Bad Driburg. Was nichts kostet, das ist auch nichts. Diese Einstellung ist weit verbreitet. Der Bad Driburger Kurpark ist einer der schönsten im Land. Das soll noch deutlicher herausgestellt werden. Ab 2010 kostet der Zutritt zum Park auf seiner gesamten 44 Hektar großen Ausdehnung fünf Euro Eintritt.
Bisher war nur der innere 7,8 Hektar große Bereich kostenpflichtig. 2,60 Euro beträgt der Eintritt. Über die Gründe, die zur Neugestaltung der Tarifstruktur geführt haben, gab Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff (47) am Montagabend vor dem Rat der Stadt Bad Driburg Auskunft.
Über 100 Zuschauer nahmen an der Sitzung teil. Sie wollten wissen, wie sich die Situation künftig konkret für die Menschen vor Ort auswirken wird.
Jedes staatliche Kurbad ist verpflichtet, einen Kurpark vorzuhalten. Bad Driburg ist das einzige Kurbad in Deutschland, das diese Aufgabe privatisiert hat. Die Gräfliche Familie von Oeynhausen-Sierstorpff leistet seit 225 Jahren traditionsgemäß diese Aufgabe.
Und das nicht schlecht. "In Nordrhein-Westfalen gibt es zwei Referenzgärten im European Garden Heritage Network, das sind Schloss Dyck bei Düsseldorf und wir", sagte Graf Marcus. Schöne Parks zu unterhalten, kostet viel Geld. Etwas über eine Million Euro nimmt die Stadt im Jahr an Kurtaxe ein. Davon gehen 80 Prozent an den Gräflichen Park.
Das waren im letzten Jahr 880.000 Euro. "Das Geld wird vollständig investiert. Unser Anteil an der Kurtaxe ist um zehn Prozent gekürzt worden, gleichzeitig ist das Gesamtaufkommen wegen der rückläufigen Übernachtungszahlen zurückgegangen, trotzdem arbeiten wir ständig daran, neue Attraktionen für den Gräflichen Park zu schaffen", betonte Graf Marcus.
So entsteht zurzeit eine Rauminszenierung des niederländischen Pflanzkünstlers Piet Oudolf (65) mit 25.000 ganzjährig blühenden Stauden, die am 10. Juni eröffnet wird. In der Entstehung ist auch ein Irrgarten, für den bereits 2.000 Taxusbüsche angepflanzt worden sind.
Auch andere Parks kosten Eintritt. "Schloss Dyck kostet sieben Euro, in England sind durchschnittlich sechs Pfund zu zahlen, da bleiben wir mit unseren Tarifen deutlich drunter und außerdem ist der Eintritt bei uns anrechenbar", führt Graf Marcus aus. "Von den fünf Euro Tageseintritt, sind 2,50 Euro als Verzehrgutschein anrechenbar. Für die Bad Driburger Bevölkerung wird es eine Freunde-und-Förderer-Jahreskarte zum Preis von 19,50 Euro geben, die zu 100 Prozent als Gutschein für alle Einrichtungen des Gräflichen Parks anrechenbar ist. Auswärtige zahlen 30 Euro für die Jahreskarte, die ebenfalls vollständig anrechenbar ist", betonte Graf Marcus.
ÖDP-Fraktionschef Wolfgang Seemann kritisierte, dass der von vielen Fußgängern und Radfahrern genutzte Weg entlang der Bahnlinie zwischen Brunnenstraße und Gräfin-Margarete-Allee künftig nicht mehr zur Verfügung stehe.
Grünen-Ratsherr Herbert Falke erinnerte daran, dass der Piet-Oudolf-Garten fast vollständig aus öffentlichen Mitteln finanziert würde. Graf Marcus bestätigte, dass zwar nur zehn Prozent eigene Mittel hierfür aufgewendet worden seien, betonte aber, dass die Pflege des Oudolf-Gartens und des Labyrinths jährlich mit über 100.000 Euro zu Buche schlagen werden.
"Ich würde mir eine Bad Driburger Fördererkarte kaufen", zeigte Sitzungsbesucherin Anneliese Brockschnieder (53) Verständnis für die Pläne. "880.000 Euro sollten reichen", sprach sich Martina Renger (45) gegen die kommerzielle Erweiterung aus. "Bisher war der Donnerstag frei, das hätte man beibehalten können", kritisierte der Bad Driburger Bürger Martin Ester (54) die neue Regelung.