Im Rahmen des NW-Zeitungsprojektes "Klasse!" habe ich ausprobiert, wie es im Leben eines
Briefträgers eigentlich aussieht. Es fängt schon damit an, dass ein
Briefträger heute gar nicht mehr
Briefträger heißt, sondern Postzusteller. Trotzdem sagt man immer noch
Briefträger - und ich glaube, dass wird sich auch so schnell nicht ändern.
Postzusteller ist ein dreijähriger Ausbildungsberuf (siehe Infokasten). Nach erfolgreicher Abschlussprüfung hat man beste Chancen, von einem der größten Arbeitgeber in Deutschland übernommen zu werden.
Morgens um sieben Uhr war ich pünktlich am Hintereingang des Hauptgebäudes des Bünder Postamtes. Der Tag beginnt mit dem Wichtigsten: dem Einsortieren der Briefe in der richtigen Reihenfolge der Tagestour. Wenn man hier einen Fehler macht, ärgert man sich am Ende des Tages, weil noch Briefe in der Tasche sind, die man eigentlich am Anfang der Tour hätte austeilen sollen. Also: Besser jetzt keine Fehler machen. Die ungefähr 25 Briefzusteller, die das jeden Tag machen, haben darin viel Routine und haben mir prächtig geholfen.
Um neun Uhr bin ich dann mit Sascha Oelsner, einem netten
Briefträger - ich bleibe jetzt bei diesem Begriff - losgefahren. Ich bekam ein gelbes Postfahrrad zur Verfügung gestellt. Es ist gar nicht so leicht, sofort damit zu fahren, ohne umzukippen. Das Vorderrad ist kleiner und die Gepäcktasche vorne ganz schön schwer. Das Lenken ist ungewohnt und es kann passieren, dass man beim ersten Fahren damit auf die Nase geht. Ich habe es aber ohne Sturz geschafft.
Unser Bezirk lag in Bustedt. Man muss ganz schön strampeln, bevor man in einem der höchsten Stadtteile von Bünde angekommen ist.
Zu Beginn bin ich eigentlich nur hinter meinem "Chef" hergefahren. Mit der Zeit habe ich mir dann aber auch Briefe und Unmengen an Reklame-Wurfsendungen geschnappt und sie in die - hoffentlich- richtigen Briefkästen gesteckt.
Leider haben nicht alle Häuser ihre Briefkästen direkt neben der Haustür, so dass ich manchmal ganz schön lange suchen musste. Nach zirka 900 Briefen und kleinen Paketsendungen war ich dann am frühen Nachmittag fertig - und durfte Feierabend machen. Das war auch gut so, denn ich war ganz schön geschafft. So viel Fahrrad gefahren bin ich sonst nie an einem Tag.
Ich muss sagen, dass dieser Job ganz schön anstrengend ist, aber auch sehr abwechslungsreich und interessant. Vielleicht ändert sich das irgendwann, wenn man das jeden Tag bei jedem Wetter durchhalten muss. Ich hatte aber Glück: Das Wetter hat mitgespielt, obwohl eigentlich Regen angesagt war. Mein Klassenlehrer hatte mir extra noch eine Regenhose ausgeliehen.
Mein Dank gilt meinem
Briefträgerchef Sascha Oelsner ,der mir bei meinem ersten richtigen Arbeitstag in meinem Leben sehr viel Geduld entgegengebracht hat. Und wer weiß: Vielleicht bewerbe ich mich eines Tages einmal als Postzusteller.