - als Folge der wachsenden öffentlichen Kritik an der Haltung seiner Geschäftsführung in dem Konflikt .
Seit mehr als drei Wochen wird das Unternehmen an der Elverdisser Straße bestreikt. Die Geschäftsführung verweigert nach dessen Angaben unverändert Gespräche mit dem Betriebsrat über einen Haustarifvertrag und hatte zuvor versucht, die Gründung eines Betriebsrats zu verhindern - mit rechtswidrigen Mitteln, wie die Gewerkschaft betont. Inzwischen ist der Betriebsrat gewählt; Hausverbote gegen seine Mitglieder wurden aufgehoben.
Die IG BAU Westfalen will nun gezielt Hauptauftraggeber des Unternehmens ansprechen und über die Vorkommnisse im Betonwerk unterrichten. "Die Branche muss wissen, warum die IG BAU so massiv gegen die Westerwelle-Geschäftsführung vorgeht", sagt Bezirksleiter Carsten Burckhardt. Bei ihren Gesprächen sei die Gewerkschaft bislang auf großes Verständnis und viel Zustimmung in der Branche gestoßen.
"Wir wollen das Betonwerk und damit insbesondere auch die Arbeitsplätze in Herford-Elverdissen erhalten. Es ist dabei aber wichtig, die Geschäftsführung zu einem grundlegenden Umdenken zu bewegen. Dazu wollen wir jetzt den gesunden Menschenverstand und den Unternehmergeist der Geschäftspartner von Westerwelle nutzen", sagt Burckhardt.
Bis zum Nachmittag hatten die Streikenden gestern keine Signale der Geschäftsführung empfangen. Sie erwarten eine Rücknahme der Kündigungen von fünf Betriebsratskandidaten und Gesprächsbereitschaft der Geschäftsführung. "Wenn diese signalisiert wird, dann kann der Streik sofort ausgesetzt werden", sagt der örtliche IG BAU-Sekretär Bodo Matthey.











