Herford. Weich, kühl, ein bisschen feucht - neugierig schnuppert das Näschen an der Hand. Es gehört Giotto, einem gut sechs Wochen alten Jungigel. Er lebt bei Andrea, Herforder Igel-Fachfrau, und ist eine Ausnahme. "Die meisten Igel kommen auch jetzt noch allein zurecht", sagt Andrea.
Zwar halten Igel fast ein halbes Jahr Winterschlaf, aber im Bett müssen sie zur Zeit noch nicht sein. "Es kommt auf das Wetter an, nur bei andauernder Kälte und starkem Bodenfrost sollten alle Igel winterschlafen." Zuerst legen sich die Igelmännchen hin, die Weibchen bleiben etwas länger auf.
Und die Jungigel wollen natürlich möglichst lange wachbleiben, durchaus bis Mitte November. Allerdings weniger aus Aufsässigkeit, vielmehr müssen sie noch Fett ansetzen. "Damit ein Igel den Winterschlaf überlebt, muss er wenigstens 500 Gramm wiegen", sagt Andrea. Darum sind die nachtaktiven Tiere momentan auch tagsüber schwer beschäftigt. "Sie futtern so viel wie möglich."
Obst, Nüsse oder Rosinen
Und brauchen in der Regel keine menschliche Hilfe. Wobei sie ein bisschen Unterstützung in Futterform nicht verschmähen. "Am liebsten mögen sie Feuchtfutter für Katzen", hat Andrea beobachtet. Aber auch fauliges Obst, Nüsse oder Rosinen kommen an. Dann ist das Schlafgewicht bald erreicht. Fehlt noch das Bett.
Es ist ein Nest, das sich der Igel gern selbst baut, zum Beispiel in Laubhaufen. "Der Garten sollte nicht zu aufgeräumt sein, damit Igel noch genügend Nistmaterial und Unterschlüpfe finden." Futter und wohldosierte Unordnung im Garten - mehr braucht der fitte Igel nicht.
Anders sieht es bei kranken oder verletzten Tieren aus. Sie erkennt man am Verhalten, sagt Andrea. "Sie sind apathisch, rollen sich zum Beispiel nicht zusammen." Dann ist Eingreifen erlaubt. Als erstes ist Wärme angesagt, beispielsweise auf einer isolierten Wärmflasche oder in einem Karton auf der Heizung. Als nächstes ist der Tierarzt gefragt.
Unterschlupf im Garten
Gleiches gilt für zu junge Igel. Noch im September können Igelmütter werfen, nach vier Wochen sind die Kleinen höchstens 180 Gramm schwer und selbständig. Viel Futter-Zeit bis zum Wintereinbruch bleibt ihnen nicht. Ob sie ihr Schlafgewicht erreicht haben? "Einfach wiegen, um zu entscheiden, ob der Igel Hilfe über den Winter braucht", sagt die Expertin. Und die kann der Finder durchaus selbst leisten. "Einen Igel schafft man."
Damit der stachelige Mitbewohner einziehen kann, braucht es am besten einen Unterschlupf im Garten - ein Freigehege mit Laub und Schlafhäuschen oder einen Kleintierstall, gut isoliert etwa mit Zeitungen gegen Wind und Wetter. Die Unterbringung im Haus empfiehlt Andrea nicht. Zum einen ist es oft selbst im Keller zu warm für die Tiere, zum anderen "stinken sie. Es sind kleine Schweinchen", sagt Andrea und lacht.
Je nach Gewicht ist das Schlafbedürfnis der Gäste mehr oder weniger ausgeprägt. "Die dicken schlafen durch." Den Leichtgewichten fehlt die nötige Bettschwere, sie schlummern nur drei oder vier Tage am Stück, dann werden sie wieder wach und haben Hunger. Sie müssen den gesamten Winter hindurch gefüttert werden.
"Sie sind Langschläfer"
Wann der vorbei ist, entscheiden die Igel. "Sie sind Langschläfer", sagt Andrea. Bis weit in den April hinein schlafen die Tiere, erst wenn es anhaltend mild und genügend Nahrung sicher ist, wachen sie auf. Und dann heißt es Abschied nehmen, die Igel müssen zurück in die Natur. "Es sind schließlich Wildtiere." Aber je nach Charakter vergessen sie ihre Gastgeber nicht und schauen hin und wieder vorbei.