Spenge. Im Kino war Lennart noch nie. Und auch das Fernsehen reizt den hochbegabten Achtjährigen wenig. "Nur wenn Quizsendungen laufen", sagt seine Mutter Tanja Hänsel. Jetzt jedoch steht der Grundschüler aus Spenge selbst vor der Kamera. Für den neuen Film von Detlev Buck.
"Die Vermessung der Welt" heißt der Historienstreifen, den der Regisseur derzeit nach dem Bestseller von Daniel Kehlmann verfilmt. Darin geht es um die fiktive Doppelbiografie des Mathematikers Carl Friedrich Gauß (1777 - 1855) und des Naturforschers Alexander von Humboldt (1769 - 1859).
Lennarts Part ist ein Teil der Hauptrolle: Der Achtjährige spielt Gauss in dessen Kindheit. Die erste Klappe ist für den Spenger in der vergangenen Woche gefallen. "Das ist schon aufregend", sagt er.
Bei Kerner auf Sat1
An die Rolle ist der Achtjährige eher zufällig gekommen: Vor einigen Monaten war er Gast in der Sat1-Sendung "Kerner", in der es um hochbegabte Kinder ging. "Dadurch ist Detlev Buck auf Lennart aufmerksam geworden", berichtet sein Vater Gisbert Hänsel.
Es folgte eine Einladung zum Casting nach Berlin. Tanja und Gisbert Hänsel waren zunächst jedoch skeptisch. "Von uns aus hätten wir Lennart nie bei einem solchen Casting angemeldet", sagt seine Mutter. "Das war für uns eine völlig fremde Welt, und außerdem konnten wir uns unseren Sohn überhaupt nicht als Schauspieler vorstellen."
Dennoch entschieden sie sich, nach Berlin zu fahren. "Wir hatten von verschiedenen Seiten erfahren, dass es Detlev Buck gut versteht, mit Kindern zu arbeiten", sagt sein Vater. "Und es war auch Lennarts großer Wunsch."
"Ich musste die Gaußsche Summenformel erklären"
In Berlin wurde der Viertklässler Ende Mai eineinhalb Stunden lang gecastet. "Ich musste eine Szene aus dem Film spielen und die Gaußsche Summenformel erklären", berichtet Lennart.
Für den Hochbegabten eine leichte Aufgabe. "Ich glaube, ich habe das ganz locker gemacht."
Von vornherein gebucht war Lennart jedoch nicht für die Rolle: "Es wurden mehrere Kinder gecastet", sagt Wenka von Mikulicz von der Produktionsfirma Boje Buck. Ihr Team jedoch wollte den jungen Spenger und keinen anderen für die Rolle: "Lennart hatte eine besondere Ausstrahlung und eine Entschlossenheit, die wir spannend fanden", sagt sie.
"Erstaunlich und auch ein bisschen erschreckend"
Und der Achtjährige hat sogar einiges gemein mit dem jungen Gauß: So soll der Mathematiker schon mit drei Jahren die Lohnabrechnung seines Vaters korrigiert haben. Lennarts Vater kommt das ziemlich vertraut vor: "Im gleichen Alter hat mir Lennart bei der Steuererklärung geholfen."
Es sei "erstaunlich und auch ein bisschen erschreckend", wie viele Parallelen es zwischen den beiden gebe, sagt auch Lennarts Mutter.
Mittlerweile stehen die Eltern hinter den Schauspiel-Ambitionen ihres Sohnes - nicht zuletzt, weil sie auch die Grundschule darin bestärkt habe.
Schon die erste Kostümprobe in Berlin war ein Abenteuer für den Viertklässler. "Dabei musste ich zehn Jacken übereinander anziehen - und Holzschuhe, aus denen ich immer rausgerutscht bin", berichtet Lennart und lacht.
"Der kleine Gauß trug ja keine modische Frisur"
Seine Mutter erklärt, was es mit der Schichtkleidung auf sich hat: Gauß sei im ärmsten Stadtviertel von Braunschweig aufgewachsen. "Und die Winter waren kalt damals, da musste man viele Schichten übereinander tragen."
Um sich auf seine Rolle vorzubereiten, hat Lennart alles über den berühmten Mathematiker zusammengetragen, was er im Internet finden konnte. Außerdem musste er einiges an Text lernen. "Aber das fällt mir eigentlich relativ leicht", sagt Lennart. Auch vor den Kameras habe er keine Scheu. "Die vergesse ich einfach", sagt er und grinst verschmitzt.
Auf eines freut sich Lennart jedoch besonders: in der nächsten Zeit keine lästigen Friseurtermine zu haben. "Denn der kleine Gauß trug ja keine modische Frisur."