Herford. Großer Alarm an der Raststätte Herford-Süd: Gestern wurde die Feuerwehr zu einem Einsatz längs der Autobahn gerufen. Ein Gefahrguttransporter auf dem Weg nach Hamburg hatte kurz Halt gemacht, um die Ladung zu kontrollieren. Sofort rief der Fahrer die Feuerwehr, die mit ABC-Ausrüstung und starker Besatzung anrückte.
Ein kleiner Klecks hatte die Feuerwehrleute in roten Dekontaminations-Anzügen auf den Plan gerufen. Der Lkw hatte mehrere Fässer mit potentiell gefährlichen Chemikalien geladen. Eines dieser Fässer hatte offenbar ein Leck. Darum hatte der Fahrer auch sofort die Einsatzkräfte gerufen, denn welche Flüssigkeit sich da sammelte, konnte er nicht sagen.
"Er hat genau richtig gehandelt", sagte Einsatzleiter Rüdiger Dittmann von der Feuerwehr Bad Salzuflen. Zur Sicherheit wurde der Laster mit 2.000 Litern Wasser gespült. "Auch wenn es sich um eine kleine Menge handelte, konnten wir zunächst nicht einschätzen, welcher Stoff auslief", so Dittmann.
Etwa 200 Milliliter, so viel wie in ein Kölsch-Glas passt, waren ausgetreten. Nach kurzer Untersuchung stand fest: Es handelte sich um Glyoxal 40, das unter anderem für die Textilveredelung, in Desinfektionsmitteln und zur Herstellung von Sprengstoff verwendet wird. "Der Stoff ist wasserlöslich. Es besteht keine Gefahr für Menschen oder die Umwelt. Durch die Verdünnung mit der großen Menge Wasser wurde er praktisch aufgelöst", sagte der Einsatzleiter.
Auch wenn für die Menschen und für die Umwelt keine Konsequenzen folgen, wird der Fahrer sich verantworten müssen: "Ob er seine Ladung nicht ordnungsgemäß gesichert hatte, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Dies zu klären, ist Aufgabe der Polizei."
Nachdem die Feuerwehr den Wagen gespült und vorsorglich Streugut verteilt hatte, um auch restliche Flüssigkeiten zu binden, konnte die Raststätte schnell wieder freigegeben werden. Das Großaufgebot an Einsatzkräften und -materialien schien für das ungeschulte Auge übertrieben, doch hatte es für Einsatzleiter Dittmann auch einen großen Zusatznutzen: "Wir haben diesen Einsatz als Training für den Ernstfall genutzt. Meine Leute konnten den Umgang mit kontaminierten Oberflächen üben."
Außerdem sei der Aufwand als Vorsichtsmaßnahme in jedem Fall gerechtfertigt.