VMR-Geschäftsführung kündigt Betriebsstilllegung zum 30. Juni 2011 an / Proteste vor dem Kreishaus
Herford. Mit einem Paukenschlag haben die beiden Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg (VMR), Henrik Behrens und Wolfgang Orth, am Freitag das Ende des Unternehmens in einer kurzfristig anberaumten Betriebsversammlung im Fahrzeughaus an der Goebenstraße angekündigt. 160 Arbeitsplätze sind in akuter Gefahr.
Die Reaktion der Busfahrer und der Gewerkschaft kam prompt: Mit 40 Bussen fuhren sie zum Kreishaus, sorgten für Verkehrsstaus und statteten der Verwaltung einen spontanen Besuch ab. In Vertretung für Landrat Christian Manz nahm Dezernent Jürgen Müller die Delegation in Empfang. Müller verwies auf das Rechtsgutachten, dass der Kreis vor kurzem vorgestellt hatte. Es stellt fest, dass es dem Kreis aufgrund der "derzeitigen Haushalts- und Rechtslage" nicht erlaubt ist, als Mehrheitsgesellschafter (51 Prozent) bei den VMR einzusteigen (die NW berichtete). Diese Ansicht wird von der Gewerkschaft nicht geteilt.
Busfahrer Marko Scholz, seit 13 Jahren bei den VMR, war fertig: "Psychisch bin ich schwer angeschlagen, meine Motivation ist dahin. Meine Kollegen und ich haben maximal noch ein Jahr lang Arbeit." Verdi-Gewerkschaftssekretär Werner Linnemann gab sich kämpferisch: "Die Betriebsstilllegung geht voll auf die Kosten der Beschäftigten. Das werden wir so nicht hinnehmen. Jetzt ist die Politik gefordert. Wir wollen einen runden Tisch einberufen, um die VMR und vor allem die Arbeitsplätze zu retten."
Martin Wiese, VMR-Betriebsratsvorsitzender, zeigte sich sprachlos und geschockt, kündigte aber Gespräche mit der Geschäftsleitung an. "Wir wissen nicht, was die Geschäftsführung fordert, aber die Beschäftigten sind bereit, weitere Zugeständnisse zu machen." Werner Linnemann war sich nicht sicher, ob es bereits in nächster Zeit zu Kündigungen kommen könnte: "Es könnte aber sein, dass die VMR Fahrer aus der Billiglohn-Tochter Eurobus einsetzen will. Das würde massive unsere Gegenwehr hervorrufen."
Kommentar
So leicht geht das also: Die korrekten Löhne der Beschäftigten sind Schuld am finanziellen Debakel der Verkehrsbetriebe. Hinzu kommen nach Aussage der Geschäftsleitung das "überdimensionierte Leistungsangebot", der "ruinöse Wettbewerb" und "unangemessen teure Betriebshöfe" - macht Verluste in Höhe von 2,4 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2009.
Ist es nicht eher so, dass die Verantwortlichen ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, als sie sich um die Linienbedienung bemüht haben? Sie wollen an die öffentlichen Fleischtöpfe. Neues Spiel, neues Glück. Deshalb haben die VMR auch ihre Konzession nicht zurück gegeben. Denn bei der nächsten Ausschreibung ist der Mutterkonzern Rhenus Veniro wieder dabei - mit einer neuen Tochtergesellschaft. Und die zahlt nicht mehr nach dem Spartentarif.
Klar, wer darunter leiden würde. Jetzt sind Kreisverwaltung, Politiker und Gewerkschaft gefordert. Mit einem schlüssigen Konzept kann die VMR-Rettung gelingen, auch in Zeiten der Haushaltssicherung. Die Stadt Zweibrücken macht es vor.
Linnemann erinnerte auch an die jährlichen Millionen-Hilfen, die die Fahrer bereits seit 2007 erbracht hätten. "Das Geld ist augenscheinlich nicht erfolgreich in Restrukturierungsmaßnahmen geflossen", sagte er. Er bemängelte auch, dass Landrat Manz und die Kreispolitiker den Einladungen zu Gesprächen seit Bekanntwerden der Verluste in Höhe von 2,4 Millionen Euro nicht gefolgt seien. "Jetzt erwaten wir, dass sie unseren Vorschlägen zuhören und sagen, was sie zu leisten gewillt sind."
Konzernbetriebsratsvorsitzender Helmut Kalinke aus Zweibrücken, machte Hoffnung auf ein gutes Ende: "Auch in Zweibrücken wurden die Buslinien neu ausgeschrieben. Die Politik hat erreicht, dass der neue und alte Betreiber alle Beschäftigten zu unveränderten Konditionen übernommen hat." Das konnte Busfahrer Guido Vasse nicht trösten: "Ich habe weiche Knie. Ich weiß nicht, wie ich meinen Dienst heute durchstehen soll."