Herford. 100 Gramm sind nicht viel - aber im Vergleich zu vorher ist es ein Riesenschritt: Genau diese Menge Obst oder Gemüse bekommt ein Schüler der Grundschule Eickum seit ein paar Wochen jeden Tag - auf Staatskosten.
"Es ist ein tolles Projekt", findet Rektorin Katja Urban. Und das aus mehreren Gründen. Der wichtigste: Auf diesem Weg bekommt jedes Kind einer Klasse täglich frisches Obst oder Gemüse - unabhängig von der finanziellen Situation der Eltern. "Bei unseren Schülern ist es sicherlich so, dass Obst und Gemüse bei vielen Selbstverständlichkeiten sind", sagt Urban. Aber längst nicht bei allen: Und gerade um die geht es bei dem Projekt, das von der Europäischen Union und dem Land Nordrhein-Westfalen getragen wird. Damit es nicht eintönig wird, gibt es jeden Tag ein anderes Obst oder Gemüse. In dieser Woche standen zwei verschiedene Sorten Äpfel, Möhren, Bananen und Gurken auf dem Speiseplan. Die leckeren und gesunden Lebensmittel werden von den Schülern selbst zubereitet und in der Frühstückspause gemeinsam gegessen. "Wir haben extra Körbe gekauft, damit das Obst auch schön präsentiert werden kann", erklärt Schulleiterin Katja Urban.
Mit einem heimischen Obstbauern arbeiten die Lehrer zusammen, von ihm bekommen sie zwei Mal in der Woche Obst und Gemüse geliefert. Was nicht selbst im Kreis Herford geerntet wird, wird zugekauft, "aber nur aus kontrolliertem Anbau", erklärt Urban. Darauf haben die Lehrer viel Wert gelegt, als sie sich vor einigen Wochen für einen Obst-Lieferanten entschieden haben. Damit die Kinder nicht nur Spaß am Essen haben, sondern auch wissen, warum Obst und Gemüse so wichtig für ihre Gesundheit sind, kommt dem Thema Ernährung auch im Unterricht der 170 Schüler ein hoher Stellenwert zu. Neben der pädagogischen Einrichtung in Eickum nehmen aus der Stadt Herford noch die Grundschulen Falkstraße, Altensenne und Oberingstraße am so genannten Schulobstprogramm NRW teil. Noch bis Ende des kommenden Schuljahres wird es weiterhin jeden Tag ein Stück Obst oder Gemüse in den Klassenzimmern geben - praktisch für den Mund und theoretisch fürs Gehirn.
Vor allem von Ersterem - dem Essen - ist Urban überzeugt: "Ohne Probieren und die Erfahrung, wie Gesundes schmeckt und wie vielfältig es sein kann, würde die Theorie nur halb so viel bewirken."
Vier Millionen Euro kostet es, 75.000 Grundschüler in NRW zwei Jahre lang täglich mit einem Stück Obst oder Gemüse zu beliefern. Ist das rausgeschmissenes Geld? Sind das Euro, die man einsparen könnte? Die eindeutige Antwort ist nein.
Umgerechnet sind es 28 Cent je Schüler und Tag. Für diese 28 Cent kriegen viele Jungen und Mädchen die einzig gesunde Mahlzeit am Tag. Hier wird gesunde Ernährung vorgelebt, wie sie eigentlich alle Kinder jeden Tag genießen sollte.
28 Cent sind eher das Minimum - und schon gar nicht zu viel.