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01.04.2011
HERFORD
Hakenkreuz-Grabstein wurde beschädigt
Was Polizei und Staatsanwaltschaft sagen

Halb weg | FOTO: KIEL

Herford (jwl). Es beschäftigte die Polizei und die Staatsanwaltschaft, die gerade erst im Januar ihre Ermittlungen wegen des Nazi-Symbols eingestellt hatte: das Hakenkreuzgrab auf dem Friedhof Ewiger Frieden in Herford. Nun müssen sich wohl wieder Ermittler mit dem braunen Relikt beschäftigen, denn es wurde zerstört. Das Hakenkreuz wurde teilweise abgeschlagen. Zeitgleich gab es ein Schreiben mit den Wörtern "Friedhof, Hakenkreuz, Vernichtung" , das bei der NW anonym eingeworfen wurde.

Wann die Tat passiert ist, ist unklar. "Eine Strafanzeige liegt bei uns auch noch nicht vor", erklärte Polizeisprecher Rainer Koch. Der Bielefelder Staatsschutz prüft nun die Sachlage. Oberstaatsanwalt Reinhard Baumgart, Sprecher der Bielefelder Staatsanwaltschaft: "Die Verwendung verfassungsfeindlicher Symbol ist strafbar." Hier sei ja ein solches verfassungsfeindliches Symbol zerstört worden.

Wie das Geschichtsmagazin HF herausgefunden hatte, war der Grabstein nicht von der Familie bezahlt worden. Die SA war für die Aufstellung des Steins für den bei einem Verkehrsunfall getöteten SA-Standartenführers Hermann Pantföder verantwortlich. Der Nazi-Funktionär war für den Aufbau der braunen Strukturen in Herford und Minden verantwortlich.

Die Familie des Toten hatte sich geweigert, das Nazi- Symbol entfernen zu lassen. Eine rechtliche Handhabe hatte die Stadt Herford nicht. Sie wollte, nachdem die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen eingestellt hatte, die Liegezeit des Grabes über 2015 hinaus nicht mehr verlängern und hatte eine Hinweistafel zur Geschichte des Grabes in der unmittelbaren Nähe geplant.

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
@ AlBundy, Artikel1 und weitere:

Ja, der Artikel 1 ist unveränderbar - darin sehe ich auch die Säulen unserer humanistischen Demokratie!

Auch ich erachte es als wichtig, die Geschichte nicht zu vergessen oder zu verdrängen!

Aber: Eine Differenzierung tut not - und sie findet allgemein auch statt!
NAZIs standen (und stehen!) für eine Weltanschauung die Menschen nach Herkunft und Religionszugehörigkeit klassifiziert(e) - diese als "Minderwertig" einstuft(e) und ausgrenzt bzw. gar bekämpfte und umbrachte!
Die RAF stand ebenfalls gegen den Staat, sie brachte Menschen um, weil sie diese für Verantwortliche des "Unrechtsstaates" hielt.
Kein Grabstein eines RAF Mitgliedes ziert heute das Symbol dieser Terrororganisation! Und wenn: Es würde untersagt, entfernt!

Es gibt in Deutschland allerorten Gedenkstätten mit historischen Belegen für die Naziherrschaft und ihre Greueltaten. Dort werden die Symbole, die Täter, das System und die Opfer an Hand von historischen Belegen erklärend gezeigt.

Als Helmut Kohl in den 1980er Jahren mit Francois Mitterand nach Bitburg fuhr um dort einen Kranz auch auf ein Ehrenmal für deutsche Soldaten zu legen, war der Aufschrei groß - denn in Bitburg lagen (und liegen) zahlreiche SS-Soldaten!
Der Aufschrei war berechtigt - denn hier wurde nicht differenziert!

Das Grab in Herford ist kein historisch wichtiger Lehrstoff - sondern lediglich das Grab eines "einfachen" Nazis. Er starb bei einem LKW-Unfall lange bevor die Massenvernichtung Andersdenkender, Homosexueller, Juden, Sinti, Roma, Behinderter, etc. losging. Geplant war sie zu dem Zeitpunkt jedoch schon lange (siehe "Mein Kampf"!). Wer 1933 bereits langjähriges Mitglied der NSDAP Kampftruppe SA gewesen ist, der hatte die Weltanschauung der NAZIs verinnerlicht - der glaubte daran!

