Bünde. Meterhoch schlagen die Flammen in den Himmel. Die schwarze Rauchwolke ist bis Bielefeld zu sehen. Ein Großbrand hat die Lagerhalle des Recyclingunternehmens Drekopf an der Engerstraße in Bünde-Hüffen (Kreis Herford) völlig zerstört. Bis in die Nacht hinein hat das Feuer die ostwestfälischen Wehren in Atem gehalten. Ein Mitarbeiter wurde mit Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Ursache ist vermutlich ein technischer Defekt in einer Papierpresse.
Als die Sirenen am Mittag alle verfügbaren Feuerwehrkräfte an die Engerstraße rufen, färbt eine mehrere hundert Meter hohe Rauchsäule den Himmel pechschwarz. "Wir haben das schon kilometerweit vorher gesehen", wird ein Feuerwehrmann am Nachmittag berichten. Die Brandmeldeanlage des Recyclingunternehmens hatte das Feuer bemerkt und gegen 13.30 Uhr Alarm ausgelöst. Minuten später biegen die ersten Retter mit ihren Einsatzfahrzeugen auf das Firmengelände. Ihnen schlagen meterhohe Stichflammen entgegen. "Wir standen vor einer Wand aus Feuer", sagt ein Brandbekämpfer. Dichte Rauchwolken wabern indessen Richtung Bünder Innenstadt, beißender Geruch nach verbranntem Papier und Kunststoff hängt in der Luft, kriecht in Lungen und legt sich auf Bronchien.
In sicherer Entfernung sammeln sich die Einheiten. Trotz schweren Atemschutzgeräten trauen sich die Feuerwehrleute nur vorsichtig an den Brandherd heran. Gasflaschen und Heizöltanks drohen zu explodieren. Immer wieder knallt es bedenklich, und zu dem Zeitpunkt weiß keiner genau, mit welchen gefährlichen Stoffen sie es eigentlich zu tun haben. Polizisten sperren den Brandort weiträumig ab, verdrängen Schaulustige und fordern Anwohner per Lautsprecher- und Radiodurchsagen dazu auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Erst am Nachmittag können Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer und Ordnungsdezernent Norbert Burmann Entwarnung geben: Messungen hätten ergeben, dass durch die Rauchkonzentration keine akute Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung bestehe, sagen sie bei einer Pressekonferenz. Im Hintergrund wartet Bürgermeister Wolfgang Koch, um sich mit der Feuerwehrspitze zu beraten.
Probleme bereitet den Einsatzkräften ein aufziehender Sturm mit Böen von bis zu 100 Kilometern in der Stunde. "Dadurch wird das Feuer richtig angefacht", schildert Hackländer die Problematik. Eine weitere Schwierigkeit sei die Löschwasserversorgung, so Klaus Wöhler. Die Reserven in dem 400 Kubikmeter fassenden Löschteich neigen sich zusehends dem Ende. Um eine stabile Versorgung sicherzustellen und Engpässen vorzubeugen, habe man Löschfahrzeuge von Wehren aus Bad Oeynhausen, Bad Salzuflen, Bielefeld sowie aus dem gesamten Kreis Herford angefordert und zudem das Leitungssystem der Nachbarkommune Enger angezapft, sagt der Pressesprecher des Kreises Herford. Von "Feuer unter Kontrolle" wollte Wöhler am Nachmittag noch nicht sprechen. "Bis die letzten Flammen gelöscht sind, wird es tiefe Nacht sein", so seine Prophezeiung. Immer wieder auflodernde Glutnester in den Altpapierballen halten die Einsatzkräfte in Atem. Altpapier und Textilreste bieten den Flammen reichlich Nahrung.