Herford. Vielen schmeckt das Bier in der Stammkneipe am besten, wenn sich dazu die ein oder andere Zigarette gesellt. Doch damit könnte nach dem Willen der Landesregierung bald Schluss sein: In NRW soll ab September totales Rauchverbot in Gaststätten gelten. Einige Gastronomen schauen mit Sorge auf die mögliche Gesetzesverschärfung.
Andreas Müller, Vorsitzender des Herforder Wirtevereins, ist aufgebracht: "Natürlich sind wir dagegen. Wer geht dann noch in die kleinen Kneipen?"
Eine Einschätzung, die möglicherweise berechtigt ist: "Entweder ich stelle Tische raus oder ich mache dicht. Andere Alternativen habe ich dann nicht", sagt Verena Kuznia, Inhaberin der Kneipe "Töff Töff". Ihre Gaststätte ist ein typisches Beispiel für jene Eckkneipen, die der Vorstoß der rot-grünen Landesregierung besonders hart treffen würde. Etwa 80 Prozent der "Töff-Töff"-Gäste sind Raucher. "Und selbst die, die nicht rauchen, stört es nicht", sagt einer dieser Gäste.
Massensterben
Zuhause trinken tötet den Gastwirt" heißt ein Kneiper-Sprichwort. In den eigenen vier Wänden schreibt einem auch niemand vor, ob zum Bier eine geraucht werden darf. Bis jetzt ging es mit dem halben Verbot ganz gut: Einige qualmfreie Kneipen bekamen neue Gäste, die Raucher fanden auch ihr Refugium. Mit der Totalsperre erreicht man indes nur eins: gern rauchende Kneipengänger werden zu sprichwörtlichen Massenmördern.
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Momentan gilt NRW-weit eine Zwischenlösung mit vielen Variablen: Größe der Räume, Möglichkeiten für abgetrennte Raucherbereiche, Speisenangebot. Viele Gastwirte haben sich mit dieser Situation arrangiert. So auch Ralf Spiekermann, Inhaber des "Nil". Dort fungiert der Wintergarten als abgetrennter Raucherbereich von etwa 80 Quadratmetern. Sollte das Totalverbot kommen, bleibt er entspannt: "Dann mache ich die Glastüren auf, entferne zwei Schilder und fertig."
Seit der Einführung der ersten Stufe des Rauchverbots im Jahr 2008 haben sich laut Spiekermann vor allem die Gäste geändert: "Sie sind sehr diszipliniert. Sie gehen einfach zum Rauchen hinaus. Ich hatte deshalb keine Einbußen. Doch bei kleineren Betrieben sehe ich ein größeres Problem: Mit den Rauchern geht auch die Geselligkeit." Wirte-Vorsitzender Müller fragt sich indes: "Warum werden Gastronomen von der Politik Steine in den Weg gelegt?"
Von amtlicher Seite wird das Verbot jedoch begrüßt: "Die ganzen Ausnahmeregelungen haben uns die Arbeit schon schwer gemacht. Es kamen ständig Nachfragen", sagt Ordnungsamtsleiter Lothar Sobek. Die neue Regelung schaffe Klarheit. Persönlich sieht Sobek das Gesetz eher zweischneidig: "Ich bin toleranter Nichtraucher. Wenn ich schick essen gehe, dann will ich auch keinen neben mir haben, der meinen Teller vollqualmt. Aber in der Kneipe um die Ecke gehört der Qualm doch irgendwie dazu."