Höxter. Monatelang haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Hertie um ihre Zukunft gebangt und gehofft, dass ihre Arbeitsplätze erhalten bleiben. Seit gestern Nachmittag ist gewiss, dass auch die Hertie-Filiale in Höxter geschlossen wird. Für die 30 Mitarbeiter ist das traurige Realität.
Die Geschäftsführerin des Hertie-Kaufhauses in Höxter, Claudia Glashoff, gab gestern keine Stellungnahme ab und verwies auf die Pressestelle in Essen. Auch von dort kam nur ein knapper Kommentar zum voraussichtlichen Schließungsdatum von Wolfgang Weber-Tedy: Das hänge von den Verhandlungsergebnissen mit den Sozialpartnern ab - wahrscheinlich Sommer.
"Wir bedauern die Entwicklung und wir bemühen uns, eine Nachfolgelösung zu finden" sagte Hubertus Grimm, Pressesprecher der Stadt Höxter. Wie eine Lösung aussehen könnte, vermag die Verwaltung zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch nicht zu sagen: "Zu Frau Glashoff haben wir immer engen Kontakt gehabt, um auf dem Laufenden zu sein."
"Das ist für Höxter eine Katastrophe", kommentierte gestern Grünen-Ratsherr Berno Schlanstedt. "Wir können nur hoffen, dass es eine zukunftsträchtige Lösung gibt. Ein Kaufhaus an dieser Stelle ist wichtig für die Stadt Höxter, wer auch immer es betreibt."
"Es ist mehr als traurig, und wir können nur hoffen, dass es einen Nachmieter gibt", zeigte sich CDU-Fraktionssprecher Manfred Schelhorn betroffen. "Ich habe die Nachricht der Schließung gerade über Radio Hochstift erfahren: "Wir brauchen gar nicht mehr über die Marktplatzgestaltung zu reden, wenn wir nicht wissen, wie es mit dem Hertie-Gebäude weiter geht. Für Höxter ist das ein schwarzer Tag." Als noch trauriger sieht Schelhorn jedoch den Arbeitsplatzverlust für die Hertie-Mitarbeiter an. Probleme habe es wohl zwischen dem Hertie-Eigentümer Dawnay Day und möglichen Investoren gegeben, weiß Schelhorn. Man sei sich in Höxter über die Mietverträge und die Höhe der Pacht nicht einig geworden. Die Politik könne da wenig weiterhelfen.
Als "Ergebnis des Heuschreckenkapitalismus'" sieht SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Greschner das Aus für Hertie. "Wir verlieren das größte Zugpferd unserer Stadt. Karstadt sei an einen Hai verkauft worden, "das konnte nicht gut gehen. Höxter steht vor einer schwierigen Situation".
Eine Katastrophe für die Kreisstadt
Als "großen Verlust für Höxter" bewertet UWG-Mann Jürgen Lessing die bevorstehende Hertie-Schließung: "Das ist ein Schlag ins Kontor." Und der nächste könnte schon bald folgen: "Über Woolworth schwebt noch das Damokles-Schwert."
Auch FDP-Ratsherr Sebastian Otten spricht von einer "Katastrophe für Höxter", noch schlimmer aber sei der soziale Aspekt für die Beschäftigten und ihre Familien, die nun "wegen Finanzspekulationen auf der Straße stehen". Ob die Politik im Fall Hertie weiterhelfen kann, bezweifelt Otten stark. Ebenso, dass sich andere Ketten für den Standort Höxter interessieren und einspringen. Wirtschaft