Kreis Höxter. Ein rotes Herz oben rechts, das stark an die große deutsche Hilfsorganisation "Ein Herz für Kinder" erinnert. Zudem drei Portraits, mit traurig schauenden Kinder, die anscheinend jede erdenkliche Hilfe benötigen. Ferner noch der Slogan: Beistand für Arme. Ganz klar. Dieser Flyer, will einen karitativen Hintergrund vermitteln.
Zu sehen sind dieser Flyer derzeit auf kleinen Tonnen, die im Kreis Höxter auf jedes Grundstück gestellt werden. Zuletzt waren sie in Godelheim zu sehen. Die Behälter sind mit der Information versehen, dass es sich um eine Schuhsammlung handelt und die Tonnen am kommenden Tag wieder abgeholt werden.
Doch Skepsis ist angebracht, denn um eine karitative Organisation handelt es sich hierbei nicht. Die Tonnen sind Teil einer gewerbliche Sammlung unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit mit osteuropäischem Hintergrund. Allerdings kann nicht ermittelt werden, welche Firma dahinter steckt, denn weder Adresse noch Namen sind angegeben.
Lediglich eine Steuernummer mit Sitz in Bad Salzufen (der Ort wurde auf dem Flyer so geschrieben) und eine Mobilnummer sind angeben.
Tatsächlich verkaufen die Sammler die gesammelten Textilien und Schuhe an Textilrecyclingfirmen. Das wiederum ist nichts Ungewöhnliches. Auch gemeinnützige Organisationen erwirtschaften Einnahmen mit dem Verkauf von Textilien, welche aber einem wohltätigen Zweck zu Gute kommen.
Täuschen jedoch Sammler einen karitativen Zweck nur vor, um an die begehrten Textilien oder Schuhe zu kommen, handelten sie betrügerisch.
"Außerdem ist das Aufstellen von Sammeleimern eine bewusst aggressive Sammelform, bei der in die Eigentumsrechte der Grundstücksbesitzer eingegriffen wird", erklärt Andreas Voget, Geschäftsführer des Dachverbandes FairWertung.
FairWertung ist ein bundesweiter Zusammenschluss gemeinnütziger und kirchennaher Organisationen. Ihr Ziel ist das transparente und umweltverträgliche Sammeln und Verwerten von gebrauchter Kleidung.
"Stellt jemand einen Sammelbehälter unaufgefordert auf privatem Grund ab, ohne dass der Grundstücksbesitzer zugestimmt hat, so ist das ein eigenmächtiger Eingriff in dessen Rechte", fügt Voget weiter an.
Das Geschäft mit alten Kleidern hat sich zu einem eigenen Wirtschaftszweig entwickelt (vergleichbar mit Altpapier) mit zahlreichen unseriösen Anbietern. Wer gebrauchte Kleider abgeben will, sollte sich informieren, welche Sammler transparent und vertrauensvoll arbeiten. So wird der Erlös verkaufter Spenden durch Vereine, wie DRK oder Caritas, für gemeinnützige Zwecke genutzt.