Gina Rogge leidet an einer schweren Krankheit und hilft dennoch vor Ort in Tansania
Herford. Vor rund zehn Jahren bekam Gina Rogge die furchtbare Diagnose: Sie leidet an Multiple Sklerose (MS). Unterkriegen lassen wollte sich die 48-Jährige aber nicht. Sie fand ihre Erfüllung darin, anderen Menschen zu helfen. Andere Menschen, dass sind in diesem Fall die Angehörigen des Massai-Stammes im afrikanischen Tansania.
Zum dritten Mal ist Rogge derzeit in Tansania. Gemeinsam mit den Missionarinnen Christine Lauterbach aus Espelkamp und Ulrike Keulertz aus Bad Oeynhausen will sie den Menschen im Südosten Afrikas helfen. "Es ist kaum vorstellbar, was für ein Gefühl das ist, vor Ort zu sein und zu sehen, wie sich die Menschen über Spenden freuen", sagt Rogge. Dabei sah es lange so aus, als ob sie dieses Gefühl nie erleben würde.
2001 diagnostizierten die Ärzte MS bei ihr. Rogge konnte nicht mehr arbeiten, zeitweise kaum laufen, das Sprechen fiel ihr schwer. Vor rund vier Jahren dann traf sie ihre Schulfreundin Christine Lauterbach wieder. 33 Jahre hatte beide keinen Kontakt gehabt. "Die Freundschaft lebte auf und wurde wieder richtig eng", sagt die 48-Jährige. Lauterbach selbst arbeitet seit 1994 mit den Massai in Tansania, lebte dort sogar einige Jahre.
Von ihr kam das Angebot, einmal mit nach Afrika zu kommen. Aufgrund der Krankheit eigentlich unmöglich für Rogge. "Mein Arzt sagte mir, dass das Fliegen und der Stress einen Krankheitsschub auslösen könnten."
Anders sah das ein Professor des Kreis-Klinikums. "Er sagte mir, ich solle etwas für meine Seele tun." Es war der Startschuss für Rogge. Die gläubige Christin entschied sich, nach Tansania zu fliegen. "Ich habe Gott vertraut, und dass er weiß, wie es mit mir weitergeht", sagt Rogge heute. Sie ist überzeugt, dass er es gut mit ihr meinte. "In Tansania ging es mir wesentlich besser." Sogar ein jahrelanges Taubheitsgefühl in der rechten Hand sei nach Gebeten der Massai verschwunden.
Zuvor habe die 48-Jährige Probleme beim Greifen gehabt. Heute verdient sie sogar Geld durch selbst hergestellten Schmuck. "Die Ärzte sagen, dass habe mit der Chemotherapie zu tun, die ich bekommen habe, aber ich glaube, da steckt mehr dahinter", sagt Rogge. Mit dem Verdienst durch den Schmuckverkauf finanziert sie einen Teil ihrer Tansania-Reise. Außerdem bekommt sie Spenden von Freunden und spart.
Momentan ist Rogge für drei Wochen in Tansania, "dass kostet je nach Flug zwischen 1.500 und 1.800 Euro." Vor Ort will sie mit ihren beiden Partnerinnen vor allem Bibeln in der Schule verteilen. Dies hatte das Trio schon beim letzten Besuch Ende 2010 getan. "Seitdem hat sich der freizügige Umgang mit Sexualität verändert, damit geht auch das Problem mit Aids zurück", sagt Rogge.
Es dürfte nicht der letzte Besuch der 48-Jährigen in Tansania gewesen sein. Schließlich haben die Massai Rogge in ihr Herz geschlossen. Vor Ort heißt sie nämlich nur "mama madebbe". Laut Rogge bedeutet dies übersetzt: Die, die alles zusammenhält.