Auch in meiner Familie gab es Nazis - und es hat Jahrzehnte gebraucht, bis ich die Wahrheit darüber erfahren habe! In meiner Familie (bzw. dem Teil, der hiervon tatsächlich betroffen war) hat jedoch nach 1945 das Umdenken begonnen - und eben auch eine Abkehr von jener Person, die "damals" Mirgeläufer war! Wäre dem nicht so: Ich würde mich schämen!

Die Familie des SA Offiziers jedoch hat bis heute keine Notwendigkeit gesehen, umzudenken, sich geistig und moralisch abzuwenden von dem menschenverachtenden Weltbild jenes Ahnen!
Man ist offenbar stolz darauf, denn das Symbol des Hakenkreuzes auf dem Grabstein war eine Ehrung des Regimes die nicht jedem zu Teil wurde!
Es zu entfernen wäre der erste Schritt gewesen, eine Hinweistafel der Zweite.
So bleibt der fade Geschmack, dass hier ein Ort der Huldigung für eben jene bestehen blieb, die bis heute die Ansichten der NS-Weltanschauung treu geblieben sind!

Und: Ich bin insgesamt ein sehr toleranter Mensch - Tolerant ggü. jeder Religion, jeder Herkunft, jeder Ansicht - sofern diese keine unlauteren Mittel verwendet die freiheitliche, demokratische und humanistische Grundordnung dieses Staates und seiner Gesellschaft zu unterwandern und zu zerstören versucht!

Ein Mitarbeiter, der derartige Ideologien öffentlich vertritt, stört m.E. den Betriebsfrieden, denn diese Ansicht eines Einzelnen kann bei allen anderen Angestellten, Kunden und Lieferanten den Eindruck erwecken, das Unternehmen toleriere oder stütze gar dessen Auffassung!

Auch Toleranz hat Grenzen! Hier sehe ich diese Grenzen überschritten!

Was mich erschreckt ist die völlige Missachtung der Grundgesetze. Wenn ich höre das der Staat nix unternimmt und ein Aktivist dann halt was unternimmt. Ja gut. Soll ich dann den Aktivisten suchen und zu klump prügeln? Weil der Staat unternimmt ja auch nix gegen seine Grabschändung. Wäre dann doch genau so erlaubt laut dieser "Logik".

Nur gut das ich mich an das Gesetz halte.

Ich verstehe die Aufregung nicht. Das war halt damals so. Vieleicht meisseln wir heute auch etwas auf die Grabsteine unserer Lieben was wir heute als selbstverständlich ansehen und was in 80 Jahren ein Unding darstellt. Erlaubt dies eine Grabschändung - wohl nicht denke ich.

@Bernd, aber wer bitte bestimmt ob der Bürger Verstand "inne" hat. Hier nimmt jemand das Recht nach "SEINEM" subjektiven Rechtsempfinden in die Hand. Ich verstehe sicherlich nicht jeden Bürger unserer Republik, aber das erlaub mir noch lange nicht Entscheidungen über/oder gegen diese Personen zu treffen. Vielleicht haben sie es noch nicht gemerkt, aber ihre Aussage verträgt sich nicht mit unserer Verfassung und schlägt eher in die Richtung der damalige Zeit. Schlimmer als ein solches Symbol ist solch ein DENKEN, und das scheinen sie hier mit solchen Aussagen Saisonfähig zu machen. Auch wenn es nicht in die rechte schiene laufen mag. Extrememismus ist und bleibt Extrememismus, ob von REchter oder Linker Seite.

@ Artikel 1: Recht haben Sie!

@Zivilcourage: (...) Soll ein Mensch denken was er möchte. Es ist sein Grundrecht! Gedanken sind frei und kein Kündigungsgrund! Und diese Familie wird Ihre Gründe haben, den Grabstein so zu lassen. Wenn einer Ihrer Mitarbeiter zu dieser Familie gehört, dann wird er entlassen? Wie geht’s weiter? Beim nächsten gefällt Ihnen die Nase nicht? Der nächste ist schwarz? Was mich erschreckt ist, dass Sie Mitarbeiter führen... Unser Staat hat es sich auf die Fahnen geschrieben, Minderheiten zu schützen! Dazu zählen Homosexuelle genauso wie "Links"- und "Rechts"denkende Mitbürger. Wir müssen mit Ihnen leben und die Meinungen akzeptieren und dürfen niemals die Wege einschlagen die, die Nazis gegangen sind. Daran soll dieser Grabstein erinnern! Sie haben nicht verstanden, dass das ein Teil unserer Geschichte ist. Mehr nicht..



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