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22.07.2009
Schule schaut über den Tellerrand
Ministerin Barbara Sommer besucht in Höxter angehende Schul-Fellows
VON BURKHARD BATTRAN

An der Persönlichkeitsentwicklung von Schülererinen und Schülern arbeiten | FOTO: BURKHARD BATTRAN

Höxter/Bad Driburg. In Amerika und England gibt es dieses Projekt bereits seit mehreren Jahren mit großem Erfolg. Hochschulabsolventen aus überwiegend nichtpädagogischen Bereichen werden in sozialen Brennpunktschulen eingesetzt, um dort als so genannte Fellows besonders hilfsbedürftige Schüler zu unterstützen.

Im Herbst startet dieses Projekt erstmals auch in Deutschland. NRW, Berlin und Hamburg sind die Vorreiter. 70 Hochschulabsolventen werden in Nordrhein-Westfalen in verschiedene Schulen geschickt. "Schwerpunkt ist das Ruhrgebiet, es ist keine Schule aus dem Kreis Höxter dabei, weil es wirklich nur um Haupt- und Gesamtschulen in sozialen Brennpunkten geht", sagte gestern Schulministerin Barbara Sommer in Höxter.

Der Kreis Höxter spielt zwar für die Fellow-Einsätze keine Rolle, dafür aber umso mehr in der Fellow-Ausbildung. In den Jugendherbergen in Höxter und Bad Driburg werden zurzeit über 50 Schulhelfer für die Länder NRW und Hamburg praktisch geschult. "Nach der onlinebasierten Vorarbeit und einer schulpädagogischen Lernphase findet jetzt die praktische Arbeit mit richtigen Schülerinnen und Schülern statt", sagt Mortimer von Plettenberg, Geschäftsführer der Bildungsinitiative Teachfirst Deutschland aus Berlin, die das Projekt organisiert.

"Es geht nicht darum, Ersatzpädagogen zu schaffen. Mit diesem Projekt soll vielmehr stärkenorientiert an der Persönlichkeitsentwicklung von Schülerinnen und Schülern gearbeitet werden", erläutert Ministerin Sommer. Die Fellows sollen einzelnen Schülern - in der wörtlichen Übersetzung als Kamerad -, Vorbild und Ansprechpartner zur Seite stehen.

"Der Schwerpunkt liegt auf der Einzelbetreuung, wobei auch eine Projektarbeit ähnlich wie hier möglich ist. Entscheidend ist dabei, dass Schule sich öffnet, über den Tellerrand schaut und Schülerinnen und Schüler nicht nur Lehrer als Ansprechpartner haben, sondern auch authentische Persönlichkeiten aus anderen Bereichen, die auch den Horizont möglicher Berufsziele der Schüler erweitern sollen", betont Ministerin Sommer. In der Jugendherberge in Höxter arbeiten 28 angehende Fellows, begleitet von sechs hauptberuflichen Pädagogen und zwei Campleitern mit knapp 60 Jugendlichen. "Es gibt fünf Projektgruppen, die sich mit verschiedenen Themen von Hiphop-Tanz, über Medienkompetenz bis zur Kunstperformance befassen.

"Unser Projekt heißt Landart, wir gehen mit den Jugendlichen viel raus in die Natur und lassen sie mit dem, was die dort vorfinden, kreativ werden. Meine Erfahrung ist, dass es Kindern und Jugendlichen hilft, über den Zugang zur Natur auch einen besseren Zugang zu sich selbst zu finden", sagt Schul-Fellow Veronika Schmidt (29) aus Emmendingen, die über einen Hochschulabschluss in Iranistik verfügt.

Für den Sportwissenschaftler Philip Oprang-Spenner (29) aus Hamburg ist es wichtig, dass der Zugang zu Bildung von der Herkunft unabhängig ist. "Ich weiß wovon ich rede, ich bin vor neun Jahren aus Kenia nach Deutschland gekommen. Hier im Projekt will ich über Hiphop-Tanz Begeisterung fürs Lernen wecken", sagt der angehende Schul-Fellow. Bei den 60 Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 Jahren aus dem ganzen Bundesgebiet, die in Höxter mitwirken, kommt die Sache gut an. "Es macht viel Spaß, man erfährt viel Neues und es ist einfach eine richtig tolle Ferienfreizeit", sagt Marcin Gammel (14) aus Dortmund.

Auch in der Jugendherberge selbst, ist man mit dem Verlauf sehr zufrieden. "Das ist eine tolle Geschichte, alles läuft sehr harmonisch und wir würden uns freuen, wenn diese Tätigkeit auch künftig in unserer Jugendherberge in Höxter stattfindet", sagte Herbergsvater Dirk Walter.

Bis zur nächsten Woche dauert die zweiwöchige Praxisphase der Fellow-Anwärter. Am Mittwoch, 29. Juli, findet dann auf Schloss Corvey eine große Abschlussfeier statt, an der auch die Eltern der Jugendlichen teilnehmen und alle Gruppen ihre Arbeitsergebnisse präsentieren werden. 700 Fellows hatten sich allein für Nordrhein-Westfalen beworben, 70 wurden genommen. Zwei Jahre bleiben sie an einer Schule. Ein Fellow verdient rund 1.750 Euro im Monat.


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