Donnerstag, 24.05.2012
Homepage-Ticker | RSS | Twitter | Impressum | Kontakt | AGB | Mediadaten


Schrift

14.06.2010
HERFORD
Die Pylone kommen nach Herford
Bürgerentscheid gegen die Safety Cones von Dennis Oppenheim gescheitert
VON CORINA LASS

Daumen hoch für die Kunst | FOTO: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP

Herford. Beifall spendeten die Befürworter der Kunst. Schulterklopfen galt ihren Gegnern: Gegen 19 Uhr stand fest, dass die Safety Cones des amerikanischen Künstlers Dennis Oppenheim am Bergertor aufgestellt werden. Der Bürgerentscheid, mit dem die Wählerinitiative Bürger für Herford einen entsprechenden Ratsbeschluss hatte aushebeln wollen, ist gescheitert.

Von 53.342 Wahlberechtigten hatten 13.001 gültige Stimmen abgegeben. Davon hatten wiederum 8.836 (67,96 Prozent) dafür gestimmt, den Ratsbeschluss aufzuheben, 4.165 (32,04 Prozent) dagegen. Damit hatten sich rund Zweidrittel der Wähler gegen die als Pylone bezeichneten Kunstwerke am Bergertor ausgesprochen. Doch das reichte nicht: Die Bürgerinitiative hätte rund 10.400 Steimmen aller Wahlberechtigten gebraucht, das entspricht 20 Prozent. Tatsächlich bekam sie 15,9 Prozent der Stimmen.

Unterschiedlich wurde das Ergebnis von den Beteiligten gewertet.
Das Wahlergebnis spiegele wider, was er und seine Mitstreiter in den vergangenen Monaten im Gespräch mit den Bürgern erlebt hätten, sagte Daniel Brumberg von den "Bürgern für Herford": "Zweidrittel der Herforder sind gegen das Projekt." Er hoffe, dass der Rat dies zur Kenntnis nehme und über eine Modifizierung der Pläne nachdenke. Wolfgang Kretschmann ergänzte: "Mit rund 68 Prozent Gegenstimmen könnte ich als Ratspolitiker nicht leben."

Als Erfolg und Zeichen des Aufbruchs werteten hingegen Alina Doht und Charlotte Otte das Ergebnis. Die beiden Mitglieder der Pro-Pylone-Initiative Stadttorfreunde Herford sagten, sie hätten sich mehr Stimmen für die Oppenheim-Kunstwerke gewünscht, hätten andererseits in den vergangenen Wochen aber auch viel Unterstützung erfahren. Viele stillschweigende Befürworter seien sicherlich nicht zur Wahl gegangen. Schon damit hätten sie ihre Zustimmung zum Projekt ausgedrückt. Die Gruppe sei aber auch mit erschreckend vielen Bürgern ins Gespräch gekommen, denen das Thema schlicht gleichgültig war.

Eine Erfahrung, die Lothar Sobek anhand der Wahlbeteiligung nachvollzog: "Es hat sich gezeigt, dass sich die Leute besonders in einigen Außenbezirken für das Thema nicht interessieren", sagte der Ordnungsamtsleiter, der bei der Stadt für die Durchführung von Wahlen zuständig ist.

Als einen guten Tag für Herford und die Stadt bewertete der Sponsor des Kunstwerks, Heiner Wemhöner, das Ergebnis. "Schön, dass sich gerade junge Leute in den vergangenen zehn Tagen engagiert haben", sagte der Unternehmer. "Sie sind die Zukunft unserer Stadt." Kritisch äußerte sich Wemhöner zu dem großen Widerstand gegen die Safety Cones, damit habe er nicht gerechnet. "Da gibt es etwas aufzuarbeiten." Wenn erst einmal wieder Ruhe eingekehrt sei, habe das Projekt "Fünf Tore – fünf Orte" vielleicht wieder eine Chance.

Die Stadttorfreunde werten die Diskussionen der vergangenen Monate in erster Linie als Erfolg. "Wir glauben, dass das Vorhaben, am Bergertor die Safety Cones aufzustellen, einen Prozess der Meinungsbildung in Gang gesetzt hat", sagte Friederike Fast. "Zeitgenössische Kunst schafft es, Diskussionen anzuregen."
Für Brumberg liegt der Erfolg in dem deutlichen Signal, das die Bürger für Herford gesetzt haben: mehr Transparenz, mehr Bürgernähe, eine verbesserte Informationspolitik. "Dafür stehen wir." Und so werde die Wählergemeinschaft auch weiter machen. Es gebe aber auch andere Möglichkeiten als einen Bürgerentscheid, für Transparenz zu sorgen. "Das schließt weitere Bürgerentscheide nicht aus."

