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09.02.2011
HERFORD
Friedenstal ist bereits Top-20-Schule
Jury des Deutschen Schulpreises testete die Herforder Gesamtschule
VON HARTMUT BRANDTMANN

Prüfer und Bewerber | FOTO: KIEL-STEINKAMP

Herford. Der Antrag überzeugte. Die Gesamtschule Friedenstal hat sich für den bundesweit höchst dotierten Deutschen Schulpreis beworben, und die Chancen stehen gut.

Das deutete die Jury an, die eineinhalb Tage lang den Schulbetrieb pädagogisch und baulich getestet hat. Grundlage des Wettbewerbs ist ein umfassendes Bildungsverständnis. Das soll in sechs Qualitätsbereichen zum Ausdruck kommen, zum Beispiel "Umgang mit Vielfalt".

Mehr als 50 Prozent der Schülerschaft hat einen so genannten Migrationshintergrund. "In dieser Schule wird der Auftrag ernst genommen, die Schüler so anzunehmen, wie sie sind . Sie akzeptieren die kulturellen Unterschiede gegenseitig. Das ist eine gelebte Selbstverständlichkeit. So wird das Leistungsvermögen angstfrei ausgeschöpft", hat der Programmleiter Dr. Roman Rösch festgestellt.

Von der Unterrichtsqualität zeugen die eingereichten Konzepte und die beiden Selbstlernzentren.

Gepflegtes Schulgebäude

Jury-Mitglied Dr. Erika Risse ist von dem Kunstprojekt angetan, das Rosario de Simone leitet. Seit vier Jahren lehren vier bildende Künstler den Umgang mit Farben und Formen. Die Ergebnisse werden auch außerhalb der Schule gezeigt. Was die Jury überzeugt haben mag, ist die lange Galerie an den Flurwänden.

Sprachförderung geschieht auch jahrgangsübergreifend im Literatur-Café. So ist der Deutschunterricht allpräsent. Beim Literatur-Wettbewerb OWL kamen die weitaus meisten Beiträge, 65, aus der Herforder Gesamtschule.

Dem Schulgebäude attestiert die Jury einen "gepflegten Zustand". Und in Gesprächen fand sie heraus, dass die jungen Leute gut über die Vorgänge in ihrer Schule informiert sind.

119 Schulen hatten sich beworben. Zu den Top 20 gehört Friedenstal bereits. Und wenn die Gesamtschule im März unter die besten 15 kommt, geht’s nach Berlin zur Preisverleihung. Das verleiht dem Lernen Flügel. So heißt das Motto des Deutschen Schulpreises.


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Kommentare
Es ist wirklich toll, dass sich die Gesamtschule Friedenstal unter den "Top 20" der Deutschen Schulpreisbewerber befindet. Gratulation! Diese Schule hat es nicht leicht gehabt, sich angesichts einer Bürgerschaft zu behaupten, die immer noch glaubt, dass man die Zukunft gewinnen kann, wenn man den eigenen Nachwuchs von den so genannten "bildungsfernen Schichten" abschirmt, also, wenn man das "wilhelminische" mehrgliedrige Schulsystem mit Zähnen und Klauen verteidigt, um die privilegierten Positionen innerhalb der Gesellschaft für die eigenen Kinder zu sichern, auch wenn diese eigenen Kinder später dann in einem Land leben werden müssen, in dem außer einer gefährlichen sozialen Spaltung auch das gesamte Bildungsniveau nicht mehr ausreichend sein wird, um den "Hochleistungsstandort Deutschland" überhaupt noch zu erhalten. Hut ab vor einer Schule und ihren Lehrern, die es z.B. schaffen, bei einem Abiturjahrgang etwa die Hälfte Schüler dabei zu haben, die in der 4. Klasse lediglich eine Hauptschulprognose hatten. Aufgabe von Schulen müsste ja eigentlich sein, möglichst viele Potentiale zu heben und möglichst vielen die Chance zu geben, ihre Fähigkeiten entwickeln zu können. Wenn dabei auch noch ein lebendiges Zusammenleben von jungen Menschen, die einer Vielfalt von Herkunftsfamilien angehören dabei herauskommt und wenn sich dies ohne allzu viele Ellbogenkämpfe und in einem Klima von Kunst und Kultur abspielt – was sich wohl auch noch in dem "gepflegten Zustand" des Schulgebäudes bemerkbar macht – dann ist das auch einen Schulpreis wert.

