Kaufleute lehnen Einzelhandelskonzept ab / Um Gebäude Hertie und Woolworth kümmern
Höxter. Mit dem neuen Einzelhandelskonzept des Dortmunder Stadtforschungsinstituts Junker und Kruse soll insbesondere eine Lex Kaufland geschaffen werden, die einen großflächigen Lebensmittler auf dem ehemaligen Kaisers Areal möglich machen soll, obwohl der Paragraf 24a des Landesentwicklungsprogramms solche Vorhaben grundsätzlich ausschließt.
"Die ganze Planung zielt doch darauf ab, die Rahmenbedingungen so herzustellen, dass sie für Kaufland passend sind", sagte Anwohnerin Ulrike Henke. Rund 50 Interessierte und vor allem Innenstadtkaufleute waren am Dienstagabend ins Historische Rathaus gekommen, um dort mit den Dortmunder Stadtplanern und dem Technischen Beigeordneten der Stadt Höxter, Dardo Franke, den Entwurf zur Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts für die Kreisstadt zu diskutieren.
Knackpunkt für viele Innenstadtkaufleute ist das Areal an der Brenkhäuser Straße. "Vor dem Hintergrund der stark begrenzten räumlichen Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb der bestehenden historischen und kleinteiligen Strukturen der Innenstadt von Höxter wird es als notwendig erachtet, eine zusätzliche Fläche als ergänzenden Entwicklungsbereich für die perspektivische Ansiedlung eines großflächigen Lebensmittelmarktes auszuweisen", erläuterte Stadtplaner Stefan Kruse.
Der Bereich soll künftig als "funktionale Ergänzung zum Kernbereich für die Ansiedlung von nahversorgungsrelevantem Einzelhandel in einer Größenordnung wie er in der Innenstadt nicht zu realisieren ist, zurVerfügung stehen", besagt das Gutachten. "Und das ist genau der Grund, warum der Einzelhandelsverband dieses Konzept nicht mittragen wird", sagte Marion Rutkowski, Einzelhändlerin aus der Stummrigestraße. Viele Kaufleute befürchten, dass über den Begriff des "nahversorgungsrelevanten Einzelhandels", innenstadtrelevante Sortimente auf die Kaufland-Wühltische kommen.
Tatsächlich sagt das Gutachten auch, dass der Anteil der zentrenrelevanten Randsortimente 10 bis 15 Prozent der Gesamtverkaufsfläche betragen darf. Bei den geplanten 3.500 Quadratmetern Verkaufsfläche sind das bis zu 525 Quadratmeter. Das ist mehr als die meisten Geschäfte in der Innenstadt überhaupt an Verkaufsfläche haben.
Das muss aber nicht zwangsläufig dazu führen, dass die Menschen weniger in die Innenstadt gehen. "Ich bin überzeugt, dass so ein großflächiger Lebensmittelmarkt die Innenstadt eher stärkt als schwächt", sagte Ratsherr und Unternehmer Bernhard Engel.
"Eine Telefonbefragung hat ergeben, dass in diesem Bereich nur 85 Prozent der Kaufkraft in der Stadt Höxter bleiben", belegte Stadtplanerin Eva Stubert mit Zahlen, was man samstags auf dem Kaufland-Parkplatz in Holzminden beobachten kann – Fahrzeuge mit Höxteraner Kennzeichen.
"Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung sollten wir uns lieber den Flächen von Hertie und Woolworth zuwenden, wenn es dort zu Leerständen kommt, müssen wir hier die Prioritäten setzen", riet der ehemalige Werbegemeinschaftsvorsitzende und Innenstadt-Einzelhändler Ulrich Weber dazu auf, mit der Entwicklung des Kaisers-Areals doch noch abzuwarten.