Könnte der Beruf etwas für mich sein? Als Teilnehmerin am NW-Zeitungsprojekt "Klasse!" darf ich einen Auszubildenden bei der Post begleiten: Ein Tag in der Briefverteilstelle. Sie ist nicht klein, aber trotzdem habe ich sie nicht auf Anhieb gefunden. Wer weiß schon, wo sie liegt in Herford? Wenn man davor steht, gibt es keinen Zweifel daran, dass man sie gefunden hat. Gelb die Postautos, die Postfahrräder, gelb die Kleidung.
Ich musste ja schon früh aufstehen, aber als ich ankam, war die Post schon nach Stadtteilen und Straßen in den Fächern verteilt. Und die Postboten schnappten sich ihre Post und konnten mit dem Fahrrad losdüsen. Christoph Gieseking, ein netter Auszubildender im zweiten (und letzten) Ausbildungsjahr zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen, nahm mich für zwei Stunden mit in seinen Bezirk.
Interessant, was für Briefkästen die Leute haben, wie man sie findet, wenn man sich nicht auskennt. In machen Briefumschlägen liegen sicher unerfreuliche Rechnungen, die wenigste Post sind private Briefe, auch Ansichtskarten aus anderen Ländern sind dabei. Werbung und Zeitschriften füllen die Posttasche und nehmen viel Platz ein.
Natürlich waren mein Begleiter und die anderen Postboten dann noch nicht fertig mit der Arbeit, die meisten sind bis zum Nachmittag unterwegs. Ich machte ja nur einen "Schnupperkurs".
Wir schreiben ja heute fast nur noch Emails oder SMS. Aber es wäre doch gar nicht so schlecht, wenn mir mein Freund oder eine Freundin mal einen "richtigen" Brief schreiben würde.
Wie man das macht, haben wir ja auch im Unterricht mal gelernt. Ich werde es mal versuchen. Dann wird mein Brief vielleicht von dem netten Auszubildenden ausgetragen.
Der schreibt leidenschaftlich gern klassische Briefe. "Ich habe zwei Brieffreunde", sagt Christoph Gieseking. Und auch seine Freundin bekommt ab und an einen Liebesbrief von ihm.
Bei der
Post arbeiten zu wollen stand für ihn schon früh fest. "Mein Vater arbeitet auch hier ", sagt der 20-Jährige. Den Kontakt mit den Leuten und die Arbeitszeiten schätzt er besonders. "Ich muss zwar recht früh raus, dafür bin ich aber gegen Mittag fertig", berichtet er.
Anfang Mai steht jetzt die Abschlussprüfung an. Gern möchte Gieseking danach weiter als Verbundzusteller in Hiddenhausen arbeiten. "Hier bin ich aufgewachsen - und kenne fast jeden", sagt er.