Vinsebeck. Dana Lehmann war zehn Jahre alt, als sie in Sandebeck eine Flaschenpost abschickte. Das ist 18 Jahre her. Werner Kruck, Heimatpfleger in Vinsebeck, fand die Flasche jetzt im Mühlenbach. Fest verschlossen und unversehrt. Als sei sie gestern erst abgeschickt worden. Darin: ein bunt bemalter Zettel mit einer rosa Schleife drum. Die kleine Flasche steckte im Schlamm an der Uferböschung und sorgte jetzt, nach fast 20 Jahren, für viele gute Erinnerungen.
Werner Kruck ist seit einigen Jahren Heimatpfleger in Vinsebeck, einem Dorf mit 1.200 Einwohnern in der Großgemeinde Steinheim. Er säuberte, wie jedes Jahr im Juni, den Bachlauf zwischen Sandebeck und Vinsebeck. Erst den Heubach, dann den Mühlenbach. "Ich entferne viel Müll, den ich im Bach und am Ufer finde. Aber ich grabe auch den gefährlichen Riesenbärenklau aus", erzählt Werner Kruck. Aber die Säuberungsaktion in diesem Jahr war anders als bisher. Dafür sorgte ein seltener Fund. "Im Schlamm glänzte ein Stück Glas. Ich wollte es nicht zerschlagen und buddelte es vorsichtig aus. Als eine heile Flasche zum Vorschein kam, war ich zunächst überrascht", sagt Werner Kruck.
Eine kleine Coca-Cola-Flasche mit 0,33 Liter Inhalt, so wie es sie vor zwanzig Jahren gab, holte er aus dem Bachschlamm. In der Flasche steckt ein bunt bemalter Zettel. "Eine Flaschenpost, soviel war klar. Ich nahm die Flasche erst einmal mit nach Hause", sagt der engagierte Heimatpfleger. Seine Frau Helga Weber-Kruck, eine Erzieherin und Kindergärtnerin, öffnete die Flasche - und fand einen mit bunten Filzstiften bemalten DIN-A-4-Zettel. Unterschrieben von Dana Lehmann, Germanenstraße 6 in 4939 Steinheim-Sandebeck.
Werner Kruck machte sich auf die Suche nach Dana Lehmann. "Über ein paar Ecken habe ich ihre Adresse rausgekriegt", sagt Werner Kruck. Er telefonierte mit ihrer Cousine Bianca Schiller, die noch in Sandebeck wohnt. Er fand Dana Lehmann in Schlangen bei Paderborn und lud sie zu sich nach Hause ein. Beide trafen sich jetzt in Vinsebeck und besprachen bei Keksen, Kaffee und Orangensaft, was wohl in der Flasche sein könnte. Werner Kruck wusste es - seine Frau hatte schon ein Antwortschreiben vorbereitet.
Für Dana Lehmann aber kam der große Moment. "Ich weiß auch nicht mehr, was da drin ist. Ich glaube, ich habe so etwas geschrieben, wie: Bitte lieber Finder melde dich. Aber genau weiß ich das auch nicht mehr. Das ist schon so lange her", sagt Dana Lehmann. Sie ist heute 28 Jahre alt. Sie stammt aus Sandebeck, lebt mittlerweile mit ihren beiden Töchtern in Schlangen. Als sie kürzlich einen Anruf aus Vinsebeck erhielt, sei sie zunächst "ziemlich überrascht" gewesen, wie sie erzählt, "aber meine Cousine hatte mir am Telefon von Herrn Kruck erzählt. Ich war ganz aufgeregt: Meine alte Flaschenpost ist doch noch gefunden worden. Wahnsinn."
Zusammen mit ihrer Schwester habe sie damals, vor 18 Jahren, die Flaschenpost abgeschickt. Die Post ihrer Schwester sei sehr schnell gefunden worden, sagt sie: "Aber ich erhielt nie Antwort. Das machte mich schon traurig. Jetzt bin ich froh, dass meine Post doch noch gefunden wurde."