Bürgermeister Bruno Wollbrink begrüßte das Wahlergebnis. "Die geringe Wahlbeteiligung zeigt, dass die Mehrheit der Bürger zumindest nichts gegen die Pylone hatte." Er plädierte dafür, das Instrument repräsentativer Bürger-Befragungen stärker zu nutzen. Und er bat diejenigen, die mit dem Bürgerentscheid gescheitert sind, "ihren Frieden damit zu machen." Brumberg: "Wir sind Demokraten. Das Ergebnis erkennen wir natürlich an." Er freue sich jetzt auf eine Rückkehr zur Sachlichkeit, die er in den Leserbriefen der vergangenen Monate manchmal vermisst habe.


Schrift

Kommentare
@HWV

(...)
Lesen bildet: alle Unterhaltskosten übernimmt die Wemhönerstiftung. Milchmädchen - das passt gut.
Warum lässt man eigentlich Herford nicht einfach in Ruhe von der Mittelmäßigkeit weiter abrutschen - in die Niveaulosigkeit? Wer nur etwas Verstand hat und die Zukunft seiner Kinder vor Augen - der verlässt dieses Kaff am besten ganz schnell...

An die Befürworter der Pylo´s, die immer noch der Meinung sind dass uns die Dinger nichts Kosten: Welches Milchmädchendenken beschattet eure Weisheit? Was glaubt Ihr alle denn, von welchem Geld diese Dinger instand gehalten werden sollen. 2 Möglichkeiten: 1. die Pylos werden vom Künstler, ohne jegliche Kosten für die Kommune aufgestellt und danach nie wieder gepflegt, damit das Stadtbild irgendwann schmutzig-zerfetzte Reste dort stehen hat....oder 2. nach dem aufstellen der Pylos müssen diese natürlich regelmäßig gewartet, gereinigt und evtl repariert werden.....Und wer soll das von welchem Geld machen??? Wer hier nicht in der Lage ist an Folgekosten zu Denken, der Denkt schlicht FALSCH!!! Umsonst und Kostenlos sind heutzutage 2 Wörter, die in keiner Kommune mehr Existieren !!!!

Sehr geehrter Herr Wollnitz,
Sie finden folgendes "unglaublich":
Warum werden denn die Themen MARTA und Pylonen immer wieder verquickt ?
Hat man etwa Angst, dass die Kosten für das MARTA bald auch von privaten Investoren übernommen werden ?

Ich glaube nicht nur, sondern bin mir sicher:
Pylone und MARTa sind ein Thema und zeigen leider deutlich, wie man eine an sich gute Sache mit Arroganz und dilettantischem Marketing unnötig belasten kann.
Ich habe keine Angst, sondern die Hoffnung:
Es wird nicht mehr lange dauern, bis auch das MARTa-Kunst-Management in der betriebswirtschaftlichen Realität angekommen ist. Denn noch immer gilt: Entweder ändern sich die Zahlen oder die Gesichter.
Kunst braucht Sponsoren, Sponsoren wollen Besucher. Besucher wollen sehen was sie akzeptieren und nicht was ihnen als angebliche Kunst vorgesetzt wird
Das ist nicht nur glaubwürdig, sondern die Wahrheit.

