Besucher der Bustedter Wiesen wissen oft nicht, was die Naturschutzzone verbietet
Hiddenhausen. Kinder spielen auf dem Rasen, die Eltern entspannen auf der Picknickdecke und der Hund holt das Stöckchen aus dem Teich - ein idyllisches Bild eines Sonntagnachmittag-Familienausflugs. In den Bustedter Wiesen ist der allerdings nicht drin, denn das Gebiet steht unter Naturschutz - und das schon seit mehr als 20 Jahren. Trotzdem gibt es immernoch Menschen, die sich nicht an die Vorschriften halten.
"Wir versuchen hier, eine natürliche Vegetation zu schaffen. Dazu gehören auch Tiere, die beispielsweise am Flussufer nisten", erklärt Agrarbiologin Hannelore Frick-Pohl. In der Landschaftsbehörde des Kreises Herford tätig, kümmert sie sich um das Gebiet der Bustedter Wiesen. Badegäste, Picknicker oder auch Angler, die vom Weg "abkommen", beschädigen die Pflanzen am Teichufer und stören Tiere bei der Brut. Ein großes Problem sind außerdem Hunde, die unangeleint laufen und "natürlich neugierig sind und herumstreunen", so Frick-Pohl.
Mit dem Sportfischerverein Hiddenhausen hat sich mittlerweile so etwas wie eine Hass-Liebe entwickelt. "Die Angler haben ein Recht hier ihrem Sport nachzugehen, tolerieren aber unsere Gebote", erzählt die Biologin. Die Fischer haben sich jetzt zwei Holzstege gebaut, von denen aus sie ihre Leinen ins Wasser werfen. So wird die Uferbegrünung nicht mehr beschädigt. "Ist sowieso viel angenehmer, nicht mehr im schmutzigen Nass zu stehen", sagt der Angler Detlef Baake aus Hiddenhausen. Etwas Gutes haben die Angler außerdem: "Wir sind eine Art Regulativ und achten drauf, wenn Leute ihre Hunde nicht anleinen", sagt Jürgen Riesebieter, Vorsitzender des Sportfischervereins.
Über 350 Arten Schmetterlinge wurden in den vergangenen Sommern an den Bustedter Wiesen gesichtet. Auch verschiedene Arten von Fledermäusen sind mittlerweile dort beheimatet. "Es gibt einfach einen Konflikt zwischen Naturschutz und Naherholungsgebiet, was die Bustedter Wiesen auch sind. Wir sind schon tolerant und wollen, dass die Menschen in die Natur kommen und diese genießen. Aber es gibt auch Grenzen", so Frick-Pohl. Und diese werden besonders oft und vor allem bewusst von Hundebesitzern überschritten.
"Ich gehe mit meinem Hund hier oft ohne Leine", sagt Petra H. Ihren 13-jährigen Hund Carlo habe sie unter Kontrolle und achte darauf, wo dieser herumstreune, so die Bünderin. "Die Hunde haben doch sonst keinen Auslauf." Sie sei außerdem verärgert, wenn sie andere Umweltschänder sehe, die beispielsweise Müll und Flaschen liegen lassen. "Wir zahlen immerhin Hundesteuer", so die Tierbesitzerin.
Oftmals wissen die Besucher der Grünzone nicht einmal, dass die Bustedter Wiesen unter Naturschutz stehen und darüber hinaus auch nicht, was das bedeutet. Ein Hundebesitzer, der seinen Vierbeiner angeleint mit sich führt, liefert unwillkürlich den Beweis mit der Frage: "Müssen Hunde hier angeleint werden?"