Herford. Blond, braune Augen, markante Nase. Silke Steinkamp findet sich "nicht hässlich", aber sie will mehr aus sich "heraus holen" - ein Fall für Tiziana Assmann und den Friseur Markus Krafft.
Für ihren Körper tut die 43-Jährige regelmäßig was im Fit 4U-Studio am Gänsemarkt. Dort trainiert auch die Imageberaterin Tiziana Assmann. Die hält Silke für einen zurückhaltenden Typ, der sich seiner Schönheit nicht bewusst sei. "Der Pony verhängt ihre Augen." Nun soll das Gesicht geliftet werden - ohne Skalpell, sondern mit Farbe, Geschick und Geschmack.
Nach einer Aufwärmrunde auf dem Stepper im Fitness-Studio geht’s wenige Schritte weiter in den Salon von Markus Krafft. Der Coiffeur ist selbst ein Styling-Vorbild: Schwarz gewandet, dezent gebräunt und jedes Haar liegt, wie es soll.
Bei Silke nicht. Zu lang, zu grau, zu bieder.Warum sieht die so aus, wie sie aussieht, fragt er sich und setzt die Schere an: Zwölf Zentimeter ab und dann die Gestaltungsschnitte, bis der "Bob" fransig gestuft fällt. Wieder und wieder durchwühlt der Meister ihren Schopf, und das Haar umschmiegt ihr Gesicht in frischer Lockerheit. "Das soll es auch, wenn sie morgens aus dem Bett steigt", sagt der Haarkünstler.
Fertig? Noch lange nicht. Das Mausgrau soll Leuchtkraft kriegen. Strähne um Strähne packt er in "Color-Wraps".Das sind Folien aus Pergamentpapier, mit Farbe bestrichen. Schließlich kleben 40 umgeklappte Folien im Haar, und es sieht grotesk-künstlich aus wie eine Barock-Perücke. Silke bleibt zuversichtlich, auch als ihr die Folien die Augen verhängen. Das Ergebnis der insgesamt zweistündigen Prozedur heißt "Farbverlauf, der ineinander über geht". Noch etwas Farbe für Wimpern und Augenbrauen, und Silke ist eine andere - oder gerade sie selbst.
Zum Finale geht’s in einer modernen Penthouse-Wohnung auf den Cat Walk. Die Image-Beraterin hat Kleidungsensembles in drei Variationen zusammen gestellt, und nun schreitet Silke über den Marmorboden. Zum hummerfarbenen Pullover kontrastieren Accessoires in Türkis. Die bunte Blumenbluse leuchtet zusammen mit einem grünen Pulli. Silkes Favorit ist der cognacfarbene Mantel mit Schuhen in der selben Farbe. Der Loop ist ein Schal ohne Anfang und Ende. Er wird zwei-, dreimal um den Hals geschlungen. "Weg vom Schwarz, Mut zur Farbe" war die Devise.
Silkes Augen leuchten, auch weil Tiziana sie indigo-blau umrandet hat. Die umrandeten Lippen sind gloss-glänzend.
"Sie war veränderungswillig", fasst die Fachfrau zusammen. Allein die um zwölf Zentimeter kürzeren Haare waren ein mutiger Schnitt und Schritt. Und die Schuhe mit Absatz haben sie in jeder Beziehung größer gemacht.
Silke sieht das auch so. "Ich habe erfahren, was frau aus sich machen kann und fühle mich noch ein bisschen selbstbewusster."
Jetzt geht sie ins Wochenende: "Zeit für Komplimente", sagt sie lächelnd. Im Herausgehen fällt ihr Blick auf ein Bild. In roter Schrift steht: "Alles ist möglich".