Boffzen. "Ein absolutes Einzelstück. So ein Auto wird es nie wieder geben", spricht Michael Behlert seine Gedanken laut aus, als er vor seinem komplett überholten Ford Transit steht. Ein Oldtimer aus dem Jahr 1966, den er zusammen mit Freunden wieder zum Glänzen und Strahlen brachte in einem "Old School Style". Für ihn ging damit ein Traum in Erfüllung.
In der heutigen Zeit sind Autos schon fast so wichtig geworden, wie das tägliche Brot. Wer nicht mobil ist, hat meist einen Nachteil - im Job wie auch privat. Autos sollen verlässlich sein, gut aussehen und vor allem wenig in der Unterhaltung koste. Einen Impuls zur Verschrottung der alten Wagen gab die Abwrackprämie, die Oldies verschwinden immer mehr aus dem Straßenbild.
In 3.000 Stunden wieder zusammengeschraubt
Wieder fit machen, statt Verschrotten hieß es für Michael Behlert. "Ich mag alte Autos", betont der gelernte Kfz-Mechaniker, als er an seinem alten Schätzchen schraubt. Ein Ford Transit 1750 Typ 6E, Baujahr 1966, der letzte TÜV-Stempel von 1968. "Das Auto stand bei einem Bekannten in der Scheune, uns wurde angeboten, den Wagen mitzunehmen oder er wäre verschrottet worden, da sagten wir nicht Nein", lacht Behlert, als er zurückdenkt.
"Liebe zum Detail", nennen es Michael Behlert und sein Freund Michael Orts (beide aus Boffzen), als sie den Transit in die kleinsten Teile zerlegten und insgesamt über 3.000 Arbeitsstunden in ihr Projekt investierten. "Am aufwendigsten war es, den Motor einzubauen. Vorher war es ein 4- Zylinder, jetzt sind es 6 aus einem Ford Scorpio und der braucht mehr Platz", erklärt Orts die Arbeitsschritte, wie sie alles ganz genau angepasst haben, damit es perfekt wird.
Zwar ist er mittlerweile im Landschafts- und Gartenbau tätig, die Arbeit an Autos wollte er aber nie aufgeben. So entstand das Projekt Ford Transit Neuaufbau von Michael Behlert und Michael Orts, Kfz-Meister, in dessen Werkstatt in Boffzen, wo auch geschraubt, geflext, geschweißt und geschwitzt wurde. "Wir haben alles auseinander genommen und neu gemacht. Nur die Front ist von der Optik noch im Original geblieben.", erklärt Michael Behlert.
Das bedeutet mehr Arbeit, als man denken mag. Mit Herzblut waren die beiden Autofanatiker fünf Jahre am Basteln. "Wir haben Teile aus mehreren Autos zusammengebaut, alles so, wie es am besten passte. Felgen, Lenkrad und Ladefläche sind aber von Hand gefertigt!", erläutert Behlert weiter.
Tuning auf höchstem Niveau und das mit kleinem Budget - insgesamt wurden 2.500 Euro in den Aufbau des Oldtimers gesteckt. Dafür haben sie aber keine billigen Teile verwendet, sondern alles von bester Qualität und sogar Kotflügel aus Amerika importieren lassen. "Wir wollen damit auch andere motivieren und zeigen, dass es auch mit wenig Geld geht. Es muss nicht immer so teuer sein, wie es gesagt oder in den Zeitschriften gezeigt wird!", unterstreichen die Autofreunde.
Jetzt geht es mit dem Oldie auf die Straße
Das Endprodukt kann sich sehen lassen. Aus einem alten rostigen Bauwagen wurde ein top-getunter Hingucker. "Das glaubt keiner, was daraus geworden ist", staunen sie jetzt selbst über ihr Werk. Der Wert des grünen Transits wurde erheblich gesteigert. "Rund 30.000 Euro würde man für so ein Auto sicherlich bezahlen. Für uns ist der Wert aber unbezahlbar", sind sich die Freunde einig.
"Ohne die Unterstützung von Freunden und Familie, wäre das nicht möglich gewesen", unterstreicht Michael Behlert im Rückblick auf die Arbeit. Nach all den Mühen geht es mit dem grünen Oldie jetzt ab auf die Straße. Darauf haben sich die beiden Freunde schon seit Jahren gefreut.
"Geplant sind Besuche von Ausstellungen, Oldtimer-Treffen und eine dreitägige Tour durch Deutschland", schildern sie ihr Vorhaben. Den beiden Oldie-Liebhabern juckt es jedoch immer wieder unter den Fingern und das nächste Projekt lässt meist nicht lange auf sich warten. "Es wird bestimmt mal wieder was Neues zum Schrauben geben, aber der Transit ist und bleibt ein Unikat."