Herford. Manchmal genügt es nicht, einfach da zu sein. Das dachte sich eine Gruppe regelmäßiger Besucher der Konzerte der krisengeschüttelten Nordwestdeutschen Philharmonie. Sie wollten im Konzert am Freitag ein Zeichen setzen - oder vielmehr stellen.
Höflichen kurzen Applaus gibt es eigentlich immer, wenn das Orchester die Bühne betritt. Doch diesmal ist es mehr: Die Zuhörer erheben sich geschlossen von den Plätzen, applaudieren minutenlang, laut und nachdrücklich. Einige halten Schilder hoch: "Wir stehen auf für unser Orchester" ist darauf zu lesen. Fast trotzig stehen sie da, die Herforder, demonstrativ, für ihre Philharmonie.
Organisiert hatte diese Aktion eine Gruppe regelmäßiger Konzertgänger um Karl und Sabine Fordemann. Im Eingang verteilten sie NWD-Anstecker und Zettel an die eintrudelnden Zuhörer. "Wir fordern unsere Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung in der Region auf, dem Orchester eine stabile und dauerhafte finanzielle Grundlage zu geben", ist darauf zu lesen. Doch das Bekenntnis geht über Forderungen hinaus: "Wir demonstrieren mit der Aktion auch unsere Bereitschaft zu einem Beitrag in Form höherer Eintrittspreise, wenn das dem Erhalt des Orchesters dient", heißt es weiter. Die Aktion ist nicht auf Herford begrenzt, sondern findet auch in den anderen Städten statt, in denen dieses Konzert gespielt wird.
Aktion pro NWD | FOTO: JENNICHES
Die auftretenden Musiker sind sichtlich berührt von dem Anblick, der sich ihnen bietet. "Ich fand das überwältigend", beschreibt Cellist Klaus Viëtor strahlend, Posaunist Nedeltcho Nedeltchev bekräftigt: "Das war toll. Es ist so wichtig, dass sie uns unterstützen. Wir müssen doch weiter existieren." - "Es hat mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert", gesteht Konzertmeisterin Sabrina-Vivian Höpcker, und Flötist Johannes Heckmair ist beeindruckt: "Ich finde solche Aktionen super, wir brauchen diese Solidarität." Ganz kurz und knackig ist es auf der Facebook-Seite des Orchesters formuliert: "Wahnsinn!"
Den Zuhörern ist anzusehen, dass es ihnen gut tut, einmal aktiv werden zu können und ihrem Orchester zu zeigen, dass es für sie mehr ist, als nur ein Kostenpunkt. "Spontan und herzlich, das war doch wirklich ein Bekenntnis zum Orchester", sagen Otto und Brigitte Tomek, die den weiten Weg aus Schwetzingen angereist sind. Abonnentin Ines Martens ist von der Aktion begeistert: "Dadurch tritt in den Vordergrund, dass wirklich etwas passieren muss, und es ist vor allem auch emotionale Unterstützung für die Musiker", und auch Julia Ebers bezeichnet es als "Schritt in die richtige Richtung".
Nach dem Konzert zeigen sich Karl und Sabine Fordemann zufrieden, die Aktion ist nach Plan verlaufen. "Ich hoffe, dass die Politik das Signal versteht", sagt Karl Fordemann. Sein Ziel ist klar: "Genug ist erst, wenn das Orchester erhalten bleibt."