Höxter. Eine Wahlniederlage sondergleichen. Klaus Schumacher standen gestern Abend im Rathaus die Tränen in den Augen. Nach der Auszählung der Bürgermeisterstimmen verließ er postwendend das historische Gebäude. Zum ersten Mal nach 1946 hat die CDU die absolute Mehrheit verloren und stellt auch nicht mehr den Bürgermeister. Das Wahljahr 2009 wird in die Annalen der Stadt Höxter eingehen. Die CDU der Kreisstadt befindet sich in einem Jammertal.
Klaus Schumacher war gestern Abend auch am Telefon nicht mehr zu sprechen. So konnte er auch nicht die Fragen der NW beantworten. Stattdessen war vom Band seines Handys zu hören: "Lieber Anrufer, ich bin derzeit nicht erreichbar. Bitte versuchen Sie es später wieder. Auf Wiederhören." Als Schumacher das Historische Rathaus verlassen hatte, spazierte freudestrahlend der neu gewählte Bürgermeister Alexander Fischer (SPD) herein. Bejubelt von seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die die Bürgermeister- und Gemeindewahl auf der Leinwand mitverfolgt hatten. Kurz zuvor hatte ihn die NW noch zu Haus am Telefon erwischt.
Alexander Fischer: "Ich freue mich riesig über den Erfolg. Danke ganz herzlich allen Bürgerinnen und Bürger, die mir ihr Vertrauen geschenkt und zu diesem Erfolg beigetragen haben. Dank auch an meine Familie. Über Koalitionsverhandlungen muss noch gesprochen werden. Man muss schauen, wo Schnittmengen sind. Meine vorrangigen Ziele sind die Sanierung der Bäder, das hat der Bürger bereits beschlossen. Weitere Ziele müssen mit den möglichen Koalitionspartner beschlossen werden. Wichtig ist, dass die Familienpolitik weiterbetrieben wird, dass für Kindergärten und Schulen das Möglichste getan wird. Ich werde Bürgermeister für alle Bürger sein."
Hans-Otto Löchter: "Meine Frau und ich haben gut gekämpft, das wird auch von allen Seiten honoriert", sagte gestern Abend der unabhängige Bürgermeisterkandidat. Ich wünsche dem künftigen Amtsinhaber eine gute und sichere Hand für die Aufgaben, die vor ihm liegen. Ich habe mir selbstverständlich mehr erhofft. Ich hatte ein knapperes Rennen erwartet. Die Wechselstimmung ist aber in Höxter durch das Ergebnis dokumentiert. Meine Frau und ich werden jetzt halt später nach Höxter kommen. Ich gehe wieder zurück nach Schwerin, es sei denn, es gäbe ein gutes berufliches Angebot, das mich wieder nach Höxter bringen könnte."
Jürgen Lessing: "Nach derzeitigem Stand hat die UWG ihr Wahlziel erreicht, nämlich die Mehrheit der CDU zu brechen und drittstärkste Fraktion zu bleiben. Alles Weitere müssen wir nach dem Endergebnis entscheiden. Nach derzeitigem Stand der UWG-Mitgliederversammlung gehen wir keine Koalition ein, sondern wir werden mit den entsprechenden Parteien eine Kooperation eingehen, um unsere Wahlziele durchzusetzen. Wir haben klare Prioritäten, und die wollen wir durchsetzen."
Ludger Roters: "Das verspricht eine spannende Legislaturperiode zu werden und macht die Ratsarbeit sicherlich spannender. Ich sehe erst mal keine absolute Mehrheit und dadurch kommt in jedem Fall Bewegung in die Verhältnisse. Jetzt stellt sich die Frage, wer mit wem koaliert. Voraussichtlich wird der Bürgermeister einer anderer Partei angehören, als die stärkst Fraktion. Ich hoffe auf spannende inhaltliche Auseinandersetzungen", sagte der Fraktionssprecher der Bündnisgrünen.
Georg Leineweber, ebenfalls unabhängiger Bürgermeisterkandidat war gestern Abend telefonisch nicht zu erreichen.