Herford. Beifall spendeten die Befürworter der Kunst. Schulterklopfen galt ihren Gegnern: Gegen 19 Uhr stand fest, dass die Safety Cones des amerikanischen Künstlers Dennis Oppenheim am Bergertor aufgestellt werden. Der Bürgerentscheid, mit dem die Wählerinitiative Bürger für Herford einen entsprechenden Ratsbeschluss hatte aushebeln wollen, ist gescheitert.
Von 53.342 Wahlberechtigten hatten 13.001 gültige Stimmen abgegeben. Davon hatten wiederum 8.836 (67,96 Prozent) dafür gestimmt, den Ratsbeschluss aufzuheben, 4.165 (32,04 Prozent) dagegen. Damit hatten sich rund Zweidrittel der Wähler gegen die als Pylone bezeichneten Kunstwerke am Bergertor ausgesprochen. Doch das reichte nicht: Die Bürgerinitiative hätte rund 10.400 Steimmen aller Wahlberechtigten gebraucht, das entspricht 20 Prozent. Tatsächlich bekam sie 15,9 Prozent der Stimmen.
Unterschiedlich wurde das Ergebnis von den Beteiligten gewertet.
Das Wahlergebnis spiegele wider, was er und seine Mitstreiter in den vergangenen Monaten im Gespräch mit den Bürgern erlebt hätten, sagte Daniel Brumberg von den "Bürgern für Herford": "Zweidrittel der Herforder sind gegen das Projekt." Er hoffe, dass der Rat dies zur Kenntnis nehme und über eine Modifizierung der Pläne nachdenke. Wolfgang Kretschmann ergänzte: "Mit rund 68 Prozent Gegenstimmen könnte ich als Ratspolitiker nicht leben."
Als Erfolg und Zeichen des Aufbruchs werteten hingegen Alina Doht und Charlotte Otte das Ergebnis. Die beiden Mitglieder der Pro-Pylone-Initiative Stadttorfreunde Herford sagten, sie hätten sich mehr Stimmen für die Oppenheim-Kunstwerke gewünscht, hätten andererseits in den vergangenen Wochen aber auch viel Unterstützung erfahren. Viele stillschweigende Befürworter seien sicherlich nicht zur Wahl gegangen. Schon damit hätten sie ihre Zustimmung zum Projekt ausgedrückt. Die Gruppe sei aber auch mit erschreckend vielen Bürgern ins Gespräch gekommen, denen das Thema schlicht gleichgültig war.
Eine Erfahrung, die Lothar Sobek anhand der Wahlbeteiligung nachvollzog: "Es hat sich gezeigt, dass sich die Leute besonders in einigen Außenbezirken für das Thema nicht interessieren", sagte der Ordnungsamtsleiter, der bei der Stadt für die Durchführung von Wahlen zuständig ist.
Als einen guten Tag für Herford und die Stadt bewertete der Sponsor des Kunstwerks, Heiner Wemhöner, das Ergebnis. "Schön, dass sich gerade junge Leute in den vergangenen zehn Tagen engagiert haben", sagte der Unternehmer. "Sie sind die Zukunft unserer Stadt." Kritisch äußerte sich Wemhöner zu dem großen Widerstand gegen die Safety Cones, damit habe er nicht gerechnet. "Da gibt es etwas aufzuarbeiten." Wenn erst einmal wieder Ruhe eingekehrt sei, habe das Projekt "Fünf Tore – fünf Orte" vielleicht wieder eine Chance.
Die Stadttorfreunde werten die Diskussionen der vergangenen Monate in erster Linie als Erfolg. "Wir glauben, dass das Vorhaben, am Bergertor die Safety Cones aufzustellen, einen Prozess der Meinungsbildung in Gang gesetzt hat", sagte Friederike Fast. "Zeitgenössische Kunst schafft es, Diskussionen anzuregen."
Für Brumberg liegt der Erfolg in dem deutlichen Signal, das die Bürger für Herford gesetzt haben: mehr Transparenz, mehr Bürgernähe, eine verbesserte Informationspolitik. "Dafür stehen wir." Und so werde die Wählergemeinschaft auch weiter machen. Es gebe aber auch andere Möglichkeiten als einen Bürgerentscheid, für Transparenz zu sorgen. "Das schließt weitere Bürgerentscheide nicht aus."
Bürgermeister Bruno Wollbrink begrüßte das Wahlergebnis. "Die geringe Wahlbeteiligung zeigt, dass die Mehrheit der Bürger zumindest nichts gegen die Pylone hatte." Er plädierte dafür, das Instrument repräsentativer Bürger-Befragungen stärker zu nutzen. Und er bat diejenigen, die mit dem Bürgerentscheid gescheitert sind, "ihren Frieden damit zu machen." Brumberg: "Wir sind Demokraten. Das Ergebnis erkennen wir natürlich an." Er freue sich jetzt auf eine Rückkehr zur Sachlichkeit, die er in den Leserbriefen der vergangenen Monate manchmal vermisst habe.
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Lesen bildet: alle Unterhaltskosten übernimmt die Wemhönerstiftung. Milchmädchen - das passt gut.
Warum lässt man eigentlich Herford nicht einfach in Ruhe von der Mittelmäßigkeit weiter abrutschen - in die Niveaulosigkeit? Wer nur etwas Verstand hat und die Zukunft seiner Kinder vor Augen - der verlässt dieses Kaff am besten ganz schnell...