INTERVIEW: Manfred Schürkamp, leidenschaftlicher Hanseat, kurz vor der Abreise nach Litauen
Herford. Am kommenden Samstag startet eine Herforder Delegation zu den internationalen Hansetagen vom 19. bis 22. Mai nach Kaunas in Litauen. Und im Jahr 2013 wird Herford selbst Austragungsort für das Treffen der Hansestädte. Anlass genug für Redaktionsleiterin Barbara Glosemeyer, mit Manfred Schürkamp über den "Bazillus" Hanse zu sprechen. Er ist Geschäftsführer der westfälischen Hanse mit Sitz in Herford und Mitglied des fünfköpfigen Präsidiums der internationalen Hanse.
Wie in den Vorjahren stellt Herford mit 74 Teilnehmern die größte Delegation. Außerdem fahren drei Musikgruppen mit nach Litauen - der Chor des Königin-Mathilde-Gymnasiums, das Blasorchester der Feuerwehr und der Shanty-Chor. Warum ist das Interesse der Herforder so groß?
MANFRED SCHÜRKAMP: Angefangen hat das 1996 mit den Hansetagen in Bergen (Norwegen). Als damals Norweger nach Herford kamen, um für die Veranstaltung zu werben, fragte ein Journalist, ob denn auch Bürger dort hinfahren könnten. Wir haben dann eine Bürgerbusreise angeboten und hatten innerhalb einer Woche mehr als 100 Anmeldungen. Damit hätte niemand gerechnet! Sicherlich war es am Anfang nicht die Hanse, die lockte, sondern die Möglichkeit, auf diese Weise vielleicht mal nach Bergen zu kommen. Aber als die Herforder dann in Bergen erlebt haben, was bei den Hansetagen los ist, waren sie infiziert (lacht).
Ist es nicht übertrieben, Herford als Hansestadt zu feiern? Richtige Hansestädte sind doch eher Hamburg oder Lübeck?
SCHÜRKAMP: Diese Städte, die jeder kennt, sind nur deshalb so bekannt, weil dahinter 170 Städte der Binnenhanse stehen, in denen das produziert wurde, was die berühmten Hansestädte im Mittelalter über ihre Häfen in die Welt verschifft haben. Deshalb liegt das Herz der Hanse in den Städten, die auf dem Land- oder Flussweg ihre Güter zu den Häfen transportiert haben. Die großen Hansestädte waren insofern nur Güterverteilzentren. Dass die Bedeutung der Binnenstädte unterschätzt wird, zeigt auch das Beispiel Soest. Sie war die erste Stadt im Mittelalter mit einem Stadtrecht, das so exzellent war, dass Lübeck es übernahm und als "Lübsches Stadtrecht" bekannt machte. Der Ursprung dafür aber liegt in Soest.
Sie selbst gelten als Mr. Hanse, weil Sie sich seit Jahrzehnten leidenschaftlich engagieren. Warum hat Sie der Hanse-Bazillus erfasst?SCHÜRKAMP: Unter dem Label der Hanse lässt sich Tourismus hervorragend beleben. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Wirtschaftsförderung. Diese Verbindung hat mich von Anfang an interessiert. Und die Idee der Hanse ist alles andere als veraltet. Bis 2037 sind die Austragungsorte für die internationalen Hansetage vergeben und viele Städte beantragen die Mitgliedschaft. Doch längst nicht alle können wir aufnehmen, weil man dafür den Nachweis erbringen muss, dass die Stadt im Mittelalter wirklich in der Hanse organisiert war.
Was versprechen sich die Städte von den Hanse-Aktivitäten?SCHÜRKAMP: Zum einen ist es belegt, dass das touristische Interesse an den Austragungsorten durch die Aufmerksamkeit der Medien enorm wächst. Zum anderen entstehen viele persönliche Kontakte, aber auch Schulpartnerschaften und wirtschaftlicher Austausch. Das können sich Städte dauerhaft zunutze machen.
Die Begeisterung darüber, dass Sie die internationalen Hansetage 2013 nach Herford geholt haben, scheint sich in Herford dennoch stark in Grenzen zu halten. Enttäuscht Sie das?SCHÜRKAMP: Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass man das vielleicht nicht so wichtig findet, solange man die Hansetage selbst nie erlebt hat. Und ich habe Verständnis dafür, dass ein solches Ereignis, das ja auch Geld kostet, kritisch gesehen wird in Zeiten knapper Kassen. Deshalb werden die Hansetage auch nicht aus dem städtischen Kernhaushalt finanziert.
Wieviel kostet es denn, und wer bezahlt es?SCHÜRKAMP: Ich rechne mit Kosten von etwa 500.000 Euro, die wir komplett aus Sponsorengeldern finanzieren werden. Darüber hinaus versuchen wir Kosten zu sparen, indem wir die Hansetage mit anderen Veranstaltungen kombinieren, um den technischen Aufwand so gering wie möglich zu halten. So findet zeitgleich mit den Hanse-tagen auch das Hoeker-Fest statt. Die Infrastruktur nutzen wir dann für beide Veranstaltungen. Außerdem verzichten wir auf teure Show-Events.
Mit wieviel Besuchern rechnen Sie?SCHÜRKAMP: Es wäre ein sehr guter Erfolg, wenn Delegationen aus etwa 100 Hansestädten nach Herford kämen.
Das wären grob geschätzt etwa 2.500 Hansefahrer! Wo wollen Sie die unterbringen?SCHÜRKAMP: Das ist tatsächlich ein Problem. Deshalb ist das Vorbereitungsteam aus Pro-Herford- und Stadtmitarbeitern jetzt schon damit beschäftigt, Hotelkapazitäten auch in den umliegenden Orten zu sichern. Herford allein hat diese Kapazitäten nicht.
Dazu kommen die Besucher . ..SCHÜRKAMP: Ja, wir erwarten etwa 200.000 bis 300.000 Besucher. Neben der Unterbringung der Delegationen insbesondere aus dem Ausland ist die Verkehrsinfrastruktur eine Herausforderung. Wir müssen für Delegationen, die etwas weiter entfernt untergebracht sind, Shuttle-Dienste organisieren und den Verkehr der Anreisenden steuern. All das wird vom Vorbereitungsteam geplant.
Was wünschen Sie sich für 2013?SCHÜRKAMP: Ich wünsche mir, dass die Herforder offen und unvoreingenommen auf die Hansetage in Herford blicken. Das Zusammentreffen vieler Kulturen ist einzigartig. Sie werden sehen.