INTERVIEW: Sven Hannibal aus Ottenhausen spielt Paintball in der 1. Bundesliga
Ottenhausen (jura). Sven Hannibal hat ein ungewöhnliches Hobby: Er spielt Paintball. Und das nicht irgendwo, sondern richtig professionell in der 1. Bundesliga. Er tritt regelmäßig gegen die besten Spieler aus ganz Deutschland an. Nebenher reist der 23-Jährige noch als Paintball-Schiedsrichter zu Wettkämpfen in ganz Europa. NW-Mitarbeiterin Julia Radtke sprach mit dem Informatikstudenten über seine Karriere, das Schöne an der Sportart und über den kritischen Stellenwert, den der Paintball in Deutschland eingenommen hat.
Herr Hannibal, wie sind Sie gerade zum Paintball gekommen? SVEN HANNIBAL: Ich habe im Fernsehen einen Bericht darüber gesehen und fand das gleich interessant. Dann habe ich mich im Internet informiert und meinen heutigen Verein, die OWL Sharks, gefunden. Mit denen habe ich Kontakt aufgenommen, mir daraufhin den Sport mal angesehen und es dann selbst probiert. Paintball fand ich auch gleich richtig gut und bin dann dabei geblieben.
Und wie haben Sie es bis in die erste Bundesliga geschafft? HANNIBAL: Angefangen habe ich in der zweiten Mannschaft der Sharks. Da war ich 18. Paintball ist lange nicht so weit verbreitet wie zum Beispiel Fußball. Wenn man sportlich begabt ist und Talent dafür hat, kann man sich richtig gut entwickeln. Und wenn man viel trainiert, geht das ziemlich schnell. Ich habe früher jedes Wochenende trainiert, das war für damalige Verhältnisse schon sehr viel. Und das hat sich dann natürlich auch bemerkbar gemacht. Gleich nach einem Jahr konnte ich ins erste Team aufsteigen. Und in dem Jahr hat sich dann auch die Bundesliga entwickelt.
Vorher gab es noch nicht die Liga-Struktur mit Bezirksliga, Landesliga, Regionalliga und Bundesliga wie heute. Ein Jahr lang hat mein Team in der zweiten Liga gespielt, dann sind wir als Erstplatzierter aufgestiegen.
Was ist das Schöne am Paintball? Warum nicht Fußball oder Tischtennis? HANNIBAL: Es ist ein super Team-Sport und auch einfach etwas Außergewöhnliches. Nicht jeder spielt Paintball. Und es geht natürlich auch ums Adrenalin, das ist schon auch ein Reiz. Der Sport ist eben sehr actionreich, das gefällt mir. Fußball wäre mir zu langweilig. Da hätte ich einfach nicht so die Lust zu. Dazu kommt, dass man bei so Sportarten wie Fußball ganz früh anfangen muss, um richtig gut zu werden. Das hätte ich mit 18 Jahren ja gar nicht mehr geschafft. Und beim Paintball konnte ich auch noch spät anfangen und was erreichen.Als Paintball-Schiedsrichter sind Sie schon quer durch Europa gereist. Wie sind Sie an den Schiri-Job gekommen? HANNIBAL: Ich habe erst ein Jahr Schiedsrichter-Erfahrung in der deutschen Liga gesammelt. Und dann wurden Schiris für internationale Events gesucht, da war gerade Not am Mann. Für ein Spiel braucht man nämlich acht bis zehn Schiedsrichter. Jeder Spieler muss immer von beiden Seiten beobachtet werden.
Bei einem Event in Amsterdam bin ich dann erstmals zum Einsatz gekommen. Ich habe mich natürlich sehr darauf gefreut, das war was richtig Großes. Es lief da auch ganz gut für mich und ich wurde gleich gefragt, ob ich mit nach Paris zum nächsten Wettkampf will. Danach hat unser Schiri-Koordinator sogar einen Auftrag für Orlando an Land gezogen. Das war spitze.
Wie laufen diese Wettkämpfe immer ab? Überschneidet sich das nicht mit dem Studium? HANNIBAL: Das geht immer Donnerstagabend los und dauert bis Sonntag. Der Turnier-Veranstalter zahlt die Reise und den Aufenthalt. Mit der Uni verträgt sich das ganz gut. Diese internationalen Events finden auch nur fünfmal im Jahr statt, meistens nehme ich an vier davon teil.
Wie hoch ist beim Paintball eigentlich die Verletzungsgefahr? HANNIBAL: Nicht hoch. Das ist eine der verletzungsärmsten Sportarten überhaupt. Man bekommt nur mal ein paar blaue Flecken. Eigentlich kann einem nur was passieren, wenn man die Deckung wechselt. Da rutscht oder schlittert man hinter die nächste, um dem Gegner möglichst wenig Profil zu bieten. Da kann man sich höchstens mal eine Zerrung oder ein dickes Knie holen. Aber das kommt schon sehr selten vor. Beim Paintball wird man ja nicht umgegrätscht wie beim Fußball. Zwischen den Spielern gibt es keinen Körperkontakt. Und wenn man von einer Kugel getroffen wird, gibt das nur einen kleinen roten Fleck.
Und das tut nicht weh? HANNIBAL: Es ist nicht angenehm, aber im Spiel steht man ja auch unter Adrenalin. Da merkt man sowieso nichts.
Was sagen Sie denn zu den Plänen der Politiker, Paintball zu verbieten? HANNIBAL: Das ist nicht sinnvoll. Die Politiker setzen sich da nicht genug mit auseinander. Die möchten zwar etwas bewegen, aber beschäftigen sich nicht mit dem Sport. Für mich hat Paintball überhaupt nichts mit Krieg zu tun. Es wird auch unter den Sportlern viel Wert darauf gelegt, dass nicht der Eindruck entsteht, man spiele da Krieg nach. Das Equipment hat auch extra kriegsferne Namen. Es heißt nicht schießen, sondern markieren. Und wir reden nicht von Waffen, sondern von Markierern. Es steht auch niemand im Tarnanzug auf dem Platz und in der professionellen Liga werden auch extra keine Markierer verwendet, die wie gefährliche Waffen aussehen. Aber als das mit den Amokläufen so zugenommen hat, habe ich schon vermutet, dass das jetzt wieder auf unseren Sport geschoben wird.
Glauben Sie denn, dass sich das Verbot durchsetzt? HANNIBAL: Nein, das denke ich nicht. Mittlerweile will man sich ja zum Glück doch genauer informieren und das ganze nochmal prüfen. Ich glaube, dass sich zeigen wird, dass Paintball kein Auslöser für Amok-Läufe ist.
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