Wir haben gestern in der Schule eine schöne Feier gehabt. Auf 24 Jahre Gesamtschule Friedenstal konnten wir zurueckblicken. Unserer erster Schulleiter Herr Scheck wurde in den Ruhestand verabschiedet. In Reden hoerten wir, was in unserer Schule alles gemacht wurde. Unsere Lehrer sind sehr aktiv für die Schüler. Es gibt tolle Projekte, die es an anderen Schulen gar nicht gibt. Es trauen sich darum gar nicht alle Schulen, sich für den Deutschen Schulpreis zu bewerben. Man muss etwas besonders vorzeigen können, sonst hatr man doch gar keine Chance. Bei diesem Wettbewerb bewerben sich nur engagierte Schulen. Wer an einer Gesamtschule Lehrer ist und nicht daran glaubt, das alle Schüler es eigentlich schaffen könnten, solte an einer anderen Schule Lehrer sein. Wenn wir manchmal Rechtschreibfehler und Grammatikfehler machen, ist das auch weil viele von unseren Schülern Deutsch nicht als Muttersprache haben und weil die deutsche Sprache sehr schwer ist. Wenn hier Lehrer sich über kleine Fehler lustig machen, ist das nur mies. Das zeigt doch, wie mit Schwächen umgegangen wird. Keine freundliche Hilfe sondern sich lustig machen. Solche Lehrer sind dann keine Hilfe. Die sollen dann an Gymnasien usw. arbeiten. Da können sie Kinder weiter abwerten und abschieben. Wenn die Kinder dann zur Gesamtschule kommen, erleben sie, was eine gute Schule ist. Sie lernen Lehrer kennen, die ihnen helfen wollen und dann schaffen sie es auch. Darum ist unsere Schule so gut. Sie ist für die Kinder da.

@ Heinz
Ich bin absolut gleicher Meinung, eine optimale Bildung und Chancengleichheit setzt voraus, dass alle Beteiligten mit Engagement und Überzeugung am gleichen Strang ziehen...Eltern, Schüler, Lehrer und Unternehmen!
Doch denke ich, dass es bei dieser Thematik weniger um "Gute" und "Schlechte" gehen sollte, sondern um eine sinnvolle Verbesserung der aktuellen Zustände. Dies fängt wohl damit an, dass man wissen muss, wie Zusammenhängend Bildung, Erziehung, Integration, Politik und Wirtschaft sind... Sonst wird es mittel- bis langfristig keine gesunde Lösungen geben, sondern nur Flicklösungen, wo es stets an der anderen Stelle brennt, während endlich ein Feuerherd gelöscht wurde...
In vielen Kongressen und Veranstaltungen wurden Gespräche mit Professoren geführt aus den Fakultäten/Fachbereichen Pädagogik und Erziehungswissenschaften. Dort muss im Bereich Lehre angesetzt werden, damit Lehrer/Pädagogen lernen, richtig zu lehren. Denn bedauerlicherweise ist nicht jeder Lehrer dazu berufen, diesen Beruf auszuüben. Unterricht lebendig und attraktiv zu gestalten, alle Schüler zu fördern und zu fordern.
Dies setzt eine stabile Persönlichkeit voraus, soziale Kompetenzen voraus, Liebe zum Beruf und Verständnis für Jugendliche/Kinder voraus...

Haben wir alle nicht auch Lehrer gehabt, die einen sehr guten, persönlichen "Draht" zu uns hatten und Lehrer, die nicht einmal fachlich einen Draht zu uns hatten? Bei wem haben wir wohl eher und besser was gutes und bleibendes für den zukünftigen Berufs- und Lebensweg gelernt? Dies alles scheint in Vergessenheit geraten zu sein.