Spätestens seit Andy Warhol sollte doch das Prinzip des "Allerweltsartikel als Kunstwerk" keinen Aufreger mehr wert sein.
Ich persönlich finde, dass genau dieser Gegenstand an genau dieser Stelle perfekt passt! Die Ecke ist doch eine ewige Baustelle mit entsprechendem Erscheinungsbild...andererseits - wo in Herford wäre er dann nicht perfekt?
Der Punkt ist doch viel eher der, dass eine große Zahl Menschen - das möchte ich nicht auf Herford beschränken - mit Kunst nichts anzufangen wissen. Für diese Menschen ist Kunst etwas was in ihren Augen "schön" (was wiederum sehr subjekt ist) ist.
Ich z.B. finde die Pylonen auch rein optisch schön - und das ist auch sehr subjektiv - aber ich erlaube auch anderen Menschen andere Dinge schön zu finden, die ich nicht schön finde. Genausowenig spreche ich diesen Dingen ab, dass sie Kunst sind.
Aber Kunst kann auch mehr sein als blosse subjektive Schönheit - sie kann z.B. auf aktuelles Geschehen in der Welt hinweisen, sich über Dinge lustig machen, Diskussionen anstossen, ein Fingerzeig...aber eben nur wenn man seinen Geist auch mal für Anderes und Neues öffnet. Alles ist eine Frage der Zeit - und manche sind eben ihrer Zeit voraus. Wieviel Bilder hat van Gogh zu Lebzeiten verkauft? oder wieviel politische Gedanken stecken in den Bildern von Caspar David Friedrich? Oder wieviel Abstraktion steckt in den Werken der Moderne? Alles Dinge, dies sich dem nicht interessierten "Normalbürger" nicht auf den ersten oberflächlichen Blick erschliessen.
Er findet sie einfach schön oder nicht - auch eine Art von Kunstverständnis wie ich meine.
Open your mind !

Die Pylone würden längst am Bergertor stehen und das ganze Gezetere und die Kosten für den Bürgerentscheid hätte sich die Stadt sparen können, wenn einige, selbstverständliche Punkte eingehalten worden wären. Wie z.B. eine behutsame Heranführung an das Thema ´5 Orte - 5 Stadttore´- statt mit der Holzhammermethode.
Die Präsentation für das Gesamtkonzept fehlt gänzlich: Wie sind die anderen 4 Tore gestaltet?
Wie spielen die im Kontext zusammen? Die Pläne hierzu liegen doch sicherlich in der Schublade. Falls nicht, ist dies ein weiterer Faux Pas, ein Eigentor, das einem künstlerischen Direktor mit Weitsicht nicht passieren sollte. Ausgerechnet die safety cones als erstes Objekt dieser Serie zu präsentieren war äußerst ungeschickt und ist ein großer (Kunst)-Fehler. Hätte man als erste Tor-Vorstellung ein wirklich interessantes, intelligentes oder witziges Design präsentiert, wären die Pylone als 3 oder 4 Tor nicht dermaßen ins Gewicht gefallen wie jetzt. Zumal das Gro der Bürger denkt: "Das kann ich auch - zumal für Geld.
Man nehme einen banalen Alltagsgegenstand und blase ihn auf Übergröße auf ... alles nur eine Ablenkung von anderen städtischen Sorgen."
Daher ist auch die fehlende Wahlbeteiligung am Bürgerentscheid abzuleiten. Den meisten geht das Thema wie auch weiterführend bzw. ursprünglich das MARTa am A....vorbei. Allen Verantwortlichen sollte bewußt sein, sich mit weitergehenden, nicht durchdachten Hau-Ruck Aktionen einfach nur lächerlich zu machen. Diese Art dürfen sich nur unabhängige Freigeister wie z.B. Jan Hoet erlauben, die mit Herford nichts am Hut haben.
Und einem Bürgermeister kann nichts Schlimmeres passieren, als das sich seine Bürger für die Belange der Stadt nicht mehr interessieren und sich mit Herford nicht mehr identifizieren.



 Seite 1 von 6
weiter >
  >>


WAS MEINEN SIE? SCHREIBEN SIE IHRE MEINUNG



Sicherheitscode:

Bitte geben Sie oben
stehenden Code hier ein*:


*Pflichtfelder




Anzeige
Weitere Nachrichten aus Herford
HERFORD
Kaufhof: Concepta soll’s richten
Runde drei in Sachen Kaufhof-Areal ist eingeläutet: Gestern haben sich die Ratsfraktionen in nichtöffentlicher Sitzung darauf verständigt, dass der Düsseldorfer Projektentwickler Concepta das seit zwölf Jahren leerstehende Gebäude wieder mit Leben füllen soll. mehr

HERFORD
13-Jährige auf Silvesterfeier missbraucht?
Weil er auf einer Silvsterparty mit einer 13-Jährigen geschlafen haben soll, saß heute Morgen ein 24-jähriger Bad Oeynhausener auf der Anklagebank im Herforder Schöffengericht. Der Mann ist bereits Insasse der JVA, bei einer Verurteilung drohte ihm eine Haftverlängerung um zwei Jahre. mehr

