Kein Gleisübergang, die Ampeln dafür ist aber schon da / Sanierung des Geländes weiter verschoben
Ottbergen. Den Reisenden am Bahnhof in Ottbergen bietet sich ein trauriges Bild. Wo früher reger Schienenverkehr herrschte, im Bahnbetriebswerk bis zu 60 Lokomotiven gleichzeitig überholt wurden und die Wartesäle noch geöffnet waren, präsentieren sich heute beschmierte Bänke, verschlossene Türen und ein verdrecktes Gelände.
Das ist nicht nur den Fahrgästen und den Bewohner Ottbergens ein Dorn im Auge, sondern auch den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Bahn Holzminden/Höxter (AG Bahn HOL/HX), die sich seit Jahren mit der Verbesserung des Schienen-Personennahverkehrs in der Region Holzminden-Höxter beschäftigen.
Der Bahnhof ist in keinem besonders guten Zustand mehr. Das Bahnhofsgebäude steht leer, wurde verriegelt und für wartende Bahnreise unzugänglich gemacht, nachdem dort mehrfach randaliert wurde. Im Winter und bei Regen bleibt ihnen nur ein Regendach als Schutz. Die Süßigkeiten-, Getränke- und Fahrkartenautomaten sind zum Teil beschädigt und der Lack blättert ab, die Wände sind mit Graffiti beschmiert.
Schlecht beleuchtete Unterführung und ein Schild "Betreten verboten"
Um von Gleis 1 zu Gleis 2 zu gelangen müssen die Fahrgäste den etwa 100 Meter langen Weg durch eine Unterführung mit meist defekter Beleuchtung zurücklegen. Als Krönung des Ganzen hat die Bahn ein Schild aufgestellt, das vor unbefugtem Betreten warnt, - wegen Unfallgefahr und weil im Winter bei Schnee und Eis nicht geräumt wird. "Das ist regelrecht lächerlich, schließlich ist es der einzige Weg um das Gleis 2 zu erreichen, das gerade von Schülern besonders früh am Morgen, wenn es noch dunkel ist, genutzt wird." erklärt Eberhard Lotsch, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Bahn.
Zur Freude aller Beteiligten wurde dann 2004 ein Programm für die Modernisierung von Bahnhöfen in einer Rahmenvereinbarung zwischen dem Land NRW und der DB Station und Service AG abgeschlossen, die so genannte Modernisierungsoffensive 1. Zur Verbesserung der Situation in Ottbergen wurden Bahnübergänge geplant, um den lästigen Weg durch die dunkle und enge Unterführung zu vermeiden. Für die Sicherheit der Fahrgäste beim Überqueren des Gleises wurde schon im Oktober 2008 die elektronische Signaltechnik installiert. Die Ampel, die den Zügen das rote Haltezeichen gibt, ist geschaltet. Das hat nun aber den Nachteil, dass die Züge etwa 130 Meter entfernt voneinander halten und aufgrund des zwischen den Gleisen stehenden Bahnhofgebäudes keinen Blickkontakt miteinander aufnehmen können.
"Da fragt man sich, wofür gibt es die neue Signaltechnik überhaupt?"
Umsteigende Gäste von Gleis 11, auf dem die DB Regio Richtung Göttingen fährt, auf das Gleis 1, auf welchem die NordWestBahn zwischen Paderborn und Holzminden pendelt, haben Probleme, innerhalb der gemeinsamen Haltezeit ihren Anschlusszug zu erreichen. Um dem aus dem Weg zu gehen, wurde mittlerweile immerhin die Übergangslösung geschaffen, dass die jeweiligen Lokführer im Falle von kurzen Verspätungen Kontakt miteinander aufnehmen, so dass der eine auf den anderen warten kann.
"Der größte Witz ist aber, dass, nachdem all dieser Aufwand betrieben wurde, die DB Station & Service AG andere Prioritäten gesetzt hat und die Bahnübergänge bis heute nicht gebaut wurden. Da fragt man sich, wofür gibt es die neue Signaltechnik überhaupt", sagt Eberhard Lotsch.
Im Nachfolgeprogramm der Modernisierungsoffensive wurde nachgebessert: Der Bahnhof Ottbergen steht wieder auf der Liste, allerdings erst für das Jahr 2014. Die AG Bahn HOL/HX hält es allerdings für untragbar, den Reisenden den momentanen Zustand des Bahnhofs für weitere fünf Jahre zuzumuten. Das würde nämlich bedeuten, dass die Fahrgäste weiterhin bei Wind und Wetter aus- und einsteigen müssen: Durch die Verlegung liegen die Haltestellen an beiden Gleisen nicht mehr im Bereich der vorhandenen Überdachung, sondern jeweils etwa zehn Meter davor. Bei Schnee, Glatteis oder Regen ganz sicher kein Vergnügen.
"Alle Verbesserungsvorschläge der Arbeitsgemeinschaft Bahn für die Übergangszeit bis 2014 wurden bisher abgelehnt. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Züge das Haltesignal um einige Meter überfahren dürfen, solange noch kein Bahnübergang gebaut wurde. Sollte das nicht möglich sein, könnte man wenigstens dort, wo die Züge halten, ein paar überdachte Wartehäuschen aufstellen", schlägt Hans-Peter Sawatzki, ebenfalls Mitglied der AG Bahn.
Auf Nachfrage der Neuen Westfälischen beim Bahnhofsmanagement für OstwestfalenLippe wurde auf die Modernisierungsoffensive 2 verwiesen. "Jeder, der den Bahnhof Ottbergen kennt, weiß, dass dort eine Sanierung von Grund auf nötig ist. Daher muss zunächst eine intensive Planung statt finden, um dann den gesamten Bahnhof neu zu bauen. Leider kommt der Bahnhof erst an so später Stelle, da wir andere Prioritäten setzen müssen. Wir können jeden verstehen, der sich über die Situation in Ottbergen ärgert, aber man muss auch uns verstehen, wenn wir zuerst größere Bahnhöfe mit mehr Reiseverkehr mit behindertengerechten Zugängen ausstatten",erklärt Martin Nowosad, Bahnhofsmanager für Ostwestfalen-Lippe, die Situation.
Die Stadtverwaltung der Stadt Höxter sowie der Nahverkehrsverbund Paderborn/Höxter würde eine frühere Verbesserung der Situation sehr begrüßen, doch solange sich die DB Station und Service AG nicht rührt, wird sich vorerst wohl nichts ändern.