Im Übrigen gibt es Bundesweit auch heute noch sehr wohl eine soziale Benachteiligung an Schulen! Dies ist gewollt und gesteuert, abhängig von der kommunalen Politik und von einzelnen Schulen!

Menschen, die so verfahren, haben keinerlei Verantwortung ihrer Stadt, ihrem Land und ihren eigenen Kindern gegenüber. Denn jeder Mensch, der durch Benachteiligung auf der Strecke bleibt, kostet uns alle Geld!
So brauchen wir zwingend Schulen wie die Gesamtschule Friedenstal, die früh erkannt und agiert hat, jeden Einzelnen zu fördern und zu fordern. Das ist absolut die gleiche Situation wie in Unternehmen, es gibt wenige, die Chancengleichheit bieten. Die, die am lautesten nach Fachkräften schreiend suchen oder suchen werden, (über kurz oder lang!) bieten es selten...

Doch bei alle dem wird das Fundament in der Familie gelegt! Welche Werte werden vorgelebt und vermittelt? Wird das eigene Kind gefordert und gefördert..
Alles gehört eben doch zusammen und stellt keinesfalls eine Abschweifung vom Thema dar...

Daher ist es nachvollziehbar, dass sich einige Lehrer tief angegriffen fühlen, wenn sie den Erfolg von engagierten Lehrer/Innen aus der Presse lesen. Denn sie entziehen sich der herausfordernden und harten Arbeit, einzelne und benachteiigte Schüler zu fördern. Dafür haben sie diesen Beruf (evtl. Schulform) ja auch nicht gewählt ...
Respekt gebührt dem, der sich der Herausforderung mit Leidenschaft und Liebe stellt und die auffängt, die Fallengelassen wurden/worden wären...

Vorab: Ich gehöre zu den Guten ;)
Aber, bitte zitiert keine dpa-Meldungen, die PISA betreffen.
Ich möchte die soziale Ungleichheit in Deutschland nicht bestreiten, möchte nur anmerken, dass ich PISA aus verschiedenen Gründen nicht gut heiße. Wie operationalisiert man z.B. Leistungen in Geisteswissenschaften?
Es ist gut, dass es Schulen gibt, die sich so sehr reinhängen, jedoch muss man auch die Eltern ins Boot holen, sonst bringt die ganze Förderei auch nichts.

@ Sprachrohr: Gut argumentiert!!! Bin deiner Meinung. Menschen äußern sich hier, weil sie engagiert sind. Lehrer müssen - müssten engagiert sein. Es ist doch ihr Job Kinder zu fördern. Sie machen ihre Sache gut, wenn sie auch diejenigen weiterbringen, die es im Leben schwer haben. Kinder aus Migrantenfamlien oder armen Familien sind doch nicht von "Natur aus" dümmer. Sie haben es viel schwerer, weil ihnen die Unterstützung fehlt und weil sie stärker entmutigt sind und weil das Geld fehlt. Wenn die Eltern arbeitslos sind, haben sie keine beruflichen Vorbilder zuhause. Sie bekommen zumeist keine bezahlte Nachhilfe, wie Kinder wohlhabender Eltern, die egal wie schlau oder dösig die Kinder sind, diese aufs Gymnasium schicken und sich dann etwas darauf einbilden. Wenn dann gute Ergebnisse herauskommen, ist das oft eher auf die bessere Ausstattung im Elternhaus und diese bezahlte Nachhilfe zurückzuführen als auf das Gymnasium. In der Bildung muss Chancengleichheit gelten. Die gibt es nicht, wenn Migrantenkinder dort schon gar nicht ankommen, weil die Grundschullehrer ihnen nicht zutrauen, dass sie es bis zum Abitur schaffen. Also sagen sie, dass das Kind nur die Hauptschule schafft. Wie will man das in der 4. Klasse denn festsstellen? Wenn an einer Gesamtschule viele Schüler sind, die zuvor nur eine Hauptschulempfehlung hatten, dann doch ein gutes Abi machen, zeigt sich, wie falsch die Empfehlung war.



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