Löhne. Was mit einer Pressemitteilung begann, ist zu einem handfesten Skandal geworden: Die Teilnahme von Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht am Literaturfest "Poetische Quellen" sorgt für mächtig Ärger. Nachdem der Fraktionschef der Kreis-FDP, Stephen Paul, die Einladung der Vize-Parteichefin kritisiert hatte, geht Löhnes CDU-Chef Dr. Tim Ostermann noch weiter. Er fordert, Wagenknecht wieder auszuladen.
Umstritten ist Sahra Wagenknecht (42) auch und vor allem wegen ihrer Thesen zum Stalinismus und zur DDR. Sie gilt als Wortführerin der kommunistischen Plattform innerhalb der Linken.
Eingeladen aber hat sie Organisator Michael Scholz, wie er sagt, "nicht als Politikerin, sondern als Autorin des Buches 'Freiheit statt Kapitalismus'". Und als solche passe sie gut zum Thema des Sonntagsgesprächs "Die Notwendigkeit von Freiheit und Würde im 21. Jahrhundert".
"Ausgerechnet zum Thema Freiheit soll sie reden?"
Das sieht Tim Ostermann ganz anders. Er ist verärgert über die Einladung und sagt: "Ausgerechnet zum Thema Freiheit soll sie reden? Da könnten wir ja auch einen NPD-Politiker über Integration sprechen lassen." Ostermann verweist darauf, dass die kommunistische Plattform in zwölf Bundesländern vom Verfassungsschutz observiert werde. Wagenknecht sei linksextrem und verfassungsfeindlich und dürfe kein Podium für ihre Thesen bekommen. Die Konsequenz seiner Kritik formuliert der CDU-Fraktionschef als Aufforderung an Norbert Steinmeier, Geschäftsführer der Aqua Magica GmbH: "Laden Sie Frau Wagenknecht wieder aus." Norbert Steinmeier will das aber "auf keinen Fall tun. Wir haben uns doch etwas dabei gedacht sie einzuladen".
FDP-Politiker Paul hatte kritisiert, dass Wagenknecht in der Gesprächsrunde die einzige Politikerin sei. Dazu Michael Scholz: "Es gibt doch auch Gegenpositionen in der Runde." Die amerikanische Philosophin Susan Neiman und der Medienwissenschaftler Norbert Bolz stünden für ganz andere Thesen und wüssten diese auch zu vertreten.
Doch Sahra Wagenknechts Besuch stößt nicht nur auf Kritik. So kontert Rainer Müller-Held von den Grünen in Bad Oeynhausen die Vorwürfe so: "Es soll ein wichtiges Thema kontrovers diskutiert werden und zwar von kritischen Denkern." Man könne über manche Äußerung der Politikerin den Kopf schütteln, aber "sie auszuladen ginge viel zu weit". Es gelte Toleranz walten zu lassen.
Wagenknecht reagiert auf NPD-Vergleich
Bad Oeynhausens Bürgermeister Klaus Mueller-Zahlmann erklärte, er sei sich mit seinem Löhner Amtskollegen einig, dass man sich nicht ins operative Geschäft der Geschäftsführung der Aqua Magica einmische. Davon abgesehen, könne er "es aushalten, in einer Demokratie auch Menschen zu Wort kommen zu lassen, die von einigen kritisch betrachtet werden".
Eine Sichtweise, die Michael Scholz teilt: "Streit gehört zur Demokratie, davon lebt sie." Es herrsche Meinungsfreiheit, sagt er und findet all die Aufregung "völlig unverständlich". In einem Punkt warnt der Organisator übereifrige Kritiker: "Jegliche Unmutsäußerung während des Gesprächs am Sonntag ist nicht hinnehmbar." Wer etwas zu sagen habe, solle dies in der abschließenden Diskussion tun.
Eine solche fordert Tim Ostermann für die nächste Gesellschafterversammlung der Aqua Magica GmbH: "Wie konnte es zu dieser Einladung kommen?", will er wissen.
Die Reaktion von Sahra Wagenknecht zum NPD-Vergleich lesen Sie unter unten stehendem Link.
Der CDU Löhne scheint es schlecht zu gehen, das sie sich so verzweifelt in den Gräben des Kalten Krieges festkrallt.
Mit einer ehemaligen in Moskau geschulten FDJ Funktionärin für Agitation und Propaganda als Kanzlerin und die Millionen der DDR CDU einkassiertt, sieht das besonders komisch aus. Aber vielleicht hat sich das bis in die Hinterzimmer der Löhner CDU noch nicht herumgesprochen.
Man bekommt richtig Mitleid, was muss dieser Ostermannn leiden, wenn er seine Ratskollegen von der Linken Löhne im Rat und im Ausschuss trifft.
Vielleicht sollte er sich von einem parteibefreundeten Arzt einer Desensibilisierungsbehandlung unterziehen lassen. Dann muss, wenn die von ihm zu einer echten Größe gepushte Frau Wagenknecht konsequenterweise im nächsten Wahlkampf in Löhne wieder auftaucht - dank Herrn Paul und Ostermann - er keinen allergischen Schock mehr befürchten.
Bünde blamiert sich bundesweit mit einem Barfußverbot für Schüler und Löhne mit dem Ausgrenzungsversuch für Wagenknecht.
Schon im nahen Bielefeld sorgen so die Kleingeister aus dem Kreis Herford für wahre Lachsalven.