Die Eigentümer des Wohn- und Geschäftshauses haben Pläne - und sehen den Denkmalschutz als Hindernis
Herford (hab). In die Planungen für das Haus Lübberstraße 29 am Neustädter Rathaus kommt Bewegung. Die Eigentümerin, die Münter GbR, will das Wohn- und Geschäftshaus eventuell verkaufen; es gibt mehrere Interessenten und Ideen. Doch der Denkmalschutz droht zum Hindernis zu werden.
Wenn es nach den Eigentümern geht, könnte der Verkauf schon bald über die Bühne gehen. "Wir sind im Gespräch mit den Behörden. Ein Wertgutachten liegt bereits vor", berichtet deren Sprecherin Heidrun Münter. Doch die Hausfassade ist seit den 90er-Jahren als "denkmalwürdig" eingestuft.
"Das schreckt Viele ab. Manche Pläne sind deswegen von vornherein zum Scheitern verurteilt", stellt Münter fest.
Bereits im Sommer hatte es einen Ortstermin mit Eigentümern und Denkmalbehörden gegeben. Doch die Denkmalschützer sehen keinen Grund, ihre Meinung zu ändern. "Es sind ja trotzdem Veränderungen möglich", so Baudezernent Dr. Peter Maria Böhm.
Die Familie Münter gibt sich damit nicht zufrieden. "Die Geschichte anderer, zum Teil komplett verschwundener Baudenkmäler in Herford zeigt, dass solche Unterschutzstellung wieder rückgängig gemacht werden kann", hält sie dagegen. "Dadurch würden sich für das Haus Lübberstraße 29 und auch für das Stadtbild ganz andere Planungsmöglichkeiten eröffnen."
Tatsächlich befindet man sich in der Lübberstraße 29 an historisch bedeutsamer Stätte. Dem jetzigen Haus sieht man das allerdings nicht an. Im Mittelalter befand sich hier ein Hospiz für Jakobspilger - aus dieser Zeit stammen zwei Statuen, die im Museumsdepot aufbewahrt werden.
Später wirkten Hoeker, Fuhrunternehmer, verschiedene Geschäfte, eine Schmiede und ein Blechdosenfabrikant. Um 1890 stand hier noch ein großer alter Fachwerkbau mit drei Stockwerken, 25 Zimmern, Scheune, großen Böden und einem Hof.
Doch all diese Gebäude gibt es nicht mehr. Das jetzige Objekt ist ein Produkt des frühen 20. Jahrhunderts. Es steht seit fast zwei Jahrzehnten weithin leer. Am Balkon der 2. Etage bröckelt der Putz. Sanierung und neue Nutzung würden dem Gebäude gut tun. Doch dafür müssten die Beteiligten aufeinander zu gehen. Die Eigentümer sind dazu bereit: "Wir stehen für Gespräche und Kooperation zur Verfügung", sagt Heidrun Münter.