Herford. Andreas Kaiser steckt sich eine an. Per Knopfdruck. Sekunden später bläst er seinem Gesprächspartner weißen Dampf ins Gesicht. Aber nur, weil der wissen will, wie das riecht. Ergebnis: Ein Geruch ist kaum wahrzunehmen, mit etwas Phantasie vielleicht ein Hauch von Irish Coffee. "Das ist das Aroma, das ich gerade teste", sagt Kaiser. Der 47-Jährige möchte an der Radewiger Straße ein Geschäft für E-Zigaretten eröffnen und sorgt sich wegen negativer Berichterstattung in den Medien.
"Wenn ich Pech habe, kann ich deswegen meinen Laden nicht aufmachen", sagt Kaiser und spricht von gewissen Hürden, die man ihm zurzeit noch in den Weg stellt. Dabei war Kaiser vor einigen Tagen noch einer von vier stolzen Gewinnern des Radewiger Gründerwettbewerbs.
Die Aufregung um die E-Zigarette kann er nur sehr bedingt nachvollziehen. "Natürlich ist sie nicht wirklich gesundheitsfördernd", räumt der Herforder ein. "Aber gesünder als eine herkömmliche Zigarette ist sie mit Sicherheit." Und seine potentielle Klientel seien natürlich nicht Menschen, die mit dem Rauchen beginnen wollen, sondern solche, die es sich abgewöhnen wollen oder nach einer gesünderen und preiswerteren Alternative suchen.
Konsum reduziert
Kaiser selbst hat den Glimmstängel-Ersatz während einer Weiterbildung kennengelernt. "Ein Mitschüler hatte so ein Ding", erzählt der Familienvater. "Als Raucher war mein Interesse geweckt - erstens wollte ich wissen, wie’s funktioniert, zweitens wollte ich mir das Rauchen abgewöhnen." Der Plan ging auf: Hatte er vorher noch eine Schachtel täglich gequalmt, habe sich sein Konsum mittlerweile auf zwei bis drei Zigaretten am Tag reduziert. Den Rest an Nikotin-Bedarf hole er sich, indem er stündlich zwei- bis dreimal an seiner E-Zigarette zieht.
Kaiser holt das Etui mit seiner "Zukunfts-Zigarette" hervor: Zwei Zigaretten, Ersatz-Mundstücke und ein Fläschchen mit dem Liquid, jenem Stoff, der zurzeit für Diskussionen sorgt. "Natürlich weiß man wenig über die Langzeitwirkung", sagt Kaiser. "Aber wenn man alles verbieten würde, dessen Langzeitwirkung nicht erforscht ist, müsste man ja so Einiges verbieten. Das Liquid setzt sich aus der Basisflüssigkeit, dem jeweiligen Aromastoff und Nikotin zusammen", erklärt Kaiser weiter. "Die Flüssigkeit ist entweder Propylenglykol oder Glycerin, beides Alkohole, die als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen sind - genau wie die Aromastoffe." Der Nikotin-Gehalt entspreche mit maximal 20 Milligramm pro Milliliter dem einer normalen Zigarette.
"In der unteren Hälfte befindet sich der Akku, in der oberen das Heizelement, das die Flüssigkeit im Mundstück erhitzt", erklärt Kaiser die Funktionsweise seiner Hightech-Rauchware und drückt wieder auf den Knopf in der Mitte der Zigarette.
Von "Rauchen" kann übrigens nicht die Rede sein - aus Zigarette und Mund quillt 90-prozentiger, fast geruchsneutraler Wasserdampf. "Untersuchungen haben ergeben, dass Passivrauchen hiermit ausgeschlossen ist", führt Kaiser ein weiteres Argument pro E-Zigarette ins Feld. Und in Brand stecken könne man damit auch nichts. Bei seiner ganz persönlichen E-Zigarette verzichteten die Designer sogar auf die Glut-Imitation an der Spitze.
Langzeitwirkung noch nicht bekannt
- Uwe Holtmann von der Suchtvorbeugung des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Herford hat "schon von Rauchern gehört, bei denen das Abgewöhnen mit der E-Zigarette funktioniert haben soll".
- Ob sich die neue Methode langfristig durchsetzt, müsse man allerdings erst abwarten. "Es gibt da ja auch immer noch gewisse gesundheitliche Bedenken", sagt Holtmann.
- Dazu Herwig Buhrmann, Amtsapotheker des Gesundheitsamtes Kreis Herford: "Selbst wenn die Alkohole Propylenglykol und Glycerin als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen sind – es ist ein Unterschied, ob die in meinem Magen oder in meiner Lunge landen."
- Generell gelte: "Poly-Alkohole gehören eher in den Kühler meines Autos als in meine Lunge."
- Um die Stoffe als unbedenklich einzustufen, sei deren Langzeitwirkung in der Lunge noch nicht hinreichend erforscht.