Herford. Das Sonnenlicht ist weg, der Schwimmmeister auch. Aber es ist weiter knallewarm. Das verleitet offenbar viele Menschen dazu, nachts unerlaubt in Herfords Freibädern schwimmen zu gehen. Das Bad im hellen Mondschein kann aber große Probleme bringen.
"In den voran gegangenen Jahren hatten wir diese Phänomen nicht", erklärt Markus Diering von der Stadtwerke Herford GmbH. "In den jeweiligen Sommern war es einfach zu kalt." Doch die Hitzewelle der letzten Wochen hat die Zahlen ansteigen lassen. "Wobei wir eine große Dunkelziffer haben", räumt Diering ein.
Doch vielfach melden sich die unmittelbaren Nachbarn der Freibäder, wenn nachts Schwimmer in den Becken sind oder aber unerlaubt Personen auf dem Gelände herumlaufen und Krach machen. Durch die Ferien habe sich das Phänomen von den Wochenenden auch auf die Nächte in der Woche verschoben.
Was Nachtschwimmer zu erwarten haben
"Wir haben bisher einen Fall in Elverdissen, einen in Hiddenhausen und mehrere im Freibad im Kleinen Feld gehabt, bei denen wir die Polizei gerufen haben", so der Stadtwerke-Sprecher weiter. Die Polizei stellt in solchen Fällen die Personalien fest.
Doch mit der Kontrolle durch die Beamten ist noch lange nicht Schluss: Neben einer Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch erhalten aufgeflogene Nachtschwimmer auch ein Hausverbot. Und sie müssen für den von ihnen angerichteten Schaden zahlen - dafür gibt es dann eventuell noch Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung
Anders als in Bielefeld, wo nachts regelrechte Partys gefeiert werden und sogar zerbrochenes Glas im Bad herumliegt, haben die Herforder bisher Glück gehabt. "Der Vandalismus hat sich auf mehrere umgeschmissene Mülleimer beschränkt", so Diering.
Doch wer sind die Nacht-Schwimmer? "Die haben vielfach bis in die Nacht gefeiert und wollen dann noch nicht nach Hause, sondern etwas erleben", skizziert Betriebsleiter Thomas Schoolmann die Motive.
Dabei kann die Kombination aus Alkohol und nächtlichem Bad tödlich enden, so der 37-jährige Experte. Während Schwimmmeister tagsüber die Becken im Blick haben, können Gesundheitsprobleme nachts zum Todesurteil werden. Auch deshalb sehen die Stadtwerke das Nachtschwimmen nicht als Kavaliersdelikt an.
Ein Versicherungsschutz besteht nicht und bei Unfällen (siehe rechts) kann niemand helfen. Dagegen, so Diering, stehen aber bis zu 6.000 Gäste , die täglich die Freibäder besuchen, Spaß haben, spielen und schwimmen.
Vorm Baden Finger weg
Was beim Einbruch in ein Bad passieren kann, zeigt ein aktueller Fall vom Dienstagmorgen: Bei einem Einbruch in ein Freibad in Salzkotten hat sich eine 21-Jährige den Finger ab dem ersten Gelenk komplett abgerissen. Ihre Freundin schlitzte sich die Hand auf.
Wie die Polizei mitteilte, hatten die beiden alkoholisierten jungen Frauen Dienstagmorgen versucht, über den etwa 2,50 Meter hohen Zaun um das Freibad zu klettern. Dabei waren die Frauen aber plötzlich außer Puste, und sie sprangen auf den Boden zurück. Doch blieben beide mit dem linken Ringfinger im Zaun hängen. Das Fingerglied der 21-Jährigen konnte auch im Krankenhaus nicht mehr gerettet werden.