Herford. An der Herforder Gesamtschule Friedenstal ist ein 13-jähriger Schüler von einem Mitschüler in einer Umkleidekabine so schwer verletzt worden, dass er über drei Tage im Krankenhaus lag. Ein normaler Fall, der sich immer wieder zwischen Schülern ereignen kann oder ein Fall, der unter den Begriff "Gewalt an Schulen" fällt?
"Zu der Tat ist es am 6. September nach dem Sportunterricht gekommen", erklärt die Mutter (42) des Schülers, die auch heute auf Radio Herford zu hören ist. "Ich habe Strafanzeige wegen Körperverletzung erstattet. Ich weiß zwar, dass der Junge noch nicht strafmündig ist. Aber so kommt der Vorgang zu den Akten und wird den Behörden bekannt."
Daten zur Schule
Die Gesamtschule Friedenstal an der Salzufler Straße wird von rund 1.200 Schülerinnen und Schülern besucht. Die vor 23 Jahren gegründete Schule, an der die Kinder alle Abschlüsse machen können, gilt als innovativ und legt sehr viel Wert auf die Förderung der Kinder. Die Schule bietet auch Angebote des offenen Ganztags für die Schüler an.
Hintergrund für die Anzeige waren die bei dem 13-Jährigen festgestellten Verletzungen: Verdacht auf Gehirnerschütterung und diverse Prellungen im Bauchraum, so die Herforderin, der sich der Sohn erst am Abend des 6. Septembers offenbart hatte. Der Schüler, der geschlagen habe, soll seinen Mitschülern körperlich deutlich überlegen sein. Er soll nach der Sportstunde sogenannte Nackensteaks – Handkantenschläge in den Nacken der Mitschüler – verteilt haben. Nach einer Abwehrreaktion des Sohnes soll die Situation dann eskaliert sein. Es sei offenbar der Auslöser eines weiteren Angriffs auf den 13-Jährigen. Zeitweise sollen Mitschüler den schlagenden Jungen festgehalten haben, so die Mutter.
Gerangel, wie es zwischen Jungen vorkommt
"Es ist ein beklagenswerter Vorfall", so Schulleiter Scheck. Er bewertet den Vorfall anders als die Mutter des Opfers als Gerangel, wie es zwischen Jungen vorkommen könne. Die Nackensteaks würden von allen Schülern ausgeteilt. Gegen den Mitschüler des Verletzten seien pädagogische Maßnahmen verhängt worden. Er habe eine Woche lang seine Arbeiten abseits der Klasse, also allein verrichten müssen. Die Maßnahmen seien zeitnah verhängt worden. Einen Problempunkt räumt Scheck ein: Die Schule sei der Bitte der Mutter, die Gesprächsbedarf gesehen habe, nicht zeitnah nachgekommen.
Die Mutter des verletzten Schülers erklärte, dass sie unabhängig vom Fall ihres Sohnes das Problem von Gewalt an der Schule sehe – es aber auch gelöst sehen möchte. "Ich hoffe, dass sich in diesem Zusammenhang weitere Eltern melden." Alexander Scheck sieht an der Schule an der Salzufler Straße hingegen ein weitaus geringeres Aggressions- oder Gewaltpotenzial unter den Schülern.