Bielefeld/Herford. Die Dornberger Schützen, mit 420 Mitgliedern einer der größten Vereine im Schützenkreis Bielefeld, fühlen sich um ihr Vermögen geprellt. In der Mitgliederversammlung am Freitagabend teilte der stellvertretende Vorsitzende, Norbert Vehmeier, den schockierten Schützen mit, der bisherige Vorsitzende des Vereins habe alle Gelder von den Vereinskonten und -depots veruntreut.
Krisenerfahrene Dornberger
Die Dornberger Schützen, als Verein 1953 gegründet, haben Erfahrung bei der Krisenbewältigung. Ende 2007 spaltete sich ein Teil des früheren Vorstandes nach einem Streit mit dem Restverein von den Dornberger Schützen ab und gründete die Freien Schützen Dornberg. Damals übernahm der jetzt geschasste Vorsitzende den Vorsitz des Alt-Vereins
Die Folgen des damaligen Dornberger Schützenstreits hatte der Alt-Verein gerade einigermaßen überstanden. Im vergangenen Jahr konnten die Dornberger Schützen sogar wieder 11 neue Mitglieder begrüßen. Nun sei man optimistisch, auch die neue Krise, verursacht durch den Verlust des Vereinsvermögens, möglichst schnell zu überwinden. Eine wichtige Rolle wird dabei sicher der neue Kassenwart übernehmen, Armin Michalsky, ein altgedienter Dornberger Schütze. Er war von 1997 bis 2007 bereits Vorsitzender. (los)
Der Vorsitzende, Geschäftsführer einer Herforder Firma und seit 1987 Mitglied der Schützen und seit 2008 an der Spitze des Vereins, wurde mit sofortiger Wirkung seines Amtes enthoben. Rechtsanwalt Eckhard Diekmeyer, der Mitglied bei den Dornberger Schützen ist, vertritt nun die Interessen des Vereins, der eine Strafanzeige gegen seinen bisherigen Vorsitzenden nicht ausschließen will.
Als Kassenwartin Birgit Jäger im vergangenen Jahr, wohl auch entnervt wegen ständiger Kritik des Vorsitzenden, ihren Posten abgab, übernahm der Vereinschef dieses Amt mit. Schon vor drei Monaten hätte die turnusmäßige Mitgliederversammlung stattfinden sollen, sie musste jedoch verschoben werden, weil der Vorsitzende den Kassenprüfern wegen angeblicher Arbeitsüberlastung nicht alle Unterlagen vorlegen konnte. Der Verdacht, dass mit der Kasse etwas nicht stimmte, verdichtete sich, und in der vergangenen Woche sei dann ans Tageslicht gekommen, dass die Vereinskonten vom Vorsitzenden komplett geräumt worden seien. Nach NW-Informationen geht es um mindestens 28.000 Euro.
Tiefer Fall | FOTO: BARBARA FRANKE
Der bisherige Vorsitzende selbst sprach gestern von einem Super-GAU für ihn. "Die Dornberger Schützen haben mir immer viel bedeutet", sagte er im Gespräch mit der NW. Er habe – auf seinen Namen – ein neues Konto bei einer anderen Bank eröffnet, um dort das Geld der Schützen zinsgünstiger anzulegen. Im Zuge eines privaten Rechtsstreits mit dem Finanzamt – der 60-Jährige ist Geschäftsführer einer Immobilienfirma in Herford – habe die Finanzbehörde ihm alle seine Konten gepfändet, also auch das mit dem Vermögen des Dornberger Schützenvereins, weil er dieses Konto auch "hin und wieder" für eigene geschäftliche Zwecke genutzt habe. Einen Teil des beschlagnahmten Geldes, 6.000 Euro, werde er den Schützen aber in den nächsten Tagen zurückzahlen.
Für die Dornberger Schützen dagegen sind die Erklärungen ihres bisherigen Vorsitzenden nur noch ein "Lügengebäude". Inzwischen hat der 60-Jährige den Schaden in einer Erklärung schriftlich anerkannt, berichtet die Pressewartin des Vereins, Angelika Jäger. Das für den August vorgesehene Schützenfest musste der Verein absagen – mangels Geld in der Kasse. Dagegen werde das Kinder- und Jugendschützenfest wie vorgesehen am 2. Juli stattfinden. Jäger: "Es ist ein Ruck durch den Verein gegangen. Wir sind zusammengerückt und werden die Krise bewältigen." Im Oktober soll ein neuer Vorsitzender gewählt werden.
@Franzl: Tja, wenn Sie meinen, dass solche Vereine "überflüssig" sind.. Dann ist Ihre Meinung und Ihr Hobby auch überflüssig (falls Sie überhaupt eines haben). Wo steht es geschrieben, dass solche Vereine überflüssig sind?? Dann wäre Fußball auch Unsinn und Überfluss. (...). Und dass solche Vereine kein Sport sind: ich gehe anhand Ihres Kommentars stark davon aus, dass Sie noch nie eine Pistole/Gewehr länger als 5 Minuten freistehend in der Luft gehalten haben? Richtig? Untrainierte Leute verspüren sehr wohl etwas in den Armen und in den Schultern! Dazu noch ein scharfes Auge und eine kontrollierte Atmung. Aber naja, wenn man Sport nur damit definiert, dass man gefälligst schwitzen soll? Eine etwas unkonditionelle Denkweise.. Und noch etwas: es gibt auch Unterschiede innerhalb dieses Hobbys. Es gibt Schützenvereine, die regelmäßig Schützenfeste organisieren und Vereine, die regelmäßig (auch international) auf Wettkämpfen unterwegs sind. Sobald ein Hobby Wettkämpfe veranstaltet, ist es doch als Sport anerkannt. Es sind eingetragene Vereine.