Höxter. Laut, bunt - aber vor allem friedlich fand am Samstagnachmittag in der Kreisstadt eine Demonstration gegen rechte Gewalt und nationalsozialistisches Gedankengut statt. Nach Angaben der Antifaschistischen Initiative Höxter waren es rund 250 Demonstranten. Die Polizei spricht in einer offiziellen Stellungnahme von rund 100 Teilnehmern.
Tatsächlich dürften es aber eher 200 als 100 Demonstrationsteilnehmer gewesen sein. "In jedem Fall ist es toll, dass so viele Menschen gekommen sind, um diese Demonstration zu begleiten und zu einem sichtbaren Zeichen gegen rechte Gewalt und Nazis machen ", sagte Versammlungsleiter Lukas Grüner (22) aus Brakel .
Start der Demo war um 15 Uhr am Bahnhof in Höxter. Angeführt von einem Streifenwagen der Polizei Höxter und gefolgt von vier Mannschaftswagen von Polizei-Einsatzkräften aus Bielefeld zog die Demonstration eine Stunde lang durch die Höxteraner Innenstadt. Weitere Polizeieinsatzkräfte begleiteten den Zug zu Fuß und sperrten Straßen ab. Gut und gerne 50 Polizeikräfte dürften mit der Demonstration beschäftigt gewesen sein.
"Nazis errichten Schranken auf allen Ebenen"
Vom Bahnhof ging es über die Uferstraße, Weserstraße, An der Kilianikirche, Martin-Luther-Straße, Rodewiekstraße, Teufelsgasse, Corbiestraße und schließlich durch die Fußgängerzone auf den Marktplatz. Dann führte der Weg über die Westerbachstraße, Obere Mauerstraße, Grubestraße erneut zur Marktstraße und hinunter zum Marktplatz, wo die Abschlusskundgebung stattfand.
Dort rief Initiativen-Sprecher Lukas Grüner zu Toleranz und gesellschaftlicher Offenheit auf. "Es hat ein gesellschaftlicher Rechtsruck stattgefunden, dem wollen wir entgegenwirken", sagte Grüner. "Nazis haben nicht in den eigenen Köpfen eine Mauer, sie tragen das auch in die Gesellschaft hinein und errichten Schranken auf allen gesellschaftlichen Ebenen", kritisierte Grüner. Konkret richtete sich die Demonstration gegen die "Freie Kameradschaft Höxter", eine vom Verfassungsschutz beobachtete rechtsradikale Vereinigung. Sie existiert laut Staatsschutz seit zwei Jahren und soll rund 40 Personen umfassen. Der aktive Kern soll aus 10 bis 15 Personen bestehen.
Im politischen Alltag spielt Rechtsradikalismus im Kreis Höxter keine Rolle. Das ist nicht überall so. "Ich komme aus Bochum, dort ist jetzt sogar ein NPD-Mitglied in den Stadtrat gewählt worden", erzählt ein 18-jähriger Demonstrant aus Bochum, der wie die meisten Demonstrationsteilnehmer seinen Namen nicht nennen will.
Als großen Erfolg wertete die Antifaschistische Initiative Höxter , die breite Beteiligung an der Demonstration. "Es haben sich ja nicht nur Leute aus unserer Szene, sondern ein ganz breiter Querschnitt, von jungen und älteren Leuten und sogar Familien mit Kindern beteiligt", fasst Initiativen-Mitglied Markus (18) aus Höxter zusammen.
Auch einzelne Politiker beteiligten sich an der Demonstration. "Ich habr eben auch den FDP-Kollegen Hubert Baumer gesehen; es gibt ja schon seit acht Jahren die auch vom Rat unterstützte Initiative der rechtsfreien Zone Höxter zur Unterstützung von Toleranz und Solidarität", erinnerte der Höxteraner Grünen-Ratsherr Berno Schlanstedt. "Es geht nicht nur um offene nationalsozialistische Agitation, es ist auch wichtig, sich gegen die stillschweigende Duldung von Ausländerfeindlichkeit zu stellen", sagte Grünen-Kreistagsmitglied Martina Denkner (Bad Driburg).
Aber auch bei Passanten kam die Demonstration durchweg gut an. "Das finde ich sehr gut", sagte die Deutschtürkin Emina Tuna (50). "Das ist doch eine gute Sache, dass so etwas in Höxter stattfindet", sagte der niederländische Höxter-Tourist Henk Koops (65). "Eine gute Aktion, obwohl ich persönlich nicht das Gefühl habe, dass es in Höxter viel Rechtsradikalismus gibt", sagten Fabian Wöstefeld (25) und Julian Felux (22).
Manche Demonstrationsteilnehmer sahen das anders. "Sie sind da und vor allem sind sie sehr gewaltbereit, über politische Meinungen kann man ja diskutieren, aber das sind Leute, denen jeder Anlass recht ist, um gewaltsam gegen jeden vorzugehen, der nicht zur eigenen Gruppe gehört, das habe ich selbst erlebt", sagte ein 18-jähriger Demonstrant.