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09.02.2012
HERFORD
Wenn Legehennen ein Licht aufgeht
Minusgrade und Tiere in Herford: Vor allem heimisches Wild hat derzeit Probleme
VON JOBST LÜDEKING

Rotlicht

Herford. Nasenbär "Rocky" reckt sich, gähnt und riecht an der Hand von Bio-Lehrer Frank Böhme. Erdmännchen "Suri" überwacht bei minus zehn Grad und Schneegriesel die Szenerie im Schulzoo der Hauptschule Meierfeld, darunter sitzen die Bürstenschwanzkängurus in ihrem per Wärmeplatte geheizten Versteck. Die Heimatkontinente der Exoten sind Süd- und Mittelamerika, Afrika sowie Australien. Mit der Kälte haben sie keine Probleme. Andererseits gibt es heimische Vierbeiner, für die bei den extremen Minusgraden nicht alles glatt läuft.

"Igel, die derzeit von Hunden aufgestöbert werden und aus dem Winterschlaf aufwachen, sollten aufgenommen werden. Die Tiere haben sonst keine Chance, durch den Winter zu kommen", erklärt Tierarzt Dr. Wolfgang Holtmann aus Herford, der neben dem Schul-Zoo die Herforder Tierpark-Bewohner veterinärmedizinisch versorgt.

Entscheidend sei bei der Unterbringung von Tieren wie Hühnern oder Kaninchen, dass sie keine Zugluft oder Wind bekommen und für sie genügend Stroh oder Heu zur Verfügung stehen, die isolierend wirken. Bei Hunden, so der Veterinärmediziner, kommt es in puncto Kälte "auf die Bewegung an", Hunde die sich bewegen können, haben kein Problem mit der Kälte. "Wer also beim Spaziergang mit einem strammen Schritt unterwegs ist, dessen Tier hat keine Probleme.Wer allerdings draußen steht und sich mit Freunden oder Bekannten lange unterhält, dessen Hund leidet", erklärt der Experte.

Kleidung sei bei denjenigen Rassen angebracht, denen die Unterwolle im Fell fehlt: dazu gehören einige Windhundrassen wie etwa der Whippet aber auch der kleine Chihuahua.
Durch die Bank könne es bei Hunden wegen der Kälte zu Probleme mit den Pfoten kommen – gerade dann, wenn auch noch Schnee und Salz hinzukommen. Die Pfoten sollten deshalb regelmäßig kontrolliert werden. "Zur Pflege der Pfoten lässt sich Vaseline einsetzen", sagt Holtmann.

Wildtiere sind dagegen auf sich gestellt: Rehe oder Fasane kommen aktuell bei ihrer Nahrungssuche weit näher an die Häuser heran. "Die Rehe waren beispielsweise bei mir im Garten und haben die Rosen abgeknabbert. Zurzeit fressen sie Brombeerblätter. Und die Fasane kommen an die Vogelhäuschen ", erklärt Kreisjagdberater Gerhard Hanke.

Der gefrorene Boden und die Pflanzen schränken die Möglichkeiten ein, Futter zu finden. "Wir stehen am Anfang einer Notzeit. Problematisch ist die Lage aber noch nicht. Vergangenes Jahr war die Situation schlimmer, weil es es eine geschlossene Schneedecke gab." Zum lebensbedrohenden Problem werden bei der Kälte aber Spaziergänger oder Hunde, die die Wildtiere in ihren Unterständen und Verstecken aufstöbern oder stören: "Die Tiere verbrauchen bei ihrer Flucht lebensnotwendige Energie, was schließlich auch zum Tod führen kann", erklärt Gerhard Hanke, der deshalb um Rücksichtnahme bittet.

Die Landwirte sind vor allem bei der Versorgung ihrer Tiere gefordert. Rinder, Bullen und Milchkühe haben in der Regel keine Probleme mit Minusgraden. Allerdings frieren bei zahlreichen Milchviehbetrieben, Mutterkuhhaltern und Bullenmästern die Tränken und Wasserleitungen ein.

Deutlich angenehmer haben es da die Insassen des Tierparks oder des Herforder Schulzoos: Entweder haben sie, wie die Hühner oder wie Erdmännchen Suri, Rotlicht-Lampen, die sie wärmen oder aber spezielle Platten, die die Temperaturen in den Bauen und Nestern konstant halten. Allein die einfrierenden Tränken und die nach Stunden hartgefrorenen Fruchtfutter-Stückchen stellen Frank Böhme und seine Helfer vor Probleme. Tränken mit Metallauslauf frieren sogar binnen Minuten ein.

Die einzigen, denen die Kälte ganz offensichtlich rein gar nichts ausmacht, sitzen aneinandergeschmiegt auf einem Ast ihres Geheges: die beiden jungen Waschbären wirken putzmunter.
Kein Wunder: In der Heimat der Tiere, in Nordamerika, wird es oft bis zu minus 40 Grad kalt. Da sind die in Herford gemessenen 20 Minusgrade fast schon ein wärmendes Lüftchen.


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