Die optimistische Grundstimmung der Kölner Möbelmesse überträgt sich auf die ostwestfälische Zuliefermesse ZOW
Bad Salzuflen/Kreis Herford. Messezeit ist Zeit für gute Nachrichten. Wer schlechte Stimmung verbreitet, ist selber Schuld. Für eine Neuigkeitenmesse wie die Möbelzuliefer-Plattform ZOW gilt das ganz besonders. Aussteller aus dem Kreis Herford sind mit guten Nachrichten und neuen Produkten vorn dabei.
Von einem Automobilzulieferer haben sich Joachim und Henrik Otto zu "Vetrotec" inspirieren lassen. Das Material sieht aus wie farbiges Glas, ist aber aus Kunststoff. Der Stoff lässt sich gut schneiden, bohren, bekanten und ist in allen Farben herstellbar - "kratzfest versiegelt und auf der Rückseite lackiert", erläutert Henrik Otto.
Vater Joachim Otto, seit 50 Jahren in der Möbelindustrie unterwegs, sagt ihm eine große Zukunft voraus. Die Otto-Vertrieb GmbH hat ihren Sitz in Herford, ist an einer Fabrik in Italien beteiligt und lässt zusätzlich bei deutschen Firmen produzieren. Sie hat im letzten Jahr rund acht Millionen Euro Umsatz gemacht.
Keine ZOW ohne Neuigkeiten aus der Möbelleuchten-Branche. Stefan Wessels Wessel GmbH (Herford) hat seine Belegschaft gerade um vier auf 23 Mitarbeiter aufgestockt und ein zweistelliges Umsatzplus auf acht Millionen Euro hingelegt.
Er zeigt neue LED-Lichtprofile aus Kunststoff und Aluminium, eine Mehrkanal-Farbsteuerung sowie einen Dimmschalter für LED- Leuchten, der durch 70 Millimeter starke Platten hindurch durch leichte Berührung schaltet und dimmt.
Einblicke in die Beleuchtungswelt von morgen vermittelt das Engeraner Unternehmen Elektra (95 Mitarbeiter, 30 Millionen Euro Umsatz). Hier beeindruckt eine Serie neuer Flächen-Leuchten. "Licht-Panel" nennen die Engeraner diese aus LEDs entwickelten Leuchtkörper, die wahlweise als Deckenlampe frei aufgehängt, unter oder auf Schrankböden oder in Nischen montiert werden können. Sie spenden warmes, gleichmäßiges Licht.
Außerdem stellt Elektra-Geschäftsführer Matthias Delius das Thema Energie-Effizienz ins Zentrum: "Unser Licht ist grün" sagt er über das neue Elektra-Label "high lights - low energy".
"Murano" nennt Horst Gottschalk von der L+S Deutschland (Rödinghausen, 15 Millionen Euro Umsatz) eine neue stabförmige Nischenbeleuchtung seines Hauses. Sie sieht von weitem aus wie ein Laserschwert aus "Krieg der Sterne" und besteht aus 200 LEDs pro Meter. Mindestens 20 Prozent Wachstum will Gottschalk, der den Beleuchtungs-Guru Eckhard Halemeier als Chef-Entwickler gewonnen hat, 2012 schaffen.
Vom besten Januar der Firmengeschichte spricht Michael Kriesten (Wetzel GmbH, Herford), der Klebstoffe für Möbelbauer liefert. "Wir sind auf einer guten Spur", sagt Michael Rupprecht vom Löhner Kunststoff-Verarbeiter Agoform.
Gut im Geschäft sieht sich auch Oliver Hunger (Hunger GmbH, Bünde, 30 Mitarbeiter), der als Leichtbau-Spezialist im letzten Jahr das Laser-Bekanten ins Programm genommen hat. Hunger: "Wir sind die einzigen, die auch die Radien der Laserkanten polieren".
In einer gläsernen Schublade auf dem Hettich-Stand sind neun schwere Glaswürfel verstaut, fast so schwer wie Gold. Sie wiegen zusammen 80 Kilo - doch die neue Arcitec-Schubladenführung sorgt trotzdem für eine leicht schwebende Bewegung. "Das System gibt es auch für 60 und 40 Kilo Maximalbelastung", erläutert Gabi Wüller. Die Kundschaft, auch wenn sie bei der Konkurrenz bestellt, schaut interessiert hin.
Nach einjähriger Pause ist die Herforder Firma Becker-Beschläge zurück im Geschäft: Michael Wortmann (37) übernimmt den international als Zinkdruckguss-Spezialisten bekannten Hersteller von Möbelgriffen aus der Insolvenz mit 100 von einst 150 Mitarbeitern; Vater Walter unterstützt ihn.
Die aufwändig beschichteten, polierten, glänzenden Zink-Griffe aus Herford-Eickum unterstreichen die Wertigkeit ihrer Möbel-Träger. Michael Wortmann, der seit 13 Jahren in der Firma ist: "Im Trend liegen in diesem Jahr streng geometrische Linien mit leicht gebogenen, schwingenden Einschlägen."