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25.06.2010
HERFORD
Paukenschlag: VMR wird zum 30. Juni 2011 stillgelegt
Gesellschafter Rhenus Veniro will Verluste nicht mehr allein ausgleichen

VMR-Busse im Depot | Foto: pr

Herford/Minden (mt). Auf der erst gestern kurzfristig für heute anberaumten außerordentlichen Betriebsversammlung der Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg (VMR) hat die Geschäftsleitung eine Bombe platzen lassen: Das Unternehmen werde zum 30. Juni 2011 "stillgelegt".  In einer heute Morgen zugestellten Pressemitteilung heißt es weiter: "Nach den derzeitigen Planungen werden die Arbeitsverhältnisse aller bei der VMR beschäftigten Arbeitnehmer zu diesem Zeitpunkt beendet."

Es herrsche Einvernehmen darüber, dass "ein geregelter und ordentlicher Übergang gewährleistet sein soll". Wie der aussehen soll, ist der Pressemitteilung nicht zu entnehmen.

Stattdessen wird darauf hingewiesen, dass der Aufgabenträger Minden-Herforder Verkehrsgesellschaft (mhv) nach aktueller Beschlusslage die Verkehre Herford und Umgebung sowie Minden und Umgebung zum 12. Juni 2011 im Rahmen eines wettbewerblichen Vergabeverfahrens neu vergeben werde. Dies setze allerdings eine rechtskräftige Genehmigung zur Entbindung von der Betriebspflicht seitens der Bezirksregierung Detmold voraus.

Nach Informationen des Mindener Tageblattes soll zum 1. Juli 2011 ein neues Unternehmen anstelle der VMR gegründet werden, das sich wieder auf die Lizenz für die Verkehre Herford und Umgebung sowie Minden und Umgebung bewirbt. In Minden-Lübbecke steht allerdings möglicherweise auch die kreiseigene MKB als Wettbewerber in den Startlöchern, die VMR erst unlängst erfolgreich ein Linienbündel im Altkreis Lübbecke streitig gemacht hatte.

Aktuell beschäftigt VMR nach eigenen Angaben 150 Mitarbeiter. Wie viele davon in eine neue Gesellschaft übernommen würden, ist auch deshalb unklar, weil die Geschäftsführung in ihrer gestrigen Pressemitteilung ausdrücklich auf überdurchschnittlich hohe Lohntarifgefüge (siehe unten) bei VMR als eine der Verlust-Ursachen hinweis.

Deckungslücke von 2,4 Millionen Euro

Hintergrund der spektakulären Stilllegungs-Entscheidung dürfte die Tatsache sein, dass 100-Prozent-Gesellschafter Rhenus Veniro (Mainz) die im öffentlichen Nahverkehr aufgelaufenen Verluste nicht mehr tragen will. Der Versuch, eine allein im Jahr 2009 aufgelaufene Deckungslücke von 2,4 Millionen Euro durch entsprechende Kostenübernahmen von den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford stopfen zu lassen, war von den klammen Gebietskörperschaften abgeblockt worden.In der Pressemitteilung der VMR-Geschäftsführung heißt es dazu: "Damit war klar, dass wir die von uns beabsichtigte weitgehende Sicherung der Einkommen der VMR-Mitarbeiter weder vollständig noch teilweise erreichen würden". Die Gründe für den hohen Verlust im 2009 blieben auch weiterhin bestehen. Unter diesen Umständen sei Rhenus Veniro nicht bereit, entstehende weitere Verluste erneut alleine auszugleichen.

Detailliert äußert sich die Geschäftsführung zu diesen Gründen. So gehöre dazu  auch das im Nahverkehrsplan festgelegte "überdimensionierte Leistungsangebot der VMR", das nicht kostendeckend zu realisieren sei.

Überdurchschnittlich hohes Lohntarifgefüge

Auch das überdurchschnittlich hohe Lohntarifgefüge hätte die Kosten in die Höhe getrieben. Die VMR bezahle neben moBiel als einziges ÖPNV-Unternehmen in Ostwestfalen-Lippe ihre Mitarbeiter nach dem kommunalen Spartentarif Nahverkehr NRW (TV-N NRW) und liege damit rund 30 Prozent höher als wettbewerbsfähige Tarifverträge. In den vergangenen zwei Jahren habe es zudem zu Lohnerhöhungen mit durchschnittlich je 4,5 Prozent Steigerung gegeben.

Im Jahr 2009 seien die Beiträge für den Pensionssicherungsverein zur Absicherung der Betriebsrenten um rund 250.000 Euro hochgeschnellt (sog. "Karstadt-Quelle-Effekt").

Die Fahrpreiserhöhungen im Verkehrsverbund "Der Sechser" seien in den vergangenen Jahren zu niedrig ausgefallen und weit hinter den allgemeinen Kostensteigerungen zurück geblieben. Im Bereich des Schülerverkehrs habe VMR beim Ausgleich für rabattierte Schülertickets ab dem Jahr 2009 umfangreiche Verluste hinnehmen müssen.

Nicht zuletzt sei das Unternehmen an zwei unangemessen teure Betriebshöfe gebunden, die es von Eon Westfalen-Weser (vormals EMR) gemietet hat. Als weiteren Grund gab Geschäftsführer Henrik Behrens den ruinösen Verdrängungswettbewerb in der Region Ostwestfalen-Lippe an. Durch den Verlust des Werrebus Löhne seien der VMR positive Deckungsbeiträge verloren gegangen.


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Kommentare
und wie soll ich jetz zur schule kommen ich wohne in elverdissen und ich muss in die schule wenn da kein bus kommt geh ich garnich mehr zur schule

@Holger bravo , besser konnte man es nicht schreiben....

"...überdurchschnittliches Lohngefüge..."
Jeder Arbeitnehmer, der Lohn erhält ist offensichtlich ein unrentabler Kostenfaktor. Also wieder die Sklavenarbeit einführen, oder was? Ich finde es beschämend und bin empört, so etwas lesen zu müssen. Gleichzeitig empfindet man eine absolute Ohnmacht gegenüber den Konzernen, die antreten, um unsere Gesellschaft auszuplündern.

"Auch das überdurchschnittlich hohe Lohntarifgefüge hätte die Kosten in die Höhe getrieben" ... Kann ich gut nachemfinden was der Arbeitgeber damit meint, schliesslich ist alles was höher liegt als ein Dumpinglohn zwangsläufig überdurchschittlich. Da Leute, welche gezwungen werden für 3€ die Stunde zu fahren, den Durchschnitt drastisch nach unten zieht. Folglich ist jeder Lohn weit über dem Durchschnitt der nach Tarif bezahlt wird. Ist klar das man so als Unternehmer nicht arbeiten kann...

ist doch nicht so schlimm die Arbeiter bekommen doch 12 Monate Arbeitslosengeld. Dann kommen sie auch noch in den Genuss von HARTZ IV.
Diese Vorgehensweise spiegelt unserer "System" in bester Weise wieder.



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