VLOTHO
Morgens und abends tolle "Mucke"
Wer noch keinen ausreichenden Plan für Pfingstsonntag hat, dem legt Burgwirtin Silke Meier das morgendliche Konzert und am Abend die Mega-Zeltparty samt "Ü-40-Ebene" ans Herz. mehr

HERFORD
Noch jemand ohne Lehrstelle?
Last-Minute buchen und starten - das funktioniert auch auf dem Ausbildungsmarkt. Wer so kurz vor den Sommerferien noch einen Ausbildungsplatz sucht, sollte die Berufsberatung der Agentur für Arbeit nutzen. mehr



Anzeige

Wetter in Herford

Anzeigen

Meistgeklickt in Herford

Mann vor Werre-Park von Lastwagen überrollt
Bad Oeynhausen (PeSt/red). Auf der Bundesstraße 61 in Bad Oeynhausen ist am Mittwochnachmittag ein Fußgänger lebensgefährlich verletzt worden. Nach... mehr

A30: 51-Jähriger aus Bad Oeynhausen bei schwerem Unfall getötet
Bünde (ar/clu). Auf der Autobahn 30 bei Bünde wurde am Dienstagabend ein 51-jähriger Mann aus Bad Oeynhausen bei einem Unfall getötet. Er war mit... mehr

Bünder Puppe trifft Gottschalk
Bünde. Ungewöhnlichen Besuch hatte am Mittwochmorgen die Klasse 2a der Grundschule Ennigloh. Zu Gast war ein dreiköpfiges Fernsehteam... mehr

13-Jährige auf Silvesterfeier missbraucht?
Herford. Weil er auf einer Silvsterparty mit einer 13-Jährigen geschlafen haben soll, saß heute Morgen ein 24-jähriger Bad Oeynhausener auf der... mehr

Mitarbeiter wegen Eintrags bei Facebook gekündigt
Kreis Herford (hab). Weil er auf seinem Facebook-Account einen Hinweis auf das Lied "Bück Dich hoch" der Gruppe Deichkind platziert hat... mehr

22-Jähriger starb in Herzebrock-Clarholz bei Kollision mit einem Baum



24-jährige Frau in Steinheim erstochen



A 30: 51-Jähriger aus Bad Oeynhausen bei schwerem Unfall getötet



Bruder gesteht Tötung von Arzu Özmen



Mord an 82-Jähriger: Maske und Messer gefunden



Mitarbeiter wegen Eintrags bei Facebook gekündigt
mit 109 Kommentaren

Kreis Herford (hab). Weil er auf seinem Facebook-Account einen Hinweis auf das Lied "Bück Dich hoch" der Gruppe Deichkind platziert hat... mehr

Herforder versuchte vergeblich, Grafentitel vor Gericht durchzusetzen
mit 13 Kommentaren

Herford/Minden. Zwei Reisetaschen voller Akten hatte er mitgebracht ins Verwaltungsgericht Minden – aber seinen angeblichen britischen Pass mit... mehr

Wahlergebnisse live hier bei nw-news.de
mit 5 Kommentaren

Laufend informiert werden Sie am Wahlabend hier bei nw-news.de, dem Internetdienst der Neuen Westfälischen. Mit Schließung der Wahllokale haben wir... mehr

Philharmonie bekommt einen Förderverein
mit 1 Kommentar

Herford (nw/ram). Ein neuer Verein tritt für die Existenzsicherung der Nordwestdeutschen Philharmonie (NWD) ein. Der jetzt gegründete Förderverein für... mehr


Fotos aus Herford
Herford: Brückenschlag in die Radewig
Herford: Brückenschlag in die Radewig
Herford: 38. Internationales Schwimmfest in Herford
Herford: 38. Internationales Schwimmfest in Herford
Herford: Hansetag auf dem Alten Markt
Herford: Hansetag auf dem Alten Markt
Vlotho: Junger Fahrer aus dem Auto geschleudert
Vlotho: Junger Fahrer aus dem Auto geschleudert
Herford: Kneipenrallye zur Jazztime
Herford: Kneipenrallye zur Jazztime
Herford: Gospelgottesdienst zur Jazztime mit Harriet Lewis und InJoy
Herford: Gospelgottesdienst zur Jazztime mit Harriet Lewis und InJoy